MEDIEN

Gesundheitsportale: Das Geschäft mit Empfehlungen

Dtsch Arztebl 2010; 107(22): A-1119 / B-987 / C-975

Hägele, Michael

Ein Test mit fragwürdigen Experten und Methoden

Unter dem Titel „Dr. ZuHouse“ werden in der Zeitschrift „Computer Bild“ vom 8. Mai 2010 Gesundheitsdienste beziehungsweise -portale getestet: „Guter Rat ist teuer? Von wegen: Wer Infos rund um das Thema Gesundheit sucht, wird bei Online-Gesundheitsdiensten wie Netdoktor, Onmeda & Co. kostenlos fündig.“

Die Zeitschrift testet sechs ausgewählte (die Auswahl wird nicht transparent – warum gerade diese?) Gesundheitsdienste mit einem umfangreichen Katalog. Zu den Testergebnissen siehe den Kasten.

Onmeda wurde aufgrund der Zugehörigkeit zur Axel Springer AG wegen Befangenheit („Computer Bild“ gehört auch zum Konzern) nicht getestet. Löblich, das erzeugt beim Leser ein Gefühl von Seriosität. Ebenso wie die wichtige und absolut richtige Warnung vor sorglosem Umgang mit privaten Daten.

Diese Warnung hätte „Computer Bild“ allerdings auch auf den sorglosen Umgang mit dem Experten Prof. Hademar Bankhofer ausdehnen müssen: Denn im Gesundheitswesen gibt es viele selbsternannte Experten, die nicht unbedingt repräsentativ für den aktuellen Stand der Medizin oder gängige Expertenmeinungen stehen. Und gerade im Gesundheitswesen ist die Beurteilung von richtig und falsch sehr diffizil. Jedenfalls ist es eine statistisch fragwürdige Methode, die Qualität von Gesundheitsdiensten aufgrund von zwölf Testfragen zu beurteilen. Noch fragwürdiger wird es, wenn die Hälfte des Fachbeirats (dieser besteht nur aus zwei Personen) zur Beurteilung von „richtig“ und „falsch“ aus „Prof.“ Bankhofer besteht, der in der wissenschaftlichen Medizin umstritten ist (siehe etwa Wikipedia).

Offensichtlich werden die Nebeninteressen des Experten Bankhofer bei den Empfehlungen im Artikel zu „Nützliche Gesundheitsseiten im Internet“: Nicht nur, dass eines – auch international – der anerkanntesten (weil methodisch sehr aufwendig arbeitenden) Informationsportale wie www.gesundheitsinformation.de nicht erwähnt wird. Nein, auch ein auf den ersten Blick für Kenner der Materie verwirrendes Portal hat es in die Empfehlungsliste geschafft: www.gesundheit-info.de. Im Impressum heißt es dort „sanitas – biologische Nahrungsergänzungs- und Heilmittel GmbH & Co. KG“. Unter den nützlichen Gesundheitsseiten ist also ein Shop für Nahrungsergänzungsmittel. Wie kann das sein?

Man muss nicht lange suchen, um einen Zusammenhang zu finden: Auf der Webseite www.pamcitric.ch/index1.html steht: „Hademar Bankhofer hat Grapefruitkernextrakt ausführlich in einer Sendung der Reihe ‚Spektrum Gesundheit‘ vorgestellt. Bücher wurden verfasst (und mittlerweile in zahlreiche Sprachen übersetzt), so dass CitroBiotic® auch im europäischen Ausland immer mehr begeisterte Verwender findet. Eine kleine Auswahl finden Sie auch auf der Homepage des Herstellers Sanitas.“ Die Inhalte auf www.sanitas.de kommen seltsam bekannt vor, denn dies ist offensichtlich nur ein anderer Domänenname für www.gesundheit-info.de und inhaltlich identisch.

Nebenbei bemerkt hat erstmals in einem deutschsprachigen Gesundheitsportaltest ein Web2.0-Portal (www.imedo.de) gewonnen. Nutzerempfehlungen sind im Sinne der Schwarmintelligenz (bei einer genügend großen Anzahl) in der Tat recht zutreffend. Wichtig dafür sind jedoch hohe echte Nutzerzahlen, damit sogenannte U-Boot-Patienten, die beispielsweise von der Pharmaindustrie bezahlt werden und sich in diesen Portalen tummeln, nicht mehr ins Gewicht fallen.

Ein kurzer Blick auf www.imedo.de etwa zum Thema „Asthma bronchiale“: Dort befindet sich keinerlei Hinweis auf die „Nationalen Versorgungsleitlinien Asthma“ oder auf das „Stufenschema“, beides wichtige Stützen der Schulmedizin in Deutschland. Stattdessen sehr ausgewählte Hinweise zu möglichen Therapien wie „Foster Spray“, von denen einige (aufgrund von zwei bis drei Nutzerhinweisen) mit „hilft zu 100 %“ bewertet werden. Das und die Empfehlung eines Nahrungsergänzungsmittelportals kann nicht die Beratung sein, die man guten Gewissens empfehlen kann. Bisher waren die „Computer Bild“-Tests von Gesundheitsportalen eigentlich ganz ordentlich, diesmal aber hatte man mit der Auswahl des Experten wohl kein glückliches Händchen.
Dr. sc. hum. Michael Hägele,
www.medisuch.de, www.iqtg.de
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