GELDANLAGE

Börsebius: Kommt die Deutsche Mark wieder?

Dtsch Arztebl 2010; 107(16): A-774 / B-674 / C-662

Steht der Euro vor dem Aus? Sollte sich die Bundesdruckerei darauf einstellen, alsbald Banknoten zu drucken, auf denen wieder die gute alte Deutsche Mark steht? Was bis vor wenigen Monaten noch undenkbar war, scheint durchaus wieder im Bereich des Möglichen zu stehen, und nicht nur das, sondern auch geboten zu sein.

Das Ende des Euro, so könnten Chronisten späteren Generationen erzählen, nahm mit dem europä-ischen Hilfspaket für Griechenland seinen Anfang. Kein Zweifel: Das Paket ist währungspolitisch eine Katastrophe und juristisch ein eklatanter Vertragsbruch. Eine Schicksalsgemeinschaft leichtfertig für einen Staat aufzugeben, der jahrelang über seine Verhältnisse gelebt hat, ist fast schon obszön.

Dabei ist die Nichtbeistandsklausel des EU-Vertrags in ihrer Eindeutigkeit nicht zu überbieten. Weder die Europäische Union als Institution noch einzelne Mitgliedsländer dürfen für Schulden eines anderen Mitgliedslandes haften oder sonstwie eintreten. Punktum. Nun sollen also bilaterale Kredite über 30 Milliarden Euro, von der EU zu bündeln, bereitgestellt werden. Notfalls. Und das alles zu subventionierten Zinsen, weil die armen Griechen ja sonst am Markt zu viel bezahlen müssten. Wieder einmal spielt die Kreditanstalt für Wiederaufbau eine unrühmliche Schattenhaushaltsrolle. Mit bis zu 8,4 Milliarden Euro sollen die Deutschen mit von der Partie sein. Unfassbar.

Das Hilfspaket werde so geschnürt, dass es am Ende gar nicht gebraucht werde, argumentiert die Bundesregierung – der Feuerlöscher hinge quasi nur an der Wand. Eine naive Vorstellung, bedürfte es im Fall der Fälle doch Hunderter Feuerlöscher. Als weitere Brandstifter warten die Portugiesen, Italiener und noch einige andere mehr.

Können die Griechen nicht einfach pleitegehen und einen gepflegten Staatsbankrott hinlegen? Schließlich haben sie sich mit getürkten Zahlen den Beitritt zur EU erschlichen. Sollen sie doch selbst mit dem Schlamassel klarkommen.

Na ja, derlei Argumentation hilft zwar an Stammtischen weiter, löst aber den gordischen Knoten des Hilfspakets nicht, leider. Denn: Im Fall eines Staatsbankrotts der Griechen fahren deutsche Banken ihre Griechenland-Engagements an die Wand. Wenn Sie sich wundern sollten, woher die Institute das Geld haben, um (scheinbar) hochrentierliche griechische Anleihen zu kaufen: vom deutschen Steuerzahler im Rahmen der Finanzkrise zu deutlich niedrigeren Zinsen. Der deutsche Bürger wird somit zum zweiten Mal zur Kasse gebeten. Alles mit dem Segen der Bundesregierung. Wie oft noch? Dann doch lieber wieder zurück zur guten alten Mark.
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