Seit es für Tages- und Festgelder selten mehr als zwei Prozent Zinsen gibt, wenden sich Sparer wieder verstärkt dem Anleihemarkt zu. Internetprogramme bieten hierzu einen schnellen Überblick. Jedoch sind die Renditeangaben mit Vorsicht zu genießen.
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Beim Kauf einer Anleihe stehen vor allem drei Kriterien im Vordergrund:
die Laufzeit, die sich nach der aktuellen Kapitalmarktlage, vor allem aber nach der persönlichen Situation des Anlegers bemessen sollte
die Bonität des Emittenten, wobei der Anleger selbst entscheiden kann, welches Risiko er letztlich eingehen möchte
die Rendite des Papiers, die sich aus der laufenden Verzinsung, aber auch aus Kursveränderungen bis zur Rückzahlung zum vollen Nennwert (100 Prozent) errechnet.
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Alle drei Komponenten stehen in einer engen Wechselwirkung zueinander. Je länger die Laufzeit, umso höher ist im Regelfall die Rendite. Hingegen bringen Kurzläufer meist nur einen eher mageren Zins. Aktuell liegt die Umlaufrendite für Papiere mit 15 bis 30 Jahren Laufzeit beispielsweise bei 3,8 Prozent, wohingegen für Anleihen mit drei bis fünf Jahren Laufzeit nur etwa zwei Prozent gezahlt werden. Vergleichbares gilt für die Bonität: Sichere Papiere, wie etwa Staatsanleihen, bringen gerade derzeit eine extrem niedrige Rendite, bestehen hier doch in der Regel keine Bonitätsbedenken. Hingegen lassen die risikoreicheren Unternehmensanleihen einen deutlich höheren Ertrag erwarten, wobei auch innerhalb dieser Anlageklasse eine große Bandbreite besteht.
Erleichtert wird die Anlageentscheidung durch Auswahlprogramme im Internet, wie sie von Handelsplätzen, wie etwa der Börse Stuttgart, oder auch von Datenanbietern bereitgestellt werden. Nach Vorgaben etwa von Anleiheart oder Laufzeit bekommt der Anleger die infrage kommenden Papiere mit den aktuellen Kursen, dem Bonitätskürzel und einer Renditerechnung präsentiert. Mit Hilfe der Wertpapier-Kennnummer (WKN) beziehungsweise ISIN kann das ausgewählte Papier dann jederzeit geordert werden.
Das Problem jedoch: Die Musterrechnungen basieren regelmäßig auf dem letzten an der Börse festgestellten Preis. Dies ist auch durchaus sinnvoll, denn an welcher Kenngröße sollte man sich sonst orientieren? Bei vielen Papieren vergrößern sich jedoch die Handelsspannen zwischen dem Briefkurs (= Preis, zu dem der Anleger das Papier kaufen kann) und dem Geldkurs (= Preis, zu dem das Papier verkäuflich ist) insbesondere in den eher handelsschwachen Zeiten recht deutlich. Vor allem bei schwer handelbaren Titeln können bis zu zwei Prozentpunkte zwischen den beiden Notierungen liegen, zum Höhepunkt der Finanzkrise lag die Spanne sogar bei bis zu zehn Prozentpunkten. Dies hat jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Renditeangaben: Je nachdem, ob das Angebot oder die Nachfrage nach einem Papier überwiegt beziehungsweise entsprechende Geschäftsabschlüsse erfolgt sind, wird der als Grundlage für die Berechnung herangezogene Börsenkurs eher im Bereich des Geldkurses oder eher im Bereich des Briefkurses angesiedelt sein. Während dies bei einer Kursdifferenz von zum Beispiel nur 0,3 Prozentpunkten – wie sie bei vielen Standardanleihen festzustellen ist – keine große Rolle spielt, hat sie bei größeren Differenzen, insbesondere bei kurzen Restlaufzeiten, erhebliche Auswirkungen. Durchaus möglich ist es, dass der Renditerechner je nach gewähltem Kurs zum Beispiel 3,5 Prozent oder auch 5,5 Prozent auswirft – und das bei demselben Papier zum gleichen Zeitpunkt.
Anleger sollten daher entsprechende Zahlenangaben sehr genau prüfen, zum Beispiel durch Eingabe eines eigenen Kurses in den Renditerechner. Wer ein Papier kaufen will, sollte dabei den Briefkurs als Berechnungsgrundlage einsetzen und eventuell sogar noch einen gewissen Sicherheitszuschlag vornehmen. Wer sich den Verkauf überlegt, sollte hingegen den Geldkurs ansetzen. Denn so erfährt er, wie viel ihm das Papier bei einem Fortbestand der Anlage letztlich noch bringen wird.
Ohnehin muss sich jeder Anleger der Tatsache bewusst sein, dass auch diese Rechnungen zum einen nur eine „Blitzlicht-Aufnahme“ darstellen, die für den gerade in diesem Moment aktuellen Kurs gilt. Zum anderen beziehen sich die errechneten Renditewerte stets auf die Endfälligkeit. Ist hingegen geplant, das Papier zum Beispiel bereits nach einem Jahr wieder zu verkaufen, entscheidet letztlich der dann geltende Börsenkurs über die erzielte Rendite. Ähnliches gilt im Fall von Sonderbedingungen: Kann zum Beispiel eine Stufenzinsanleihe vom Emittenten vorzeitig gekündigt werden, nützt die schönste Kalkulation der Fälligkeitsrendite wenig. Macht der Anleihenemittent von seinem Kündigungsrecht Gebrauch, kann die Rendite höher, aber auch niedriger ausfallen. Peter Jobst
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