GELDANLAGE
Börsebius: Gebührenfalle
Dtsch Arztebl 2011; 108(10): A-544 / B-440 / C-440


Vorsichtige Anleger schwören auf ruhiges Fahrwasser in ihrem Depot. Sie meiden teure Investmentfonds (Ausgabeaufschlag) und kaufen am liebsten festverzinsliche Wertpapiere. Das ist im Prinzip eine wirklich gute Vorgehensweise. Direktengagements sind in der Regel eben klar vorteilhafter als Fonds.
Doch auch bei Depots, die nur mit Rentenwerten bestückt sind, gilt es, den Wirt in der Rechnung nicht außer Acht zu lassen. Leider wird nur allzu oft übersehen, dass hier und da teilweise happige Gebührenfallen drohen.
Wenn die Bank für den Kunden Anleihen kauft, nimmt sie selbst zwischen einem Viertel und einem halben Prozent des Kurswertes als Provision. Beim Verkauf vor Endfälligkeit erfolgt die gleiche Prozedur noch mal. Es gibt auch Banken, die Anleihen quasi auf Lager halten und zum Nettopreis anbieten. Das klingt zwar nett, kann aber im Zweifel dazu führen, dass der Bankkunde „netto“ mehr bezahlt als über die Börse. Obwohl die Börse selbst auch noch eine Transaktionsgebühr einfordert, ist per Saldo der Kunde in der Regel unter Umständen immer noch besser dran als bei einem Kauf aus dem Eigenbestand der Bank.
Damit ist es aber noch nicht getan. Viele Depotinhaber übersehen, dass für das Portfolio noch eine
Extragebühr anfällt, die entweder einmal im Jahr oder quartalsweise abgebucht wird. Wer in seine Unterlagen schaut, wird überrascht sein, welche Summen hier teilweise aufgerufen werden. In Zeiten der papierlosen Wertpapieraufbewahrung sind solche Kosten ein wahrer Anachronismus.
Je niedriger das allgemeine Zinsniveau ist, umso härter schlagen alle diese Gebühren auf die tatsächliche Rendite durch. Gottlob gibt es als Fluchtweg das kostenlose Schuldbuchkonto der Finanzagentur des Bundes. Und wenn es sein muss als Druckmittel bei den Konditionsverhandlungen mit der Hausbank.
Kanam-Grundinvest: Weiter dicht
Tausende Anleger, die auf gesperrten offenen Immobilienfonds sitzen, warten – je nach Ausgang des Verfahrens – auf eine frohe oder schlechte Kunde, wie es denn mit ihren Werten weitergeht (wir haben mehrfach darüber berichtet). Beim Kanam-Grundinvest geht die nervenzehrende Warterei in eine neue Runde. Die Fondseigner kündigten jüngst in einem Brief an, dass der Fonds ein weiteres Jahr keine Anteile zurücknimmt.
Gleichwohl sollten die betroffenen Anleger geduldig ausharren. Und vor allem unüberlegte panische Schritte vermeiden. Der Verkauf zu enormen Preisabschlägen über die Börse nimmt vermutlich den denkbar schlechtesten Ausgang (Liquidation) an oder vorweg, ganz wie Sie wollen. So schlimm muss es dann wohl doch nicht kommen. Wer wartet, mag am Ende für seinen Langmut belohnt werden. Reinhold Rombach
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