THEMEN DER ZEIT: Kommentar
Alle an einen Tisch
Dtsch Arztebl 2010; 107(13): A-599

Die Neuverteilung der Aufgaben im Krankenhaus ist in vollem Gange. Das muss man zunächst einmal zur Kenntnis nehmen. Für die Ärzte könnte das eigentlich eine gute Nachricht sein, denn sie brauchen Entlastung. Doch die Hoffnung, endlich mehr Zeit für Patienten und Weiterbildung zu haben, erfüllt sich nicht überall. Während die Ärzte weiterhin Konsile organisieren, Krankenkassenanfragen beantworten und codieren, stehen mancherorts Nichtärzte im OP.
Wenn es an Ärzten fehlt, springen andere in die Lücke. Das ist keine Überraschung. Der Ärztemangel darf aber kein Vorwand sein, um billigere Arbeitskräfte für ärztliche Tätigkeiten einzusetzen – weil man in Wirklichkeit Geld sparen will. Außerdem: Wenn die Pflege ärztliche Aufgaben übernimmt, stellt sich die Frage, wer dann künftig pflegen soll. Der Fachkräftemangel betrifft beide Berufsgruppen. Das Problem wird verschoben.
Lösungen für eine vernünftige Aufgabenverteilung findet man nur, wenn sich alle an einen Tisch setzen. Wenn jeder das Ziel einer hochwertigen Patientenversorgung im Blick hat, kann eigentlich nur Gutes dabei herauskommen.
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