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Supplement: PRAXiS

Lebensversicherungen: Eine Branche leidet

Dtsch Arztebl 2011; 108(8): [19]

Löwe, Armin

Seit Jahren sinken die Zinsgutschriften in der Kapitallebensversicherung. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Kunden der deutschen Lebensversicherer erleben schwere Zeiten. Nach jahrelanger Talfahrt der Zinsgutschriften steht jetzt eine weitere Kürzung ins Haus. Der Branchenführer Allianz Leben, dessen Entscheidungen immer eine Art Signalfunktion haben, senkt für 2011 die laufende Verzinsung der Sparanteile von 4,3 auf 4,1 Prozent. Der durchschnittliche Zins bei allen Lebensversicherern wird für 2011 bei vier Prozent liegen. Die Branche ist froh, dass immer noch eine Vier vor dem Komma steht. Zum Vergleich: Noch 1999 konnten die deutschen Lebensversicherer ihren Kunden 7,2 Prozent auf ihre Sparanteile gutschreiben (Grafik).

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Sparanteil wird verzinst

Die von den Versicherungsgesellschaften deklarierten Zinsgutschriften beziehen sich indes nicht auf die Beiträge, sondern lediglich auf den Teil der Prämien, der in den Deckungsstock fließt, also die Sparanteile. Diese errechnen sich aus den Prämien abzüglich der Kosten für den Vertrieb der Versicherungsverträge, die Kosten für die Verwaltung und für den Todesfall des Versicherten. Wie hoch der Sparanteil ist, verraten die Lebensversicherungsgesellschaften nicht.

Die Abschluss- und Verwaltungskosten der Lebensversicherer in Deutschland betrugen nach einer im Dezember 2010 veröffentlichten Statistik der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) 2009 durchschnittlich zwölf Prozent der Bruttobeiträge, das waren 1,5 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor. Zur laufenden Verzinsung kommen aber noch der Schlussüberschuss und Sockelbetrag für die Beteiligung an den Bewertungsreserven, mit dem die Kapitalmarktschwankungen im Laufe des Jahres aufgefangen werden. Bei der Allianz sind das insgesamt 0,6 Prozent. Die gesamte Verzinsung der Sparanteile beläuft sich somit 2011 bei der Allianz auf 4,7 Prozent, nach 4,95 Prozent im Vorjahr.

Der Rückgang der Zinsgutschriften ist die Folge der seit vielen Jahren sinkenden Kapitalmarktrenditen, die durch die Politik des billigen Geldes der Notenbanken zur Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichten. An der Niedrigzinsphase wird sich im Wesentlichen nichts ändern, die Versicherungskunden werden sich also weiter auf magere Renditen einstellen müssen.

Für das laufende Jahr haben diejenigen Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung besonders stark gekürzt, die in den Vorjahren noch durch besonders hohe Zinsgutschriften auffielen. Diese hielten offenbar ihre hohen Zinsgutschriften aufrecht, weil sie auf ein Ende der Niedrigzinsphase hofften, das aber ausgeblieben ist. Auch sie haben schließlich vor der dauerhaften Zinsbaisse kapitulieren müssen.

Zur Krux droht für manche Versicherungsgesellschaft die Garantieverzinsung zu werden. Als Besonderheit der deutschen Lebensversicherung gilt die Garantieverzinsung, die zum Beispiel die britischen Versicherungen nicht kennen. Den Versicherten wird eine garantierte jährliche Verzinsung (Rechnungszins) zugesagt. Diese beträgt heute 2,25 Prozent. Zwischen 1995 und 2000 wurden bei neu abgeschlossenen Verträgen vier Prozent garantiert und müssen über die gesamte Laufzeit gezahlt werden. Die BaFin hat Ende letztes Jahres die Versicherungsgesellschaften aufgefordert, bereits für 2011 höhere Rückstellungen zu bilden, um die Zinsgarantien einzuhalten. Als Menetekel gelten die japanischen Verhältnisse. In den 90er Jahren fallierten dort sechs große und einige kleinere Lebensversicherer, weil sie bei Kapitalmarktzinsen von um die 0,5 Prozent die Garantieverzinsung nicht mehr erwirtschaften konnten. Außerdem will der Gesetzgeber im laufenden Jahr, möglicherweise zum 1. Juli, die Mindestverzinsung bei neuen Verträgen senken. Im Gespräch sind 1,75 Prozent, die Lebensversicherungsbranche hält zwei Prozent für ausreichend. Armin Löwe


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