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Tag der Organspende: „Keine Zeit für lange politische Debatten“

Dtsch Arztebl 2010; 107(22): A-1091 / B-963 / C-951

Siegmund-Schultze, Nicola

Zum Tag der Organspende am 5. Juni wollen führende Politiker offenbar das Bewusstsein der Öffentlichkeit stärken, sich mit dem Thema zu befassen. Zur zentralen Veranstaltung in Hannover wird Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) erwartet, die Schirmherrschaft haben der niedersächsische Ministerpräsident, Christian Wulff, und Sozialministerin Aygül Özkan (beide CDU) übernommen.

Nach einem kurzen „Zwischenhoch“ der postmortalen Organspende im Jahr 2007 mit 16 Spendern je eine Million Einwohner sind die Spenderzahlen im Jahr 2009 in Deutschland wieder gesunken – auf 14,6 je eine Million Einwohner, so dass im vergangenen Jahr nur 4 050 Organe verpflanzt werden konnten.

Foto: DSO
„Jeder macht mit, jedem kann geholfen werden, wenn er selbst auf ein Organ angewiesen wäre – das sollte das Motto für uns alle sein“, betonte Prof. Dr. med. Günter Kirste, Medizinischer Direktor der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Frankfurt am Main. Würden alle potenziellen Organspender gemeldet, ließe sich die Zahl der Spender vermutlich verdoppeln, hatte eine frühere Studie im Auftrag der DSO ergeben.

Da in den meisten Ländern mit wenigstens 20 postmortalen Spendern je eine Million Einwohner die Widerspruchslösung gilt, hatte der 113. Deutsche Ärztetag im Mai in Dresden für eine „zeitnahe, gesetzliche Neuregelung im Sinne einer Widerspruchslösung“ votiert mit dem Ziel, die Spenderraten zu erhöhen. Eine postmortale Organentnahme wäre dann zulässig, wenn der Verstorbene nicht zu Lebzeiten widersprochen hat und die Angehörigen die Explantation akzeptieren. Die Ablehnungsrate beträgt in Deutschland zwischen 33 und 40 Prozent.

Kirste wies jedoch darauf hin, dass eine Neuregelung zugunsten der Widerspruchsregelung derzeit vermutlich keine gesellschaftliche Akzeptanz fände und man – im Interesse der 12 000 Patienten auf der Warteliste – keine Zeit habe für lange politische Debatten. Schon heute gebe es Bundesländer mit mehr als 20 postmortalen Spendern je eine Million Einwohner – trotz der in Deutschland geltenden erweiterten Zustimmungslösung. nsi
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