Supplement: PRAXiS

Webrecherche für den Arzt/die Ärztin: Google allein macht nicht glücklich

Dtsch Arztebl 2010; 107(15): [14]

Hägele, Michael

Für medizinische Fragen gibt es zahlreiche nützliche und kostenfreie Suchwerkzeuge im Internet. Ein Überblick

Geht es um die Recherche im Web, ist das für mehr als 90 Prozent der Internetnutzer hierzulande gleichzusetzen mit der Nutzung von Google als Suchwerkzeug. Dies rührt einerseits daher, dass man bei Google, schon seit Jahren am Markt etabliert, für annähernd jede Anfrage relevante Ergebnisse in sehr hoher Geschwindigkeit präsentiert bekommt. Andererseits wissen die meisten Nutzer gar nicht (mehr), welche Suchmaschinen sie noch hätten nutzen können. Ein vermeintlicher Nichtfund wird dann damit abgetan, dass diese Information im Web nicht verfügbar wäre. Aber längst nicht alles, was man finden könnte, lässt sich mit den Mitteln von Google aufspüren. Für viele Anfragen ist es sinnvoll, Alternativen aus dem virtuellen Werkzeugkasten zu nutzen.

So lohnt sich der Einsatz einer alternativen Suchmaschine wie Yahoo immer dann, wenn es zum Beispiel um postalische Adressen oder die Suche von Dienstleistern und Ärzten oder Ähnlichem geht. In diesem Bereich ist die Datenbasis von Yahoo deutlich besser als die des übermächtigen Konkurrenten. Auch Microsofts Bing (auf Platz drei des weltweiten Suchmaschinenmarktes) wartet – zumindest in der englischsprachigen Version – mit einigen Funktionen auf, die gute Suchergebnisse versprechen und zunehmend auch in der deutschen Version integriert werden.

Neben den klassischen Suchmaschinen, die auf die Indexierung von Webseiten spezialisiert sind, hat sich inzwischen ein weiterer Markt entwickelt, dessen Suchalgorithmen auf schnelllebigere Kommunikation abzielen, wie etwa Blogs oder Twitter. Blogs sind subjektive, oft sehr persönliche, fast täglich öffentlich niedergeschriebene Gedankengänge und Kommentare, die je nach Expertenstatus interessante Einblicke in aktuelle Entwicklungen geben können. Twitter ähnelt prinzipiell den Blogs, geht aber durch seine Kompaktheit und Flexibilität/Mobilität noch einen Schritt weiter. Dort werden von den Twitter-Nutzern in bis zu 160 Zeichen langen Informationshäppchen Kommentare, auch vom Handy aus, durchaus mehrmals täglich ins Netz gestellt. Der technische Zwang zur extremen Kurzfassung (wie bei den SMS) ermöglicht, dass man die „Nachrichten“ schnell mal zwischendurch lesen kann und sich so, bei sorgfältiger Auswahl adäquater Quellen/Personen/Persönlichkeiten/Experten, an die man sich anhängt („Followed“), gut auf dem Laufenden halten kann.

Ob medizinische Spezialthemen, Literatur, Arzneimittel und Leitlinien – für unterschiedliche Suchanliegen gibt es ein vielfältiges Online-Angebot an Recherchewerkzeugen. Hier einige Beispiele von Einstiegsseiten
Manches aktuelle Thema findet man in den „Paralleluniversen“, den Social Networks, inzwischen schneller und zielstrebiger als mit konventionellen Mitteln. Die Twitter-eigene Suche ist allerdings eher suboptimal. Nachrichten haben dort zudem meist keine längere Halbwertszeit als 14 Tage. Eine gute Alternative stellt aber www.topsy.com dar. Brauchbar ist auch www.convoflow.com.

Spezialsuchmaschinen
Themenspezifische Spezialsuchmaschinen sind ein weiterer empfehlenswerter Baustein zur erfolgreichen Webrecherche. Die deutschsprachige, auf medizinische Inhalte spezialisierte Suchmaschine www.medaplus.de etwa bietet schon beim Eintippen des Gesuchten Vorschläge und sinnvolle Suchverfeinerungen an. Die Medizinsuchmaschine www.medisuch.de hat sich Qualität und Transparenz auf die Fahnen geschrieben und berücksichtigt in ihren Ergebnislisten nur pharmafreie Inhalte und Informationsanbieter, die gewissen Richtlinien entsprechen und zertifiziert wurden. Erwähnenswert und international bekannt ist Medhunt www.hon.ch/MedHunt von der Health-On-the-Net-Stiftung in Genf. Die englischsprachige Spezialsuche www.righthealth.com bietet ebenfalls umfangreiche themenbezogene Resultate.

Im Folgenden werden für spezielle Fragestellungen im medizinischen Umfeld einige gute, kostenfrei zugängliche Werkzeuge vorgestellt.

Für die Literatursuche werden die meisten schon spezielle Suchmaschinen genutzt und/oder direkt Medline (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed) angesteuert haben. Wer sich führen lassen und deutsche Suchbegriffe eingeben will, kann auf http://babelmesh.nlm.nih.gov/index_ger.php zurückgreifen. Zu der klassischen (englischsprachigen) Medline-Oberfläche gibt es gute Alternativen: So bietet GoPubmed (www.gopubmed.org) als wissensbasierte, anwenderfreundliche Suchmaschine für biomedizinische Texte praktische Nutzungshilfen, um noch schneller Relevantes zu finden. Die nicht auf Medizin fokussierte Suchhilfe www.qsensei.com ist ebenfalls einfach zu bedienen und punktet mit Kommentier-/Reviewmöglichkeiten und Watchlists.

Empfehlenswert ist auch die Open-Access-Journalsuche www.doaj.org/doaj?func=searchArticles. Zwei Dienste von Google müssen in diesem Zusammenhang noch genannt werden: Google Scholar (http://scholar.google.de), das auf die Recherche von wissenschaftlicher Literatur spezialisiert ist, sowie die Google-Büchersuche (http://books.google.de), mit der man in vielen Büchern recherchieren und einige Passagen direkt einsehen kann. Das Recherchetool Medpilot (www.medpilot.de) der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin ist ebenfalls nützlich, insbesondere dann, wenn es um Bücher oder die Lokalisierung von Zeitschriften geht. Auch die Medlinerecherche ist praktikabel. Das Internetportal Vascoda (www.vascoda.de) ist eine transparente und gut bedienbare Suchplattform für die wissenschaftliche Informationssuche.
Die Recherchewerkzeuge stammen aus sehr verschiedenen Quellen, wie etwa ärztlichen Organisationen, Behörden, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Pharmafirmen.
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In Sachen EbM (evidence based medicine) darf eine Recherche in der Cochrane Library www.cochrane.org/reviews nicht fehlen. Bei www.gesundheitsinformation.de gibt es zwar erst wenige Informationen, diese dann jedoch in EbM-Qualität. Auch die Suche in www.evimed.ch kann brauchbare Ergebnisse liefern. Wer sich international informieren will, wird unter www.tripdatabase.com fündig.

Medikamente
Unabhängige Medikamenteninformationen sind mit der „a-t-Suche auch für Nichtabonnenten“ unter www.arznei-telegramm.de abrufbar. Darüber hinaus kann man mit einem DocCheck-Account (den jeder Arzt/jede Ärztin kostenfrei unter www.doccheck.com/de beantragen kann) sowohl in der Roten Liste (www.rote-liste.de/online) als auch in der Gelben Liste (www.gelbe-liste.de) online den aktuellen Datenbestand recherchieren. Einige ausführliche Beschreibungen sind auch im www.pharmawiki.ch zu finden. Um auf dem Laufenden zu bleiben, bietet sich das Portal Arzneimittel-Infoservice (AIS) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unter www.kbv.de/ais/ais.html an. Arzneimittelrisikochecks sind außerdem bei http://pillbox.doccheck.com möglich.

Leitlinien
Bei der Frage, ob es zu einem Krankheitsbild nationale oder internationale Leitlinien gibt, hilft am schnellsten die Volltextsuche der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) unter www.leitlinien.net. Eine grafisch nicht sonderlich schöne, aber effektive weltweite Suche nach Leitlinien ist unter www.pubgle.com/buscaren.htm verfügbar.

International bieten sich hierfür folgende Adressen an:

- www.guideline.gov (National Guideline Clearinghouse, Amerika)
- www.sign.ac.uk (Scottish Intercollegiate Guidelines Network)
- www.mja.com.au/public/guides/guides.html (Clinical Guidelines des Medical Journal of Australia)
- www.nice.org.uk (National Institute for Health and Clinical Excellence, UK)
- www.cma.ca/index.cfm/ci_id/54316/la_id/1.htm (Canadian Medical Association, Clinical Practice Guidelines)

Ärztefachportale
Eine Anmeldung im deutschsprachigen Univadis (www.univadis.de), bereitgestellt von dem Pharmakonzern MSD, ermöglicht den Online-Zugriff auf das englischsprachige Portal von McGrawHill (www.accessmedicine.com), das den Harrison’s Online (ansonsten kostenpflichtig) sowie eine umfangreiche Bild- und eine gut sortierte Arzneimitteldatenbank umfasst. Auch das MSD-Manual wird in der Suche von Univadis mitberücksichtigt, ist aber nur mit DocCheck-Passwort unter www.msd.de direkt erreichbar.

Die KBV will in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer mit ihrer Arztbibliothek (www.arztbibliothek.de) medizinisches Wissen gezielter verfügbar machen – sie eignet sich gut als Einstieg in die Recherche.

www.medrapid.info bietet umfangreiche, gut strukturierte Informationen zu mehr als 9 000 Krankheitsbildern und rund 40 000 diagnostischen Maßnahmen, einiges davon allerdings nur nach kostenpflichtiger Anmeldung.

Englischsprachigen Kollegen sei noch die Website www.medscape.com empfohlen, die nach kostenfreier Anmeldung ein breites fachgruppenspezifisches Angebot an Inhalten, Nachrichten und Medikamenteninformationen bietet, das in dieser Breite im deutschsprachigen Raum nicht verfügbar ist.

Der Überblick verweist auf die Bandbreite des Internets und die zahlreichen nützlichen Seiten und Werkzeuge abseits des Google-Mainstream. Diese und weitere hochwertige Informationsquellen sind auch im Webkatalog www.medinfo.de zu finden, der seit mehr als zehn Jahren aufgebaut und gepflegt wird und in dem die wichtigsten Inhalte und Werkzeuge themenspezifisch bereitgestellt werden. Michael Hägele
E-Mail: mhaegele@medinfo.de
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