AKTUELL: Akut

Epigenomforschung wird für Krebskranke relevant

Dtsch Arztebl 2010; 107(27): A-1334 / B-1178 / C-1158

Siegmund-Schultze, Nicola

Die ersten Stufen einer malignen Entartung sind nicht immer Mehrschrittgenmutationen, wie früher vermutet wurde, sondern können sich gewissermaßen auf „höherer Ebene“ ereignen, und zwar auf der des Epigenoms. Epigenetische Phänomene wie die Methylierung von DNA und die Modifikation von Histonen lassen die Basenpaarsequenz der Erbsubstanz unverändert, modulieren aber die Packungsdichte des Chromatins und damit die Aktivität von Genen.

Während die DNA von Krebszellen in ihrer Gesamtheit eher hypomethyliert ist, gibt es „Inseln“ im Genom, die reich an Cytosin-Guanin-Paaren sind und bei einigen Tumoren auffällig viele Methylreste tragen. „Wir haben den Methylierungsgrad in Biospien von 235 Patienten mit kolorektalen Karzinomen untersucht und festgestellt, dass Mutationen im BRAF-Gen mit solchen im Methylierungsmuster auffälligen Phänotypen assoziiert waren“, erläuterte Prof. Dr. Peter Laird , Direktor am Norris Comprehensive Cancer Center der University of Southern California (Los Angeles, USA) bei der 4th Mildred Scheel Cancer Conference der Deutschen Krebshilfe in Königswinter. „Weitere Analysen haben gezeigt, dass solche Hypermethylierungen in CpG-Inseln wiederum tumorfördernde BRAF-Mutationen begünstigen – nicht ungekehrt“, sagte der Experte. Die CpG-Inseln enthalten regulatorische Elemente, die die Aktivität von Genen für Signalwege der Proliferation, der Differenzierung und der Seneszenz von Zellen beeinflussen. Der Grad der Methylierung nehme auf dem Weg von einer gesunden Darmepithelzelle zu einer hyper- und dysplastischen bis zur malignen Zelle stetig zu. Der Methylierungsphänotyp lasse sich für die Frühererkennung, die Subtypisierung von Tumoren und die Einschätzung der Prognose von Krebspatienten nutzen. Parallel zum International Cancer Genome Project, an dem auch Deutschland beteiligt ist, werde ein Krebs-Epigenom-Atlas erstellt, dessen sukzessiv ermittelte Daten zeitnah und unentgeltlich ins Internet gestellt würden.

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Von 90 Millionen Euro, die die Deutsche Krebshilfe im vergangenen Jahr ausgegeben hat, sind 40 Millionen Euro in die onkologische Forschung in Deutschland geflossen: mehr als von jedem anderen privaten Geldgeber. Die finanzielle Unterstützung von wissenschaftlichen Verbünden zu Themen wie Molekularpathologie und Bildgebung sei einer der Schwerpunkte, sagte Prof. Dr. med. Reinhard Büttner (Bonn). Die Epigenomforschung, in der auch Deutschland sehr erfolgreich ist, gehört dazu.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

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