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MEDIEN

Selbsthilfe: Angebote im Web als sinnvolle Ergänzung

Dtsch Arztebl 2011; 108(6): A-280 / B-224 / C-224

EB

Stotterer-Selbsthilfegruppe im Café. Neben dem organisierten Kontakt in der Gruppe werden virtuelle Sebsthilfeformen per Internet immer wichtiger. Foto: epd

Selbsthilfeangebote im Internet sind für bestimmte Personengruppen besonders geeignet und können die Arbeit der Selbsthilfegruppen vor Ort sinnvoll ergänzen und unterstützen. Hierzu zählen zum Beispiel Personen, die nur eingeschränkt mobil sind oder pflegende Angehörige, die kaum Zeit für den Besuch einer Selbsthilfegruppe haben. Auch für das Spektrum seltener Erkrankungen sowie bei psychosozialen Problemen und Anlässen ist die virtuelle Selbsthilfe wegen ihres niedrigschwelligen Zugangs und der Anonymität geeignet, die in der gegenseitigen Unterstützung liegenden positiven Effekte auf jeden Einzelnen zu entwickeln.

Dies ist ein Ergebnis der Fachtagung „Neue Medien – neue Selbsthilfe?!“, bei der Aktive aus der Selbsthilfe sowie Wissenschaftler und Fachleute auf Einladung unter anderem der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) über Bedeutung und Qualität der neuen Medien für die Selbsthilfe diskutierten.

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Das Web 2.0 bietet Menschen mit chronischen Erkrankungen, gesundheitlichen Problemen, bei andauernden seelischen oder sozialen Belastungen und in besonderen Lebensphasen vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten. Im Internet können sich Betroffene über Erkrankungen und Behandlungen, Therapien und Unterstützungsangebote informieren. Neben Gesundheitsportalen von professionellen Akteuren und Angeboten mit kommerziellem Hintergrund finden Betroffene dort auch zunehmend fachliche Hilfen und emotionale Unterstützung durch andere Gleichbetroffene. Eine besondere Rolle spielen dabei Online-Foren, in denen sich die Betroffenen untereinander austauschen.

Fast die Hälfte der bundesweiten Selbsthilfevereinigungen betreiben mittlerweile Foren, Chats oder Blogs, um den Austausch von Betroffenen im Internet zu ermöglichen. Darüber hinaus findet man im Internet auch zahlreiche Angebote, die von Betroffenen ohne Anbindung an die organisierte Selbsthilfe verantwortet werden. Virtuelle Austauschmöglichkeiten gibt es etwa zu Themen wie Schuppenflechte, Essstörungen, Depressionen oder Schlaganfall.

Das Fazit der Experten: Die organisierte Selbsthilfe und die Selbsthilfeunterstützung sollten Brücken schlagen zu den virtuellen Selbsthilfeformen. Die Herausforderung sei, sich virtuellen und auch realen Formen des Austausches zu öffnen, bei denen die Aktiven sich selbst gar nicht „der Selbsthilfe“ zuordneten. Die internetgestützte Selbsthilfe sollte als Ergänzung, Bereicherung und Erneuerung der gemeinschaftlichen Selbsthilfe betrachtet werden – nicht als Bedrohung der traditionellen Selbsthilfe. Notwendig seien allerdings Qualitätskriterien für die Selbsthilfe im Internet vor allem in Bezug auf Datenschutz und Transparenz der Angebote. Informationen: www.nakos.de. EB


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