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Supplement: PRAXiS

Biotechnologiefonds: Viel Hoffnung, wenig Ertrag

Dtsch Arztebl 2011; 108(8): [26]

Löwe, Armin

Die enttäuschende Bilanz der Biotechnologiefonds in der Vergangenheit könnte auf einen gewissen Nachholbedarf in der Zukunft hindeuten.

Foto: Fotolia

Zu den sogenannten Megatrends gehört die zunehmende Bedeutung des Gesundheitswesens. In 40 Jahren leben 33 Prozent mehr Menschen auf dem Erdball. „Und die Zahl der älteren Menschen verdreifacht sich sogar“, sagte Dr. Cyrill Zimmermann, Chef der Adamant Biomedical Investments AG, kürzlich beim Fondskongress in Mannheim (Adamant managt unter anderem den Lacuna Biotechfonds). Diese Zahlen sprechen eigentlich für Pharma- und Biotechfonds. Aber es zeigt sich sowohl bei den Pharmafonds als auch bei den Biotechfonds, dass die Börse Megatrends nicht jederzeit honoriert. Ein Beispiel dafür ist das Öl. Längst wissen wir, dass bei der Öl-erzeugung der Kulminationspunkt überschritten ist. Gleichwohl stürzte der Ölpreis nach dem Hoch von 140 US-Dollar im Jahr 2008 ab und hat gerade erst wieder die 100-US-Dollarmarke erreicht. Dabei ist abzusehen, dass der Welt eines Tages das Öl ausgeht. Nicht viel anders verhält es sich mit den Fonds, die in Unternehmen investieren, die im weitesten Sinne von der zunehmenden Bedeutung der Gesundheit profitieren, vor allem Pharma und Biotechnologie. Auch hier müssten die Kurse eigentlich steigen.

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Pharmafonds im Minus

Aber Pharmafonds, einst die Highflyer unter den Branchenfonds mit zweistelligen jährlichen Zuwachsraten in den 90er Jahren, stehen im Zehnjahresvergleich (per Ende Januar 2011) allesamt im Minus. Nur ein Fonds von insgesamt 23, die schon so lange existieren, der BNP Paribas L1 Equity Europe Health Care, brachte in dieser Zeit ein Plus von insgesamt 17,4 Prozent. Schon längst spielen, wenn es um Medikamente geht, die großen Pharmaunternehmen nur noch die zweite oder dritte Geige. Pharmaunternehmen dürften langfristig nur noch um 2,5 bis fünf Prozent jährlich wachsen. Die Musik spielt bei den Biotechfirmen, denen aufgrund von neuen Medikamenten ein jährliches Wachstum von 15 Prozent zugetraut wird, und bei den Generikaherstellern, die jährlich um zehn Prozent wachsen dürften.

Hin und wieder gelingt es einem der großen Pharmaunternehmen, sich ein kleines Biotechunternehmen mit einer aussichtsreichen Produktpipeline einzuverleiben. Aber das reicht nicht, um Umsatz und Gewinn des übernehmenden Unternehmens deutlich zu steigern. Der Gewinnbeitrag der akquirierten Biotechunternehmen ist wegen des noch geringen Umsatzes zu klein, um die schweren Schiffe der Pharmaunternehmen deutlich nach vorne zu bringen.

Biotechfonds enttäuschen

Allerdings ist in Anbetracht der enormen Wachstumschancen der Biotechnologie auch die Performance der Biotechfonds enttäuschend. Langfristig hat sich das Engagement bisher nicht gelohnt (Tabelle). Alle Fonds weisen im Zehnjahresvergleich Verluste aus. Allerdings befinden sie sich dabei nicht nur mit den großen Pharmaaktien in bester Gesellschaft, sondern auch mit den internationalen Standardwerten. Während der MSCI World Biotechnologie in den letzten zehn Jahren einen Verlust von 1,89 Prozent brachte, büßte der MSCI AC World auch 0,31 Prozent ein. Es waren eben schlechte Zeiten für Aktien.

Derzeit gibt es nach Angaben der Internetplattform Onvista 132 Fonds, die Biotechnologie zum Thema haben. Diese hohe Zahl sollte jedoch nicht dazu führen, die Auswahlmöglichkeiten zu überschätzen. Zuweilen gibt es einen Fonds in vier unterschiedlichen Varianten. Die Produkte unterscheiden sich dann lediglich durch Anlagewährung, unterschiedliche Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren.

Die enttäuschende Bilanz der Biotechnologiefonds in der Vergangenheit könnte auf einen gewissen Nachholbedarf in der Zukunft hindeuten. Das Anlegermagazin „Der Aktionär“, Kulmbach, sieht für 2011 besondere Chancen bei Biotech, weil die Unternehmen günstig bewertet seien. Eine Umfrage des Beratungsunternehmens Kommalpha, Hannover, bei institutionellen Anlegern im Sommer 2010 ergab, dass die Profianleger in Health Care einen Megatrend (68 Prozent) vermuten. Und 47 Prozent sahen eine wachsende Bedeutung von Health Care. „Wenn die Unmengen freier Liquidität, die sich vor allem in den US-amerikanischen Unternehmen angesammelt haben, Rendite suchen, werden sie im Biotechnologiebereich überproportional aussichtsreiche Möglichkeiten finden“, meint auch Gerd Bennewirtz, der Chef von SJB. Das Fonds-Beratungsunternehmen SJB hat sich auf Unternehmer und Führungskräfte spezialisiert. Bennewirtz warnt indes vor Fondsprodukten, die sich allzu stark an die Indizes anlehnen. „Der MSCI World Biotechnology liefert nur eine unzureichende Orientierung“, erläutert Bennewirtz. Der Index bestehe aktuell nur aus elf Werten, darunter Titeln wie Gilead Sciences, die dem undynamischen Big-Pharma-Bereich zuzurechnen sind und es sehr schwer haben, am Megatrend zu partizipieren. „Erfolgversprechend sind Fondskonzepte, die aktiv nach Alternativen bei kleinen und mittleren Unternehmen suchen“, meint Bennewirtz. Die sind in den Indizes noch nicht vertreten.

Nur ein einziger Fonds hat sich auf Generika spezialisiert. Die schweizerische Fondsgesellschaft Pictet, die bereits 1995 als eine der ersten Investmentgesellschaften einen Biotechfonds aufgelegt hat, folgte am 1. Juli 2004 mit dem kleinen Bruder Pictet Biotech & Generics. Nach einem guten Start baute der Fonds stark ab, konnte aber immerhin seit der Auflegung ein Plus von etwa 50 Prozent erzielen. Er wird beraten von Michael Sjöström, einem erfahrenen Biotech-Fondsmanager, der auch für den Pictet Biotechfonds verantwortlich ist. Armin Löwe


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