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MEDIZIN: Diskussion

Begriffliche Unklarheiten

Terminology Is Unclear

Dtsch Arztebl Int 2011; 108(7): 116; DOI: 10.3238/arztebl.2010.0116a

Haroske, Gunter

Aus der Perspektive der allgemeinen Pathologie und deren Nomenklatur bleibt anzumerken, dass nach wie vor begriffliche Unklarheiten bestehen. Der Begriff der Dysplasie wird durch den der intraepithelialen Neoplasie (IEN) nicht komplett ersetzt, weil er nämlich zwei Dimensionen hat: Zum einen bezeichnet er Eigenschaften von Zellen und Geweben, die nicht auf Neoplasien beschränkt sind, zum anderen fungiert er als Bezeichnung von Entitäten, unter anderem auch von Präneoplasien. Und nur in dieser Beziehung ist IEN weniger missverständlich als Dysplasie. Eine IEN bezeichnet immer eine Entität, niemals eine Eigenschaft. Die Verwendung des Begriffs der IEN setzt voraus, dass man sich vollständig sicher ist, eine Neoplasie vor sich zu haben. Besteht diese Sicherheit nicht, beginnt auch das nomenklatorische Problem. Diejenigen hyperplastischen Polypen, die entarten, sind zweifelsohne Präneoplasien, aber eben (noch) nicht als solche zu erkennen. Man sollte also nicht auf Begrifflichkeiten wie zelluläre Atypie oder zelluläre und gewebliche Dysplasie verzichten, um eine morphologische Besonderheit zu beschreiben, über die zum Zeitpunkt der Diagnose noch keine Klarheit hinsichtlich der prospektiven Potenz der Läsion besteht. Das Einende der besprochenen kolorektalen Läsionen ist die intraepitheliale proliferative Läsion. Ab einem gewissen (jetzt sehr gut definiertem) Grad einer geweblichen und zellulären Normabweichung (Atypie, Dysplasie) ist eine intraepitheliale Neoplasie, zum Beispiel ein Adenom, anzunehmen, die bei weiter zunehmender Abweichung von der Norm (Adenom mit leichter und mäßiger Dysplasie, entspricht LGIEN; Adenom mit schwerer Dysplasie und intramukosales Karzinom, entspricht HGIEN) mit wachsender Wahrscheinlichkeit in eine invasive Neoplasie übergehen wird und damit unterschiedliche Überwachungs- und Behandlungsoptionen hat.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0116a

Prof. Dr. med. habil. Gunter Haroske

Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt, Städtisches Klinikum

Friedrichstraße 41, 01067 Dresden

E-Mail: Haroske-Gu@khdf.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Tannapfel A, Neid M, Aust D, Baretton G: The origins of colorectal carcinoma: specific nomenclature for different pathways and precursor lesions. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(43): 760–6. VOLLTEXT

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