„Beim Betrachten der Kunstwerke sehe ich die Chance, seelische Strukturen aus meist längeren Therapien mit einzelnen Bildern in Beziehung zu setzen und das analytische Hintergrundwissen auf die sensiblen Visionen, in denen her- ausragende Künstler ihre eigenen inneren Erfahrungen in Farbe niedergelegt haben, anzuwenden“, schreibt der Autor zu Anfang.
Anhand von bekannten Kunstwerken verschiedener Epochen eröffnet er dem Leser einen neuen Zugang zu Bildern und Malern und schärft dabei die Beobachtungsgabe für das Unbewusste. Moser will „die Freude und Entdeckerlust an den Kunstwerken erweitern und den Besuch von Museen ein wenig spannender machen“. Manche Bilder eignen sich dazu auf den ersten Blick, wie beispielsweise „Die Träumereien eines einsamen Spaziergängers“ von René Magritte, das vermutlich unter dem Einfluss des Suizids des Künstlers Mutter entstanden ist: Eine im Vordergrund schwebend gehaltene Wasserleiche füllt den Raum im Rücken der männlichen Figur aus. Auch Max Ernsts „Oedipus Rex“ ist ein leicht zu interpretierendes Bild. Bei dem Gemälde „La Mariée“ von Francis Picabia aus dem Jahr 1929 hilft die Interpretation Mosers durchaus, dem faszinierenden, aber rätselhaften Werk näherzukommen.
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Das Buch hat keinen kunsthistorischen Anspruch, und auch die Auswahl der Künstler, Epochen und einzelnen Werke entspricht wohl den persönlichen Vorlieben des Autors. Von Edvard Munch und René Magritte scheint Moser besonders fasziniert zu sein. Dennoch: Die Interpretationen sind schlüssig und lesen sich gut. Beim nächsten Museumsbesuch werde ich die Augen offener halten. Petra Bühring
Tilmann Moser: Kunst und Psyche. Bilder als Spiegel der Seele. Belser Verlag, Stuttgart 2010, 144 Seiten, gebunden, 22,95 Euro
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