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POLITIK

Ärztlicher Arbeitsmarkt: Psychiater und Psychotherapeuten gesucht

PP 10, Ausgabe März 2011, Seite 117

Martin, Wolfgang

Eine Auswertung des Stellenmarktes im Deutschen Ärzteblatt

Foto: Eberhard Hahne

Einen Vergleich der Nachfragesituation in den verschiedenen Fachgebieten ermöglicht der von Mainmedico jedes Jahr ermittelte Facharztindex. Für diesen wird die Zahl der für ein Fachgebiet im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Stellenanzeigen ins Verhältnis zur Zahl der in diesem Fachgebiet angestellt tätigen Ärztinnen und Ärzte gesetzt. So erhält man einen spezifischen Indexwert: Dieser gibt an, wie viele Fachärzte rein rechnerisch auf eine Stellenausschreibung entfallen. Je niedriger der Indexwert, desto geringer ist für Fachärzte die Anzahl potenzieller Mitbewerber beziehungsweise desto weniger Bewerbungen werden aller Voraussicht nach bei den ausschreibenden Krankenhäusern eingehen. Der Durchschnittswert der Fachgebiete insgesamt lag im Jahr 2010 bei 20.

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Besonders dünn ist die Bewerberdecke dem Facharztindex zufolge in diesen Fachgebieten:

1. Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: 6,9

2. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie: 8,4

3. Gefäßchirurgie: 9,3

4. Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie: 10,9

5. Psychiatrie und Psychotherapie: 11,5

6. Innere Medizin und Kardiologie: 11,6

7. Innere Medizin und Gastroenterologie: 12,6

8. Innere Medizin und Pneumologie: 13,3

9. Viszeralchirurgie: 13,6

10. Neurochirurgie: 14,7

Unter den Top Ten befinden sich sechs Facharztbezeichnungen aus dem Spektrum der Inneren Medizin und der Chirurgie. Die Krankenhäuser sind nach wie vor besonders stark an Spezialisten interessiert, um die Profilierung des medizinischen Leistungsspektrums weiter voranzutreiben. Gegenüber 2009 machten dabei die Pneumologie und die Kardiologie in der Nachfrage den größten Sprung nach vorn.

Allerdings werden die beiden Spitzenpositionen von den Fachgebieten Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sowie Psychosomatische Medizin und Psychotherapie besetzt. Auch das Fachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie machte einen Sprung von Platz zehn auf Platz fünf. Damit wird deutlich, wie angespannt die Bewerberlage im Gesamtspektrum Psychiatrie/Psychosomatik inzwischen ist. Dabei meiden die angehenden Ärzte diese Fachgebiete nicht. Die Zahl der Psychiater im Krankenhaus ist in den letzen 15 Jahren kontinuierlich gestiegen und hat sich so innerhalb dieser Zeit verdreifacht, die der Kinder- und Jugendpsychiater/-innen hat sich verdoppelt. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum ist die Gesamtzahl der klinisch tätigen Fachärzte „nur“ um 50 Prozent gestiegen. Trotzdem reichen die Weiterbildungskapazitäten schon seit längerem nicht mehr aus, um den stark wachsenden Bedarf an Behandlungsangeboten für Menschen mit psychischen Erkrankungen zu decken. Die ambulante und stationäre Versorgung in ländlichen Regionen ist zunehmend gefährdet. Einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde und des Deutschen Krankenhausinstituts zufolge konnten 2009 circa 55 Prozent der psychiatrischen Kliniken offene Stellen nicht besetzen.

Im Fachgebiet Psychosomatische Medizin und Psychotherapie stellt sich die Situation etwas anders dar: Hier steigt die Zahl der klinisch tätigen Fachärzte seit 2000 kaum noch. Allerdings verhindern die Vorgaben der Weiterbildungsordnung und fehlende Weiterbildungsstellen, dass sich mehr Ärzte für eine Weiterbildung in diesem Fachgebiet entscheiden. Der Weg zum Psychiater/zur Psychiaterin ist im Vergleich deutlich unkomplizierter, weshalb sich viele Ärzte für diese Weiterbildung entscheiden.

Auch die Abwanderung junger Ärzte ins Ausland macht sich im psychiatrisch-psychosomatischen Bereich besonders bemerkbar. Vor allem die Niederlande locken mit attraktiven Gehältern, kürzeren Arbeitszeiten und tariflich festgesetztem Fortbildungsbudget. Die Schweiz ist zur Aufrechterhaltung ihrer psychiatrischen Versorgung schon seit langem auf Ärzte aus Deutschland angewiesen. Die Abwanderung deutscher Ärzte gerade aus diesem Fächerspektrum kann allerdings kaum durch die Anwerbung ausländischer Kollegen kompensiert werden. Die Sprachbarriere ist ein entscheidendes Hindernis.

Obwohl in einer Untersuchung des Deutschen Krankenhausinstituts 80 Prozent der befragten Krankenhäuser nichtbesetzte Stellen im Ärztlichen Dienst beklagten, ist die Anzahl der Stellenausschreibungen im Deutschen Ärzteblatt 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent zurückgegangen. Die Entwicklung in den Tätigkeitsfeldern verlief dabei unterschiedlich. Während bei den Akutkrankenhäusern die Anzahl an Stellenausschreibungen um 22 Prozent zurückging, blieb sie bei den Rehakliniken konstant. Die Medizinischen Versorgungszentren expandierten weiter und schalteten etwa 17 Prozent mehr Stellenanzeigen als im Vorjahr; sie haben damit fast zu den Rehakliniken aufgeschlossen.

Dr. Wolfgang Martin
E-Mail: mainmedico@t-online.de


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