Joachim Moerchel legt ein neues Buch zur Ordnungstherapie vor. 2002 ging es für den Verfasser um eine historisch fundierte, auf holistischer Basis gründende Wertewelt und deren Prinzipien, als deren wesentlicher Stützpfeiler die Ordnungstherapie, wie die fünf Säulen der Naturheilkunde, gilt. Die Thematik greift jetzt weit darüber hinaus.
Zu Anfang wird ein außergewöhnliches Kapitel gestellt: Das Menschenbild der naturwissenschaftlichen Medizin mit messbaren Faktoren und Daten wird dem subjektiven Erleben des Menschen entgegengestellt. Am Beispiel Rudolf Virchows wird das komplexe Ordnungssystem als scheinbares Chaos im Arbeitszimmer dieses Forschers gezeigt.
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Die Beschreibung der Neustrukturierung der Weltordnung im Zeitalter der Globalisierung nach den Systemveränderungen seit der Weltwirtschaftskrise 1929, dann den Ereignissen im November 1989, mit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 bildet für den Verfasser den eigentlichen Rahmen, sich mit Ehe und Familie näher zu befassen. Hier wird abgehoben auf das Verschwinden bindender Regeln und verloren gegangener Orientierung, mangelnder Wertschätzung für den Mitmenschen inmitten einer „Wechsel-Gesellschaft“ mit ihrem hedonistischen Gepräge einer zunehmenden „Single“-Welt mit der häufigen Folge von Privatinsolvenzen durch schleichend sich entwickelnde Schuldenfallen. Hinzukommen depressive Verstimmungen, Angst, „Mobbing“ und „Burn-out“ als Begleiterscheinungen des modernen Lebens. Alledem müsse eine neue Ordnung des Lebens entgegengestellt werden, etwa im Sinne einer „work-life-balance“ oder einer Umsetzung der benediktinischen Ordensregel. Der Faktor Zeit und die innere Uhr, Schlafen und Wachen stehen den Erfordernissen des modernen Alltags dabei oft im Weg.
Diesem Dilemma nun setzt Moerchel die Ordnungstherapie im Sinne einer der fünf Säulen der klassischen Naturheilverfahren entgegen, und zwar an der Seite umsichtiger Ärzte, die ihren Patienten ein „gelingendes Leben“ ermöglichen helfen und Gesunderhaltung aktiv zu betreiben. Einen wichtigen Aspekt erwähnt der Verfasser schließlich noch: Es gelte, die innerseelische Ordnung des kranken Menschen wiederherzustellen, auch im Sinne von Kneipp und einer Zielrichtung zu ganzheitlicher Ordnungstherapie.
Bei alledem erscheint dem Autor der Ausblick auf die heutige (westliche) Gesellschaft deprimierend: aggressiver Atheismus, intoleranter Realismus, eine „broken society“, eine verwirrte Jugend ohne Demut vor historischem Erbe, eine Jugend oft ohne Arbeit und Ausbildung, das Phänomen von Wochenendehen, vermehrten Scheidungsraten, Drogen und anderen, nicht stoffgebundenen Suchtformen.
Als Schlussfolgerung aus diesem düsteren Dilemma bietet Moerchel dem Leser für die Behandlung komplexer psychovegetativer Syndrome ein Therapieschema zur Ordnungstherapie nach den Kriterien Umwelt, Arbeit und Muße, Speise und Trank, Schlafen und Wachen, innersekretorischer Stoffwechsel, Affekthaushalt, Lebenssinn/Zufriedenheit sowie allgemeiner Lebensgrundlagen. Klemens Dieckhöfer
Joachim Moerchel: Ordnende Familientherapie. VAS Verlag für Akademische Schriften, Bad Homburg 2010, 94 Seiten, kartoniert, 24,80 Euro
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