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POLITIK

AKR im Praxistest: „Prinzipiell richtig“

PP 10, Ausgabe Januar 2011, Seite 9

Rieser, Sabine

Foto: privat

Dr. med. Karl Wilhelm, Internist und MVZ-Leiter in Dachau, hat die Kodierrichtlinien getestet.

Als für Dr. med. Karl Wilhelm erkennbar war, dass die Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) umgesetzt werden, hat er sich entschieden, das neue Regelwerk zu testen. „Wir wollten dabei sein, auch, um eventuell noch Einfluss auf die Umsetzung nehmen zu können“, sagt der Internist, der Ärztlicher Leiter eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) mit 42 Ärzten in Dachau nahe München ist. Das MVZ war eines von 100 Praxen und MVZ in Bayern, die im dritten Quartal die AKR getestet haben.

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Seine Einarbeitung? Wilhelm las und lernte die neuen Regeln, außerdem ließ er sich einen Tag lang von Mitarbeitern der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayerns schulen. Zweimal tagte eine AKR-Projektgruppe, dann ging es los. „Es ist ein neues bürokratisches Sachgebiet, mit dem man sich beschäftigen muss“, sagt der Internist nüchtern. Sicher seien die Vertragsärzte bereits seit 2001 in der Pflicht, Diagnosen zu kodieren. Aber bisher „haben wir das doch eher nach individuellen Regeln getan“, meint Wilhelm selbstkritisch. „Gerade bei den Dauerdiagnosen gab es einige Datenmüllhaufen.“

Den Aufwand darstellen

Der Dachauer betrachtet den zusätzlichen Arbeitsaufwand alles andere als unkritisch, ist jedoch vom Sinn gründlichen Kodierens überzeugt: „Ich finde es prinzipiell richtig. Es macht die Arbeit transparenter. Und gerade wenn man sektorenübergreifend arbeiten will, sind vergleichbare Kodierregeln wichtig. Außerdem sind die Ambulanten Kodierrichtlinien ein gutes Instrument, um seinen Aufwand darzustellen.“ Dass durch bestimmte Kodierregeln auch die Plausibilität von Diagnosen hinterfragt wird, findet Wilhelm ebenfalls richtig: „Wenn man einen Morbus Crohn dokumentiert, dann muss doch die entsprechende Diagnostik belegt sein, bei mir in Dachau ebenso wie in der Praxis eines Kollegen in Berlin-Köpenick.“

Jüngere tun sich leichter

Dennoch ist der Aufwand für das neuartige Kodieren nach seinen Erfahrungen in der Testphase erheblich: „Wir haben im MVZ eine Projektgruppe dafür eingerichtet, die sich am Anfang sehr regelmäßig getroffen hat. Danach haben wir uns nur noch alle zwei Wochen getroffen. Aber in einem MVZ wie unserem ist eine Medizinische Fachangestellte schätzungsweise zwei Wochen im Monat mit dem korrekten Kodieren beschäftigt. Schließlich muss man seine Patienten sozusagen dauernd bearbeiten.“ Für größere Einheiten sei das machbar, aber Kollegen in Einzelpraxen hätten es da schwerer.

Generell werde der Aufwand stark vom Fachgebiet abhängen, meint Wilhelm: „Allgemeinärzte und Internisten müssen ein Riesenspektrum an Krankheiten verschlüsseln, gut organisierte Spezialpraxen ein sehr viel kleineres.“ Er glaubt zudem, dass sich jüngere Kollegen, die aus der Klinik die Bedeutung des Kodierens kennen, leichter mit den AKR tun werden als ältere.

Wilhelm hofft nach dem Testlauf, dass die EDV-Unterstützung noch verbessert wird. Ein weiterer Wunsch von ihm hat sich mittlerweile bereits erfüllt, wenn auch nicht ganz so großzügig, wie er es begrüßt hätte: Für die AKR ist eine Konvergenzphase vorgesehen. Richtig ernst wird es erst vom 1. Juli an.

Sabine Rieser


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