Der 5. Strafsenat des BGH hat ein bestürzend enttäuschendes Urteil gefällt, das sowohl unserer Verfassung in Artikel 1 wie mehrfachen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts diametral entgegensteht. PID ist keine Diagnostik im ärztlichen Verständnis, sie dient keinem therapeutischen Ziel, ihr Zweck ist die eugenische Embryonenselektion. Sicher kann die Belastung durch eine erbliche Erkrankung eine persönliche Tragik bedeuten. Ethisch ist davon aber zu unterscheiden, dass das medizinische Leistungsangebot der PID kein zusätzliches tragisches Geschick darstellt, sondern freiwillig und willkürlich zur sogenannten prophylaktischen Risikoabwehr erfolgt. Medizinwissenschaftlich arbeitet PID auf der Basis von Einschätzung und einer unzulässigen „Bewertung“ von Menschenleben. Sie lässt zudem außer Acht, welcher Mensch aus einer erblich belasteten Vorbedingung hervorgehen und sich entfalten wird. Somit bleibt für sie der Grad der Behinderung de facto unprognostizierbar.

Wenn schon bei den Reagenzglasbefruchtungen aus Gründen von Unfruchtbarkeit die Angaben zu sogenannten „überzähligen“ Embryonen bisher im Unklaren blieben, wird diese Ungeheuerlichkeit der Embryonenvernichtung weiter ansteigen. Wer zeichnet für Letztere verantwortlich? Ferner zeigt sich in der internationalen Praxis, dass sogenannte strenge Auflagen und als Ausnahme gedachte Zulassungen ein kurzfristiges Verfallsdatum und somit nur Beschwichtigungs- charakter haben. Das Weiterschreiten des genetischen Wissens zieht die „Wunschliste“ auf der Bürgerseite hinter sich her.

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Um die zerstörende Auswirkung dieses Urteils auf die gesellschaftlich angestrebte Inklusion von behinderten Menschen zu verhindern, muss verantwortliche Politik unverzüglich durch gesetzgeberische Maßnahmen den vorbedingungslosen Schutz des ungeborenen Menschen von seinem Anfang an im Geist unserer Verfassung dauerhaft garantieren.

Dr. med. Maria Overdick-Gulden, 54293 Trier

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