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BÜCHER

Verhaltenstherapie: Gewollt subjektive Perspektive

PP 10, Ausgabe Februar 2011, Seite 88

Broda, Michael

Was ist das eigentlich? Ein Buch zur Geschichte der Psychotherapie, ein Buch mit Geschichten über Psychotherapie, ein Buch mit Geschichten von Patienten in der Psychotherapie? Was Peter Fiedler vorlegt, ist gewissermaßen alles und noch viel mehr: Die kurz gefasste Geschichte (nicht nur) der Verhaltenstherapie, sondern auch der ganzen gesetzlichen und berufsverbandsbezogenen Entwicklung des letzten und dieses Jahrhunderts wird bereichert um viele persönliche Entwicklungsaspekte aus den eigenen Lehr- und Praxisjahren, liefert beiläufig ein „who is who“ der Verhaltenstherapie, skizziert die hauptsächlichen Konfliktthemen mit der Psychoanalyse, aber auch die innerhalb der Verhaltenstherapie selbst und spannt einen Bogen über die meisten inhaltlich relevanten und zum Teil auch kontroversen Themen des Fachs.

Didaktisch äußerst abwechslungsreich und deswegen wohltuend unwissenschaftlich wird der Leser in einen Wechsel aus Geschichtlichem (beginnend vor Freud) und Geschichten, unterbrochen durch sechs ausführliche Interviews mit dem Autor selbst, an Themen wie „Beziehung oder Technik“, „Gruppentherapie“, Biografie-Arbeit“, „Beratung“, „Neurobiologie“ oder „Achtsamkeit“ herangeführt. Immer wieder lässt Fiedler eigene Forschungsarbeiten einfließen, gibt in vielen Fallbeispielen auch Einblick in seine therapeutische Kompetenz und greift in Interviews zum Teil auch sehr persönlich formulierte Positionen zu ihm zentralen Themenbereichen auf. Besonders erwähnenswert: seine selbstfürsorgliche Perspektive beim Thema Kochen und Essen, inklusive einem georgischen Rezept zur Zubereitung von Auberginen. Abgerundet werden seine Gedanken, die zum Teil auch auf früheren Publikationen beruhen, mit Perspektiven für eine existenzielle Verhaltenstherapie und zur Zukunft psychologischer Therapie überhaupt.

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Ein lesenswertes Buch, das wissend und weise Antworten auf Fragen versucht, die im Zeitalter der Random controlled und Evidence based Medicine kaum mehr gestellt werden. Dass das Literaturverzeichnis knapp 40 Angaben des Autors selbst enthält, jedoch beispielsweise Grawe auf fünf und Kanfer nur auf zwei Erwähnungen kommen, verdeutlicht die gewollt subjektive Perspektive dieses „Lebenswerks“ gegen Ende einer ausgefüllten Berufstätigkeit. Bei seinem Anliegen, zusammenzuführen statt neue Gräben zu schaufeln, ist es am Schluss nur bedauerlich, dass er sich in keiner Weise mit denen beschäftigt, die nun auch schon seit Jahren in den unterschiedlichen Grundorientierungen Perspektiven einer Integration in der Psychotherapie diskutieren und publizieren. Michael Broda

Peter Fiedler: Verhaltenstherapie mon amour. Mythos – Fiktion – Wirklichkeit. Schattauer, Stuttgart 2010, 492 Seiten, kartoniert, 24,95 Euro


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