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AKTUELL

Randnotiz: Boykott der Todesstrafe

Dtsch Arztebl 2011; 108(5): A-191 / B-151 / C-151

Siegmund-Schultze, Nicola

„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ Der Slogan der Friedensbewegung lässt sich auf jegliche Art der Menschenrechtsverletzung übertragen. Als solche gilt dem Weltärztebund die Todesstrafe: Ärzte sollten sich nicht an der Vorbereitung oder Ausführung von Hinrichtungen beteiligen. Im Mai 2010 kündigte das American Board of Anaesthesiology an, Anästhesisten, die sich an Hinrichtungen beteiligten, die für ihre Arbeit an größeren Kliniken notwendige fachärztliche Zertifizierung abzuerkennen. Wohl auch deshalb assistiert bei Hinrichtungen selten ein Arzt. Nun könnten deutsche Pharmahersteller und -händler sich dem Boykott anschließen: In den USA wird der Wirkstoff Thiopental-Natrium knapp, mit dem die Todeskandidaten vor der Injektion anderer tödlicher Substanzen narkotisiert oder auch direkt getötet werden sollen. Da der einzige amerikanische Hersteller die Produktion einstellen möchte, gab es Anfragen in Europa. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hat an die deutschen Hersteller und Großhändler appelliert, die Anfragen aus den USA zu ignorieren.

„Die Pharmaindustrie hat Gelegenheit, öffentlich darzulegen, dass sie sich den Menschen und nicht den Absatzmärkten verpflichtet fühlt“, sagt Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer. Die drei Firmen in Deutschland, die das Medikament vertreiben – zwei von drei der Präparate haben keine FDA-Zulassung –, ließen auf Anfrage wissen, sie lieferten nicht in die USA und unterstützten den Aufruf des Ministers.

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Mehrere Hinrichtungen in den USA wurden inzwischen mangels Medikamenten und Kooperationsbereitschaft des Personals ausgesetzt. Das ist immerhin ein Anfang.


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