MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Allogene Stammzelltransplantation: Mortalität in zehn Jahren deutlich reduziert

Dtsch Arztebl 2011; 108(9): A-455 / B-366 / C-366

Gulden, Josef

Vor etwa 50 Jahren eingeführt, ist die allogene Stammzelltransplantation bei vielen Patienten mit Leukämien und Lymphomen der einzig mögliche kurative Ansatz. Sie ist aber meist nur die Ultima Ratio: wegen der hohen Mortalität, vor allem durch Komplikationen wie Infektionen oder Graft-versus-Host-Reaktionen (GvHD). Die Transplanteure am Fred Hutchinson Cancer Center und der University of Washington in Seattle, wo das Verfahren einst entwickelt wurde, haben die Entwicklung der Prognose ihrer Patienten untersucht (1).

Sie verglichen die Daten zweier Patientenkohorten, die zwischen 1993 und 1997 (n = 1 418) bzw. 2003 und 2007 (n = 1 148) transplantiert worden waren. Innerhalb eines Jahrzehnts hatten sich Todesfälle, denen kein Rezidiv der Grunderkrankung vorausgegangen war, erheblich reduziert: 200 Tage nach Transplantation von 30 % auf 16 % (HR 0,40; p < 0,001), insgesamt von 41 % auf 26 % (HR 0,48; p < 0,001). Auch die Gesamtmortalität nach Transplantation sank von 63 auf 47 % (HR 0,59; p < 0,001), unabhängig davon, ob myeloablativ oder mit reduzierter Intensität konditioniert worden war. Signifikant hatten sich auch die Risiken für die transplantationsbedingte Mortalität vermindert wie GvHD, Infektionen (Viren, Bakterien, Pilze) und Schäden an Leber, Nieren und Lungen.

Fazit: Die Mortalität nach allogener Stammzelltransplantation ist im Verlauf eines Jahrzehnts deutlich zurückgegangen, obwohl mehr ältere Patienten behandelt wurden. Dafür gibt es schonendere Konditionierungsregimes, effektivere supportivtherapeutische Maßnahmen, ein besseres Management des Infektions- und GvHD-Risikos, und es werden häufiger periphere hämatopoetische Stammzellen transplantiert, was rascher zur Erholung der Immunabwehr führt. Prof. Dr. med. Dietger Niederwieser (Leipzig, Präsident des Worldwide Network for Blood and Marrow Transplantation) zufolge konnte auch die Gewebeverträglichkeit zwischen Spender und Empfänger wesentlich verbessert werden.

Ähnliche Daten gebe es von der European Group for Blood and Marrow Transplantation (2), wobei sich zum Beispiel bei der akuten myelotischen Leukämie zwischen 1980 bis 1985 und 2000 bis 2005 die Mortalität sogar um 75 % reduzierte – insgesamt eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Verbesserung des Überlebens nach Stammzelltransplantation, auch durch eine bessere und frühere Indikationsstellung. Josef Gulden

  1. Gooley TA et al.: Reduced mortality after allogeneic hematopoietic-cell transplantation. NEJM 2010; 363: 2091–101.
  2. Gratwohl A et al.: Risk score for outcome after allogeneic hematopoietic stem cell transplantation. A retrospective analysis. Cancer 2009; 115: 4715–26.

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