Mit dem Börsenjahr 2010 können Anleger zufrieden sein: Durchschnittlich 20 Prozent Plus bei Aktien und kräftige Kursgewinne bei Rentenwerten sorgten für deutliche Zuwachsraten in den Depots. Setzt sich der Boom 2011 fort?
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Als der DAX im Frühjahr 2010 bei etwa 6 000 Punkten notierte, waren die meisten Anleger eher pessimistisch. Das mehrmalige Scheitern an dieser psychologisch wichtigen Marke und ein zeitweiliger Rückgang auf circa 5 400 Punkte ließen Befürchtungen aufkeimen, das Börsenbarometer werde in absehbarer Zeit wieder deutlich nachgeben. Doch – wie so oft an der Börse – kam alles anders. Die boomende Konjunktur sorgte für Stabilität am Aktienmarkt, und als im Herbst 2010 die 6 000-Punkte-Marke deutlich überschritten wurde, kletterte der Index binnen weniger Monate auf mehr als 7 000 Punkte. Mit etwa 17 Prozent Jahresplus hat sich das Jahr 2010 für DAX-Fans durchaus rentiert.
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Aber auch im Ausland gab es gutes Geld zu verdienen. Per saldo immerhin zehn Prozent im Plus schloss der New Yorker Aktienmarkt, gemessen am Dow-Jones-Index. Allerdings war hier die Entwicklung von einem noch stärkeren Auf und Ab geprägt. Im Frühjahr 2010 kletterte das Börsenbarometer zunächst deutlich über die 11 000-Punkte-Marke, doch in den Sommermonaten sorgten die Dollar-turbulenzen und Diskussionen um die Stabilität der US-amerikanischen Wirtschaft für einen massiven Rückschlag, bei dem die 10 000-Punkte-Marke wieder deutlich unterschritten wurde. Nach mehreren Anläufen begann im Herbst eine Gegenbewegung, und der Index konnte wieder über 11 000 Punkte steigen. Und während in Deutschland die Technologiewerte im Durchschnitt weitgehend stagnierten, kam es in den USA zu einer recht erfreulichen Entwicklung dieses Marktsegments: Der NASDAQ-Index kletterte immerhin um knapp 20 Prozent.
Turbulenzen in Japan
Der japanische Nikkei-Index, der 225 Standardwerte der Börse in Tokio enthält, schloss das Gesamtjahr zwar nahezu unverändert, jedoch kommen damit nicht die Turbulenzen zum Ausdruck, die der Markt zeitweise erlebt hat. So begann das Börsenjahr 2010 bei etwa 10 500 Indexpunkten recht freundlich, und mit dem Überschreiten der 11 000-Punkte-Marke wurde ein Zweijahreshoch markiert. Dann folgte jedoch – ausgelöst durch die schwache Konjunkturentwicklung – ein deutlicher Einbruch, und im Herbst wurde sogar die 9 000-Punkte-Marke unterschritten. Erst in den vergangenen Wochen konnte sich die Börse wieder auf über 10 500 Punkte erholen, wobei der gleitende 200-Tage-Durchschnitt mittlerweile nach oben gedreht hat.
DAX: Der Optimismus überwiegt
Zurück zum DAX: Hinsichtlich der weiteren Entwicklung sind die meisten Analysten derzeit vorsichtig optimistisch. Begründet wird dies insbesondere mit der soliden Konjunkturentwicklung und der damit verbundenen Stabilisierung der Unternehmensgewinne. Zahlreiche Unternehmen heben ihre Dividendenzahlungen für 2010 an, so dass Aktien zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für mager verzinste festverzinsliche Wertpapiere werden. Positiv stimmen aber auch die noch niedrigen Zinsen, die den Firmen kostengünstige Möglichkeiten zur Expansion bieten. Nicht zuletzt spricht auch ein Blick auf den Chart für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Die 7 000-Punkte-Marke hat der Deutsche Aktienindex in den vergangenen Wochen souverän überwunden. Selbst wenn es im Frühjahr nochmals zu einer technischen Korrektur kommen und der DAX auf etwa 7 000 Punkte zurückfallen könnte, ist der Aufwärtstrend intakt. Mehr noch: Bereits jetzt werden von Experten Indexstände zumindest im Bereich von 8 000 Punkten herumgereicht, manche sprechen sogar von einem Überschreiten der 10 000-Punkte-Marke.
Gerade darin sehen andere Analysten jedoch auch ein Problem. Herrscht an der Börse eine optimistische Stimmung, droht in vielen Fällen ein Rückschlag. Der Grund: Wenn jeder mit steigenden Kursen rechnet, deckt er sich frühzeitig mit Aktien ein. In der Folge gibt es jedoch keine Käufer mehr, die den Kurs dann wirklich nach oben treiben. Sobald sich die erste Enttäuschung über die Stagnation breitmacht, geht es an der Börse wieder abwärts – trotz allen Optimismus. Positiv ist in der aktuellen Situation allerdings zu werten, dass sich insbesondere institutionelle Anleger, speziell Versicherungen, derzeit noch stark zurückhalten. Die Aktienquote vieler Lebensversicherer liegt unter zehn Prozent, investiert wird stattdessen in niedrig verzinsten Rentenwerten. Über kurz oder lang müssen sich die Versicherer jedoch fragen lassen, warum sie ihren Kunden nur so niedrige Zinsen erwirtschaften, während mit Aktien zweistellige Gewinne erzielt werden. Eine Erhöhung der Aktienquote könnte den Markt dann in erheblichem Umfang beflügeln.
Denn an den Rentenmärkten ist derzeit weiterhin Schonkost angesagt, selbst wenn das Jahr 2010 für einige spektakuläre Entwicklungen gesorgt hatte. Lag die durchschnittliche Umlaufrendite zum Jahresauftakt noch im Bereich der Drei-Prozent-Marke, so wurden im August 2010 mit gerade einmal rund 1,8 Prozent historische Tiefststände markiert. Wer sich neu engagieren wollte, musste also mit Magerzinsen vorliebnehmen, die durch die Abgeltungsteuer und Geldentwertungsrate meist komplett aufgezehrt wurden. Wer allerdings bereits engagiert war, konnte sich freuen. Die Kurse umlaufender Papiere konnten kräftig zulegen. Die vierprozentige Bundesanleihe mit Laufzeit bis 2016 (ISIN: DE0001135309) kostete zu Jahresbeginn 2010 noch rund 106 Prozent, acht Monate später wurde sie mit 113 Prozent gehandelt. Noch mehr Profit winkte mit Papieren mit langen Restlaufzeiten. Die 4,25-prozentige Bundesanleihe mit Laufzeit bis 2039 (ISIN: DE0001135325) kostete vor Jahresfrist gerade einmal 102 Prozent. Ende August 2010 bezahlte man an der Börse jedoch bereits 133 Prozent, was einem Kursgewinn von satten 30 Prozent entspricht.
Doch die Freude der Altanleger währte nicht lange. Im Herbst 2010 begann eine markante Gegenbewegung. Die durchschnittliche Umlaufrendite, die sonst eher behäbige Schwankungen aufweist, kletterte innerhalb weniger Wochen auf mittlerweile knapp drei Prozent. Die erzielten Buchgewinne aus dem Jahr 2010 sind damit wieder dahingeschmolzen. Die Bundesanleihe mit Laufzeit bis 2016 kostet nur noch 107 Prozent, der Langläufer wird jedoch mit nur noch 108 Prozent bezahlt, was für Neueinsteiger eine Rendite von immerhin 3,75 Prozent bedeutet. Noch mehr lässt sich mit Unternehmensanleihen verdienen, bei denen – selbst im kürzeren Laufzeitbereich – oftmals bereits wieder eine Vier vor dem Komma steht.
Ein weiterer Zinsanstieg ist wahrscheinlich
Die Kernfrage gilt nun der weiteren Entwicklung. Selten waren sich die führenden Analysten dabei so uneinig. So gehen zahlreiche Experten davon aus, dass mit dem jüngsten Zinsanstieg lediglich der überdurchschnittlich schnelle Rückgang in den ersten acht Monaten 2010 kompensiert wurde und man jetzt mit einer eher moderaten Entwicklung rechnen kann. Bestätigung erhalten sie insbesondere vonseiten der Notenbanken. Solange die Inflationsrate auf niedrigem Niveau verharrt, besteht kein Grund für die Anhebung der Leitzinsen. Im Übrigen würden höhere Zinsen die inzwischen wieder gut laufende Konjunktur gefährden.
Hingegen argumentieren andere Analysten damit, dass eine Umlaufrendite von gerade einmal drei Prozent so unattraktiv ist, dass sie nicht dauerhaft gehalten werden kann. Gerade wenn die Aktienmärkte gut laufen, könnten viele Anleger dem Rentenmarkt den Rücken kehren. Die Folge: Die Kurse geben nach, und die Renditen steigen wieder. ►
Auch die Inflation könnte durchaus moderat aufkeimen. In den vergangenen beiden Jahren haben die Regierungen massiv Geld in die Wirtschaft gepumpt, um einen Kollaps zu verhindern. Eine hohe Geldmenge birgt jedoch entsprechende Inflationsgefahren. Gerade in Verbindung mit der guten konjunkturellen Entwicklung liegt daher ein Anstieg der Geldentwertungsrate in den kommenden Monaten durchaus im Bereich des Möglichen. Jede Geldentwertung führt aber zu steigenden Zinsen.
Auch die aktuelle Zinsstrukturkurve nährt schließlich Erwartungen auf höhere Zinsen. In den Jahren 2006 bis 2008 war die Bandbreite zwischen den Renditen für Kurzläufer und Papiere mit langen Restlaufzeiten sehr gering, zeitweise brachten dreijährige Papiere sogar höhere Renditen als zehnjährige Titel. In den vergangenen beiden Jahren hat sich nun eine erhebliche Differenz herausgebildet: Für wenige Jahre Restlaufzeit bewilligt der Markt bei Staatsanleihen gerade einmal Renditen von etwa zwei Prozent, während 15- bis 30-jährige Titel durchwegs bereits wieder mehr als 3,8 Prozent abwerfen.
Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Anleger? Wer bereits engagiert ist, sollte Positionen in den meisten Fällen beibehalten, denn schließlich mangelt es weiterhin an sinnvollen Alternativen – sieht man einmal von dividendenstarken, aber auch riskanteren Aktien ab. Lediglich unter steuerlichen Gesichtspunkten kann der Verkauf solcher Anleihen interessant sein, die vor Einführung der Abgeltungsteuer erworben wurden und jetzt deutlich im Plus liegen. Die Kursgewinne können – sofern es sich um keine Finanzinnovation gehandelt hat – steuerfrei realisiert werden, während das Finanzamt an den zu erwartenden Kursverlusten neu erworbener Papiere beteiligt wird.
Beim Neueinstieg sollte die erwartete Anlagedauer die entscheidende Rolle spielen. Wird das Geld bereits in zwei bis drei Jahren wieder benötigt, sind – nach Abzug von Spesen – Bankanlagen, wie etwa Festgelder, oftmals rentabler als Anleihen. Ist eine Kapitalanlage über eine Laufzeit zwischen vier und sieben Jahren geplant, sollte man entsprechend lang laufende Papiere wählen. Die heutige Rendite ist zwar vergleichsweise gering, dafür jedoch für die gesamte Laufzeit garantiert. Lediglich dann, wenn mit einem schnellen Zinsanstieg gerechnet wird, kann es sinnvoll sein, das Geld zunächst zum Beispiel ein Jahr zwischenzuparken, etwa als Festgeld. Bei grundsätzlich unbefristeter Anlagedauer empfiehlt sich weiterhin eine solide Streuung über verschiedene Laufzeitbereiche. Der Schwerpunkt sollte dabei im mittleren Segment liegen, also bei Laufzeiten zwischen fünf und sieben Jahren, hingegen sollten Langläufer nur in sehr geringem Umfang dem Depot beigemischt werden.
Mindestens ebenso wichtig ist eine intelligente Titelauswahl. Staatsanleihen, insbesondere deutsche Papiere, gelten nach wie vor als absolut sicher und werfen daher auch nur eine geringe Rendite ab. Höhere Zinsen lassen sich indes mit Staatsanleihen anderer EU-Länder erwirtschaften. Sofern die Europäische Union dabei bleibt, Mitgliedstaaten im Zweifelsfall unter einen Rettungsschirm zu stellen, drohen mit Papieren etwa aus Griechenland oder Irland ebenfalls keine Ausfallgefahren. Die Renditen liegen hier oftmals im Bereich von fünf bis acht Prozent. Der Risikoaufschlag ist mithin nichts anderes als eine „Zitterprämie“. Sollte die EU gezwungen sein, ein Land doch in die „geregelte Insolvenz“ gleiten zu lassen, kann das Geld oder Teile davon möglicherweise verloren sein. Alternativ dazu bieten sich Unternehmensanleihen an. Zumindest bei den großen europäischen Konzernen besteht ein geringes Ausfallrisiko, dennoch liegen die Renditen deutlich höher als bei Staatspapieren. Zur Depotbeimischung in geringen Volumina kommen schließlich auch Papiere weniger bekannter Firmen in Betracht, die oftmals mehr als fünf Prozent Jahresertrag erwarten lassen.
Fremdwährungstitel als Alternative
Nicht zu vernachlässigen sind schließlich Fremdwährungstitel. Momentan zeigt der US-Dollar zwar eine gewisse Schwächeneigung, ausgelöst durch die labile US-Konjunktur. Doch schon allein charttechnisch ist eine Gegenbewegung in absehbarer Zeit nicht auszuschließen. Auch fundamental besteht Potenzial, sollte sich die Schuldenkrise in der Eurozone wieder einmal zuspitzen. Interessant sind insbesondere Dollarpapiere großer deutscher Banken und Unternehmen, die oftmals interessante Renditen abwerfen. Zur Depotbeimischung eignen sich daneben aber auch Anleihen in anderen Währungen: Selbst wenn etwa die Norwegische Krone, der Australische Dollar oder der Japanische Yen in den vergangenen beiden Jahren deutlich zugelegt haben, stellen sie immer noch eine willkommene Diversifizierungsmöglichkeit dar. Mit Einschränkungen gilt dies schließlich ebenso für den Schweizer Franken, auch wenn sein Kurs nach rund 30 Prozent Zuwachs seit 2008 mittlerweile etwas überbewertet erscheint. Peter Jobst
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