POLITIK

Krankheitskosten in Deutschland: Frauen sind teurer

Dtsch Arztebl 2010; 107(16): A-742

Rieser, Sabine

Durchschnittlich 2 870 Euro kostete im Jahr 2006 für jeden Einwohner der Erhalt der Gesundheit.

Auch wenn viele im Gesundheitswesen Tätige meinen, dass die finanziellen Mittel zu knapp sind: Im Jahr 2006 wurden 236 Milliarden Euro für die Wiederherstellung von Gesundheit und die Milderung von Krankheitsfolgen ausgegeben. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt umfasste damals 261,6 Milliarden Euro. Das geht aus der Veröffentlichung „Krankheitskosten“ des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor. Grundlage ist die Krankheitskostenerhebung des Statistischen Bundesamtes.

Danach verteilte sich circa die Hälfte der gesamten Krankheitskosten auf vier Krankheitsklassen. Am teuersten war die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (35,2 Milliarden Euro/15 Prozent der Kosten) sowie von Krankheiten des Verdauungssystems (32,7 Milliarden Euro/13,8 Prozent). Hierzu zählt das RKI auch Krankheiten der Mundhöhle, der Speicheldrüsen und des Kiefers und damit zahnärztliche Behandlungen. Es folgen psychische und Verhaltensstörungen, darunter auch Demenzerkrankungen (26,7 Milliarden Euro/11,3 Prozent). Für Krankheiten des Skeletts, der Muskeln und des Bindegewebes wurden 26,6 Milliarden Euro (11,3 Prozent der Gesamtausgaben) aufgewendet.

Wie zu erwarten, steigen die Ausgaben mit dem Alter: Zwar machen die über 64-Jährigen nur knapp 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, doch auf sie entfielen 47,1 Prozent der gesamten Ausgaben. Auffällig ist, dass Frauen 57,6 Prozent der Ausgaben beanspruchten, obwohl sie lediglich 51,1 Prozent der Gesamtbevölkerung stellen.

Die Autorinnen erklären dies mit der „Feminisierung des Alters“: Im Jahr 2006 lebten in Deutschland 9,4 Millionen Frauen über 64 Jahre, aber nur 6,7 Millionen gleichaltrige Männer. Weil die Krankheitskosten im Alter steigen, werden Frauen insgesamt teurer. Vergleicht man aber die Krankheitskosten von alten Männern und Frauen und rechnet die Ausgaben für die Betreuung in Pflegeeinrichtungen heraus, ergibt sich, dass die Unterschiede nur gering sind. Der Grund für die abweichenden Gesamtkosten: Frauen überleben häufig ihren Partner und sind dann auf professionelle, vergleichsweise teurere Pflege angewiesen. Sabine Rieser
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