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THEMEN DER ZEIT

Akupunktur im Westen: Am Anfang war ein Scharlatan

Dtsch Arztebl 2010; 107(30): A-1454 / B-1288 / C-1268

Lehmann, Hanjo

Der Franzose George Soulié de Morant gilt als Vater der westlichen Akupunktur. Aber alle Indizien deuten darauf hin, dass er in China nie eine Nadel gestochen, vermutlich nie eine Nadelung gesehen hat.

George Soulié de Morant, geboren 1878 in Paris, gestorben 1955 in Paris. Kam nach eigenen Angaben 1901 nach China und war dort im diplomatischen Dienst tätig.

Als „locus-dolendi“-Stechen war die Akupunktur in Europa um 1820 eine Modetherapie. Dann geriet sie in Vergessenheit. Die moderne Akupunktur begann nach 1929 mit den Schriften von George Soulié de Morant (18781955) – diesmal mit dem Anspruch, chinesischer Lehre zu entsprechen. Als nach 1945 Gerhard Bachmann, Erich Stiefvater und Heribert Schmidt die Akupunktur in Deutschland einführten, beruhte diese größtenteils auf den Lehren Soulié de Morants. Wichtigster Vermittler war sein Schüler Roger de la Fuye. Allerdings beherrschte keiner der frühen deutschen Akupunkteure die chinesische Sprache. Umso erstaunlicher war ihre Kritiklosigkeit. Wie die gesamte westliche Akupunkturwelt bis heute, glaubten sie Soulié de Morant, der 1932 schrieb:

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Als ich, das Chinesische fließend sprechend und lesend, 1901 in China ankam, ließ mich die Bestimmung in Gestalt von Monsignore Bermyn, dem verstorbenen Bischof der Mongolei, der mir Mongolisch beibrachte . . ., das Hospital der Missionare besuchen, wo chinesische Ärzte die unglücklichen Befallenen der schrecklichen Cholera-Epidemie behandelten, die damals in Peking tobte. (1)

Die Bestimmung ließ mich der fast sofortigen Heilung dank der Nadeln beiwohnen . . . Begeistert, aber irgendwelche Magie vermutend, erhielt ich von dem Akupunkteur eine Nadel und einige Kranke geliehen; nachdem ich sorgfältig die Stellen beobachtet hatte, wo zu nadeln war, wurden meine Patienten geheilt. (2)

Zwei Jahre später, Vize-Konsul und Richter am Gemischten Gerichtshof in Shanghai, traf ich als Arzt des Tribunals einen exzellenten Akupunkteur. Er war bereit, mich zu unterrichten und ließ mich unter seiner Anleitung Patienten behandeln . . . noch später, Konsul in Yunnan-fou . . . nannte mir ein chinesischer Arzt Bücher und gab mir Ratschläge für die Patienten unseres Hospitals. (3)

So wurde ich in den Augen des chinesischen Gesetzes Akupunkteur. (4)

Erstaunlich – wie konnte der 22-Jährige im Jahr 1901 das Chinesische fließend sprechen und lesen, ohne vorher unter Chinesen gelebt zu haben? Ohne Tonaufzeichnungen? 3 000 Schriftzeichen, ohne Sinologiestudium, ohne brauchbare Lehrbücher? – Nie eine Erklärung.

Oder später: Vizekonsul und Richter. Wirklich? 24 Jahre alt, kein Studium, keine Diplomatenschule – trotzdem als Vizekonsul Vorgesetzter altgedienter Attachés und Botschaftsräte? Danach gar Konsul in Yunnan-fou (heute Kunming)? Schwer zu glauben.

Oder das Hospital der Missionare. Später heißt es „das Hospital, das ich besuchte“ (5). Im Hauptwerk L’Acuponcture Chinoise noch schwammiger: „beim Besuch der französischen Einrichtungen“ (6). Es gab aber in Peking gar kein französisches „Hospital der Missionare“, nur ein St.-Vincent-Hospital. War es das? – Er sagt es nie.

Oder die chinesischen Ärzte. Arbeiteten die da heimlich? Oder im Auftrag? Aber warum wussten die französischen Ärzte nicht, was die Chinesen machten? Und wie viele davon gab es eigentlich? Warum schreibt Soulié im April 1932 von mehreren (des médecins chinois), später immer nur von einem? Merkwürdig.

Dann die Beschreibung der Cholera. „Typhus isst man, Cholera trinkt man“, hieß es früher, womit gemeint war: Eine Cholera-Epidemie setzt in der Regel verbundene Wasserwege voraus. Im trockenen Peking kam Trinkwasser meist aus Tiefbrunnen. Wie kam es, dass hier die Cholera tobte?

Nun beobachtet Soulié angeblich die Heilung von der Cholera. Gegen die war die Schulmedizin damals hilflos. Und doch kommt er nicht auf die Idee, die französischen Ärzte zu informieren, um auch andere Patienten zu retten? Wieder merkwürdig. Oder die angeblichen Lehrer. Von Chinas Ärzten weiß man, dass sie ihre Kunst nur den Söhnen oder erprobten Schülern weitergaben. Da soll jemand einfach einem Fremden seine Geheimnisse verraten? Zumal einem Ausländer? Und ihn dann Patienten in höchster Lebensgefahr behandeln lassen? Kaum zu glauben.

Die Nadeln gibt es nach Soulié in den unterschiedlichsten Varianten – als Legierung aus Gold und Kupfer, aus Silber und Zinn, als Kupfernadel oder Nähnadel. Foto: mauritius-images

Oder die Punkte. Welche nadelte der Chinese? Welche Soulié? Warum nennt er, angeblich in den Augen des chinesischen Gesetzes Akupunkteur, nicht einmal die genadelten Körperstellen? Und in den Augen welchen Gesetzes war er Akupunkteur? Jeder hätte es merken können: Hier stimmte etwas nicht.

Genau genommen stimmte gar nichts. Schon der Name war eine Erfindung. Geboren wurde er am 2. Dezember 1878 als Georges Soulié. Später nennt er sich „George Soulié de Morant“ – ein Adelsname. Angeblich, um sich vom Bruder Maurice abzusetzen – so als hätte sich Thomas Mann zur Abgrenzung vom Bruder Heinrich Tomaso Mann von Hohenstein genannt. Offenbar litt Soulié, ohne Universität oder namhafte Schule, an seinem niedrigen Status. So machte er sich wenigstens im Namen zu etwas Höherem.

Nach Angaben seiner Tochter Evelyne (geboren 1914) aus dem Jahr 2007 war Soulié de Morant in China niemals Konsul oder Vizekonsul. Erst als er aus dem auswärtigen Dienst ausschied, erhielt er ehrenhalber den Titel. Erstmals 1925 prangt auf seinen Büchern (nach wie vor über Chinas Geschichte und Kultur, nie zur Medizin) der Hinweis „Consul de France“.

Und wie sieht es mit dem angeblichen Richteramt aus? Unter den vielen Büchern, die Soulié de Morant schrieb, behandelte eines 1925 „Exterritorialité et Intérèts étrangers en Chine“. Dort steht, wer für Frankreich in dem Gerichtshof saß: „un français, . . . généralement le 1er interprète du consulat“ (7). Das also war er wirklich: erster Dolmetscher.

Und war Soulié de Morant „in den Augen des chinesischen Gesetzes Akupunkteur?“ Gewiss nicht – ein solches Gesetz gab es nicht. Im Buch über Soun Iat-Senn (der Arzt war) schreibt er 1932 selbst: „Chinas Gesetze räumen den medizinischen Diplomen kein Monopol ein.“ (8)

Foto: iStockphoto

Gab es schließlich 1901 in Peking wirklich die Cholera? Nein. Das zeigen die Aufzeichnungen der „History of Chinese Medicine“ von Wong und Wu: 1901 Pest in Hongkong und Fuzhou sowie Typhus in Jiangxi. Aber keine Cholera 1901 in Peking (9).

Und in Souliés „Mongolischer Grammatik“ aus dem Jahr 1903 erfährt man: Bischof Bermyn war 1901 gar nicht in Peking, um über eine Entschädigung für die Boxer-Verwüstungen zu verhandeln (und Soulié nebenbei Mongolisch zu lehren). Sondern das passierte 1902 (10).

Es war alles ausgedacht. Das zeigt schon der erste, gemeinsam mit Ferreyrolles verfasste Aufsatz. Es gehe, stand da im Juni 1929, „um Verfahren, deren Anwendung einer von uns in China gesehen hat“ (11) – gesehen, nicht praktiziert hat! Wäre das falsch gewesen, hätte Soulié zwei Jahre Zeit gehabt, es zu korrigieren. Erst 1931 erschien der nächste Aufsatz, wieder mit Ferreyrolles. Doch wiederum heißt es: „Immer noch furchtsam, probierten wir an Europäern aus, was der eine von uns bei den Chinesen angewandt gesehen hatte.“ (12)

Wieder nur „gesehen“, nicht „selbst praktiziert“. Konnte er das dem Freund Ferreyrolles verschwiegen haben? Kaum zu glauben. Doch damit nicht genug. Gleich in den ersten beiden Aufsätzen, die er allein schreibt (April und Juni 1932), unterläuft ihm ein weiterer Fehler. Da beschreibt er die Nadel (Singular!), die angeblich sein Leben verändert hat, im April mit den Worten: „Die angewandten Mittel waren . . . einfach. Auf die chinesischen Punkte einige Stiche von 3 oder 4 mm Tiefe, mit einer feinen Kupfernadel.“ (13)

Offenbar hatte er, als er wenig später den zweiten Aufsatz schrieb, keine Kopie des ersten zur Hand, sondern nur den Klang im Ohr. In dem Aufsatz, der im Juni erscheint, heißt es nämlich: „Einige Stiche von 3 oder 4 mm Tiefe, mit einer Nähnadel.“ (14) Im Französischen klingt das ähnlich: hier „une aiguille de cuivre“, dort „une aiguille à coudre“. Aber kann man das verwechseln, zumal bei einem angeblich lebensbestimmenden Ereignis? Und warum hätte ihm der chinesische Arzt eine Nähnadel leihen sollen?

Um diesen Fehler zu verschleiern, behauptet Soulié von nun an: „Jeder [Akupunkteur in China] lässt sich Nadeln nach seinen Ideen . . . anfertigen . . . Die einfache Nähnadel des Schneiders, fein und in Legierung mit hartem Kupfer, wird häufig verwendet.“ (15) Mitnichten. Auch in China gab es nie Nähnadeln in Legierung mit Kupfer. Und die
„9 Nadeln“ gehörten seit dem Huangdi Neijing zum Kern der Akupunktur. Außerdem widerspricht er sich selbst: „After long trials we [das heißt SdM und die französischen Ärzte] have found that the best results are obtained with two different models of needles with the following composition of metals:

For tonification: 60% to 70% pure gold and 40% to 30% red copper.

For dispersion: 66,6% pure silver and 33,4% pure zinc.“ (16)

Foto: Ullstein

Silber zur „Sedierung“, Gold zur „Tonisierung“. Wenn er das bei seinen Lehrern gelernt hätte – warum lässt er diese bei den wenigen Malen, wo er sie erwähnt, nie unterschiedliche Nadeln benutzen?

Der Platz reicht hier nicht für den Nachweis all dessen, was Soulié nicht wusste, aber hätte wissen müssen, wenn er wirklich in China Akupunktur gelernt hätte. Mehr dazu findet sich in den Ausführungen, die gleichzeitig mit diesem Beitrag ins Internet gestellt werden (www.tcm.de). Hier nur einige Aspekte:

  • 1910 kehrt Soulié aus China zurück. Bis 1932 veröffentlicht er mehr als 30 Bücher – und in keinem befindet sich auch nur das Wort „Akupunktur“.
  • Unbegreiflich ist seine Aussage: „Das Verfahren, das auf chinesisch ,Nadeln und Moxa’ heißt, Zhenjiufa, ist der wichtigste Zweig der chinesischen Medizin.“ (17) Das ist keineswegs richtig, dies war stets die Heilmittellehre. Die Akupunktur (seit 1822 an der kaiserlichen Medizinakademie verboten) führte ein Schattendasein. Xu Dachun beklagt sie schon 1757 als „lost tradition“ (18).
  • Im Juni 1929 schreibt Soulié: „Die Chinesen . . . waren die ersten Homöopathen.“ (19) Auch falsch. Die TCM (Traditionelle chinesische Medizin) war und ist im Gegenteil explizit allopathisch: Fülle ableiten, Mangel auffüllen, Heißes kühlen, Kaltes erwärmen.
  • An keiner Stelle erwähnt Soulié Konkretes, das er von seinen chinesischen Lehrern gelernt hätte, geschweige denn Unterschiede zwischen diesen. Niemals auch etwas über seine angeblichen Patienten in China.
  • Die Yin-Yang-Lehre kennt Soulié nur oberflächlich, ordnet zum Beispiel fälschlich die Rechte dem Yang, die Linke dem Yin zu. Die Fünf-Phasen-Lehre stellt er falsch dar, die Krankheitslehre mit Innen- und Außenursachen nur in Bruchstücken. Dass die Milz in der TCM als Zentralorgan der Verdauung gilt, weiß er (und erweitert sie zu „Milz-Pankreas“), nicht jedoch, dass auch Organen wie Leber, Gallenblase, Niere andere Funktionen zugeschrieben werden, so etwa der Niere die Sexualität. Weil er das nicht weiß, nennt er das „Herzbeutel-Gefäß“ anfangs „Kreislauf-Sexualität-Meridian“.
  • Ein wichtiges Kriterium der chinesischen Akupunktur ist das Nadelgefühl „Deqi“ („Das Qi erreichen“). Und ein elementarer Bestandteil der Diagnostik ist die Zungendiagnose. Soulié kennt beides nicht – undenkbar, dass von drei chinesischen Lehrern keiner darauf hingewiesen hätte.

Dies sind lauter Lücken und Irrtümer, die nur eine Erklärung zulassen: Soulié de Morants angebliche Lehrer und Patienten in China gab es nicht. Seine Akupunktur war ein Fantasieprodukt, basierend auf Büchern, die er sich nach 1929 verschaffte.

Doch er kam damit durch – zumal er einige zwar falsche, doch eingängige Erklärungsmodelle fand. Diese prägen bis heute die Lehrinhalte, bis hin zum „Musterkursbuch Akupunktur“ der Bundesärztekammer. „Meridian“ machte aus den chinesischen Jingluo körperlose Linien. „Energie“ machte aus Qi – das im Chinesischen viele Bedeutungen hat, in der Medizin aber die einer Feinsubstanz – ebenfalls etwas Körperloses, vergleichbar dem elektrischen Strom.

Doch für die Chinesen waren die Jingluo „Gefäße, in denen Blut und Qi fließt“ – und zwar keineswegs überall gleich viel. Gelegentlich zitiert Soulié das, etwa beim Lungen-Meridian: „The meridian has much energy and little blood.“ (20) Ansonsten ignoriert er es und spricht nur von „management of energy“.

Nur so konnten ausgebildete Ärzte Konstrukte schlucken wie den „dreifachen Meridian-Kreislauf“. Im „Musterkursbuch“ heißt er „Leitbahnumlauf“, was aber genauso absurd ist. Nicht anders die „Dickdarm-Leitbahn“. Wenn man bedenkt, dass hier angeblich „Blut und noch etwas“ von der Hand zum Kopf fließen soll, wird das zum Aberglauben: Es gibt keine solche Struktur. Und wenn es die Fließrichtung der Leitbahnen wirklich gebe – wie könnte man dann zum Beispiel durch Nadelung von Magen36-Zusanli gegen die Leitbahnrichtung auffüllend beziehungsweise „tonisierend“ auf den Magen einwirken?

Auf Soulié de Morant geht auch die Überbewertung der Punktekategorien zurück, vor allem der „Tonisierungs- und Sedierungspunkte“. Aber auch Kardinal-, Yuan-, Luo-, Alarm-, Meister-, Spalt- oder antike Punkte sind größtenteils nicht nur klinisch belanglos (21), sondern auch theoretisch dürftig begründet. Und doch müssen dies die Kursteilnehmer für teures Geld lernen.

Auch die „Organuhr“ geht auf Soulié zurück. Man frage einmal die Vorsitzenden der großen Akupunkturgesellschaften: Woher hatte Soulié de Morant eigentlich diese „Energiemaxima und -minima“, die im „Neijing“ nicht zu finden sind? Auf die Antwort darf man gespannt sein.

Wie bei fast allen Lehrinhalten stellen sich die Fragen: Woher kommt das? Wie ist der chinesische Wortlaut? Was bedeutet das ursprünglich? Diese Grundlagenarbeit haben die Akupunkturgesellschaften in bald 60 Jahren ihrer Existenz nicht geleistet. Dass sie dennoch 2003 die „Zusatzbezeichnung Akupunktur“ durchsetzen konnten, ist mit einer rationalen Medizin nicht zu vereinbaren.

Seit dem Sturz der Qing-Dynastie war Chinas alte Medizin ein Spielball der Politik. Ihr Wiederaufstieg ab 1955 war politisch bedingt. Sie nannte sich „traditionell“, war es aber in Wirklichkeit nicht: Arbeit in Krankenhäusern, Tür an Tür mit moderner Medizin. Keine Notfallbehandlungen. EKG, Röntgen, Blutbild gab es auch für TCM-Patienten. Die Führung der Krankenakten erfolgte auf der Grundlage medizinisch-wissenschaftlicher Begriffe. Bei der Ausbildung an den Hochschulen wurde zunächst Biologie gelehrt, dann, wie eine Fremdsprache, wurden die TCM-Kategorien vermittelt.

Bei den jungen Chinesen verlor die TCM zunehmend an Rückhalt. Doch dann kamen die Westler. Heilkräuter-Export und TCM-Kurse boomten. Und die Westler, dank der Vorarbeit Soulié de Morants und seiner Schüler, glaubten alles. So verstummten in China die Stimmen, die traditionelle Empirie und modernes Wissen in Einklang bringen wollten. Stattdessen kehrten obsolete Inhalte wie die „Leitbahnsehnen“ zurück in die Lehrbücher.

Heute beruht das Selbstbewusstsein der TCM in China vor allem auf dem Ansehen im Westen. Und jede Kritik, jede grundsätzliche Diskussion – so die Sicht der Chinesen – würde dieses Ansehen gefährden. So trägt der Westen eine Mitschuld daran, dass die TCM in China immer reaktionärer wurde.

Ausdruck dessen ist ein Vorgang, der im Westen fast unbemerkt geblieben ist. Im Januar 2006 stellte Chinas TCM-Administration den Antrag, die TCM in die UNESCO-Liste des „Immateriellen Weltkulturerbes“ aufzunehmen. Wenn dieser Antrag Erfolg hätte, würde dies eine echte Weiterentwicklung fast unmöglich machen – ebenso wie das Eliminieren all des Obsoleten und Spekulativen, das bis heute in den TCM-Lehrinhalten herumgeistert.

Der Franzose George Soulié de Morant gilt als Vater der westlichen Akupunktur. Er behauptete, Akupunktur in China gelernt zu haben. Aber alle Indizien deuten darauf hin, dass er in China nie eine Nadel gestochen, vermutlich nie eine Nadelung gesehen hat. Seine Akupunktur war im Wesentlichen ein Fantasieprodukt. An den Folgen dieses Betrugs leidet die TCM bis heute. Von rationalen Lehrinhalten kann nach wie vor keine Rede sein. Die Einführung der „Zusatzbezeichnung Akupunktur“ war voreilig. Sie zementierte spekulative Lehrinhalte, die vielfach dem Aberglauben näher sind als der Wissenschaft.

  • Zitierweise dieses Beitrags:
    Dtsch Arztebl 2010; 107(30): A 1454–7

Anschrift des Verfassers

Dr. med. Hanjo Lehmann

Cranachstraße 1

12157 Berlin

E-Mail: hanlehmann@debitel.net

@Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit3010

@Forum im Internet
Der „Vater der westlichen Akupunktur“ ein Scharlatan?
Viele sind von den Heilkräften der Akupunktur überzeugt. Diskutieren Sie mit auf www.aerzteblatt.de/foren.

1.
SdM G: L’Acuponcture Chinoise. Mercure de France, April 1932. In: Communications, S. 46
2.
SdM G: L’Acuponcture Chinoise. Annales homéopathiques de l’Hôpital Saint-Jacques, Juni 1932. In: Communications, S. 67
3.
SdM G (April 1932). In: Communications, S. 47
4.
SdM G (Juni 1932). In: Communications, S. 67
5.
SdM, G: Précis de la vraie Acuponcture Chinoise. Paris 1934: Mercure de France Verlag, S. 5
6.
SdM, G: L’Acuponcture Chinoise (Nachdruck d. Ausgabe v. 1939). Paris 1985: Maloine Verlag, S. 25
7.
SdM G: Exterritorialité et Intérèts étrangers en Chine. Paris 1925: Paul Geuthner Verlag, S. 197
8.
SdM G: Soun Iat-Sènn. Paris 1932: Librairie Gallimard Verlag, S. 47
9.
Wong K / Wu L: History of Chinese Medicine. Shanghai 1936, Nachdruck Tapei 1977: Southern Materials Verlag, S. 842
10.
SdM G (Autorenname Soulié G): Éléments de Grammaire Mongole (Dialecte Ordoss). Paris 1903: Ernest Leroux Verlag, Vorwort, S. III
11.
SdM G / Ferreyrolles P (Juni 1929). In: Communications, S. 13
12.
SdM G / Ferreyrolles P: Les Aiguilles et les Moxas in Chine ou le Traitement des Algies par Traumatisme Dermiques. Science Médicale Pratique, Juni 1931. In: Communications S. 29
13.
Ebenda
14.
SdM G (Juni 1932). In: Communications, S. 67
15.
SdM G: Précis, S. 51
16.
SdM G: Chin. Acup., S. 153
17.
SdM G (April 1932). In: Communications, S. 45
18.
Unschuld PU: Forgotten Traditions of Ancient Chinese Medicine. Brookline, Massachusetts 1990: Paradigm Verlag, S. 31
19.
SdM G / Ferreyrolles P (Juni 1929). In: Communications, S. 21
20.
SdM G: Chin. Acup., S. 29
21.
Vgl. Lehmann H / Zhu J: Allgemeine Statistik d. Akupunkturpunkte. Berlin 1990: Asiartco Verlag

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