78 Artikel im Heft, Seite 25 von 78

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Therapie der Clostridium-difficile-Infektion: Weniger Rückfälle durch Schmalspektrum-Makrolid

Dtsch Arztebl 2011; 108(9): A-456 / B-367 / C-367

Siegmund-Schultze, Nicola

Die Inzidenz von Clostridium-difficile-Infektionen (CDI) nimmt in den westlichen Ländern seit Mitte der 90er Jahre zu. In europäischen Krankenhäusern liegt sie einer im Januar publizierten Erhebung zufolge (1) bei durchschnittlich 4,1 pro 10 000 Patiententage (34 Länder; Deutschland: 7,4/10 000 Patiententage). Eine krankenhausassoziierte CDI ist ein Risikofaktor für eine erhöhte Mortalität und sollte durch gute Hygiene und die rationale Anwendung von Antibiotika vermieden werden, zumal neue hochvirulente Stämme wie die des PCR-Ribotyp 027 aufgetreten sind. Als Optionen für eine antibiotische Therapie gelten Vancomycin und Metronidazol. Bei beiden Arzneimitteln liegen die Rückfallraten zwischen 20 und 30 %. In einer Phase-III-Studie wurde untersucht, ob das Schmalspektrum-Makrolid Fidaxomicin vergleichbar effektiv und sicher in der Therapie von Patienten mit CDI ist wie Vancomycin (2).

629 Probanden mit diagnostisch gesicherter CDI wurden in die beiden Studienarme randomisiert: Eine Gruppe erhielt zweimal täglich je 200 mg Fidaxomicin, die andere viermal täglich je 125 mg Vancomycin. Primärer Studienendpunkt war die Symptomfreiheit ohne weiteren Behandlungsbedarf innerhalb von 2 Tagen nach Ende der Therapie (klinische Heilung). Sekundäre Endpunkte waren das Wiederauftreten einer CDI binnen 4 Wochen nach Behandlungsende oder anhaltende Heilung ohne Rückfall.

Den primären Endpunkt erreichten der Intention-to-treat(ITT)- Analyse zufolge 88,2 % der Patienten im Fidaxomicin-, und 85,8 % der Patienten im Vergleichsarm (Grafik). Für die Per-protocol(PPT)-Behandelten (n = 548) betrugen die Zahlen 92,1 und 89,8 – jeweils keine statistisch signifikante Differenz. Unterschiede gab es aber im Erreichen des Endpunkts „Rückfall“, abhängig von den C.-difficile-Stämmen: Außer bei Ribotyp 027 betrugen die Rückfallraten 7,8 % unter Fidaxomicin und 25,5 % unter Vancomycin, bei der Infektion mit Ribotyp 027 rekurrierten 24,4 % bzw. 23,6 % der Patienten.

Fazit: Das in Europa noch nicht zugelassene Fidaxomicin ist antibiotisch mindestens so wirksam gegenüber C. difficile wie Vancomycin und im Vergleich zu diesem mit einem geringeren Rückfallrisiko assoziiert. Das gilt nicht für den Ribotyp 027. „Theoretische Vorteile von Fidaxomicin gegenüber Vancomycin sind neben der verminderten Rezidivhäufigkeit eine bessere Bakterizidie gegenüber C. difficile, eine geringere Beeinträchtigung der normalen anaeroben Stuhlflora und die fehlende Selektion Vancomycin-resistenter Enterokokken, die bei der oralen Behandlung mit Vancomycin eine bedeutende Rolle spielt“, kommentiert Prof. Dr. med. Harald Seifert (Uniklinik Köln).

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Bauer MP et al.: Clostridium difficile infection in Europe: a hospital-based survey. Lancet 2011; 377: 63–73.
  2. Louie TJ et al.: Fidaxomicin versus Vancomycin for Clostridium difficile Infection. NEJM 2011; 364: 422–31.

Drucken Versenden Teilen Leserbrief
78 Artikel im Heft, Seite 25 von 78

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTML PDF 
6 / 2013 21 2
5 / 2013 54 5
4 / 2013 88 3
3 / 2013 93 8
2 / 2013 143 13
1 / 2013 165 12
2013 564 43
2012 2.495 240
2011 688 196
Total 3.747 479

Abbildungen und Tabellen

Leserbriefe

Alle Leserbriefe zum Thema

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in