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BÜCHER

Psychosomatik: Keine Angst vor der Komplexität

PP 10, Ausgabe März 2011, Seite 133

Hibbeler, Birgit

Dass ein Patient mehr ist als die Summe von Messwerten und Untersuchungsergebnissen, ist eigentlich ein alter Hut. Und trotzdem: In der täglichen ärztlichen Arbeit geht dieser Gedanke oft unter – sei es nun aus Zeitmangel oder weil es den „Fall“ kompliziert macht. Die Implementierung eines bio-psycho-sozialen Krankheitsmodells halten viele Ärzte unter den jetzigen Rahmenbedingungen ohnehin für nicht realistisch. Gleichzeitig bestreitet aber kaum jemand den Einfluss psychischer Faktoren auf Krankheit. Ein Paradebeispiel dafür dürfte der Rückenschmerz sein.

Seitdem der „Uexküll“ – das Standardwerk psychosomatischer Medizin – 1979 erstmals erschien, ist viel passiert. Zwischenzeitlich war schon von einer „Helicobakterisierung psychosomatischer Konzepte“ die Rede. Zugleich ist aber in den vergangenen Jahren die Akzeptanz von Psychotherapie enorm gestiegen. Und Thure von Uexkülls († 2004) Konzept einer „Integrierten Heilkunde“ hat nicht an Aktualität verloren.

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In der nun erschienenen siebten Auflage zeigt sich der „Uexküll“ mit einem neuen Gesicht. 75 der 108 Kapitel wurden neu verfasst. Viele Themen wurden erstmals aufgenommen – zum Beispiel Epigenetik, Gendermedizin und Palliativmedizin. Der Bereich Diagnostik einschließlich psychologischer Testverfahren ist differenzierter und ausführlicher. Auch der Abschnitt zur Therapie wurde erheblich erweitert und überarbeitet.

Der „Uexküll“ richtet sich nicht nur an Ärzte, die psychotherapeutisch arbeiten, sondern im Prinzip an alle in der Patientenversorgung. Das unterstreicht die Aufteilung der Kapitel im Abschnitt Klinik, zum einen in Krankheitsbilder – von Anorexie über Herzinsuffizienz bis HIV –, zum anderen in Fächer – von Onkologie über Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde bis Intensivmedizin.

Das Buch schafft den Spagat, einerseits neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu integrieren, andererseits auch dem Thema Subjektivität Raum zu lassen. Das spiegelt den Anspruch wider, auf dem neuesten Stand der Forschung zu sein, zugleich aber auch patientenzentriert zu arbeiten. Damit könnte der „Uexküll“ sogar dem, der sich manchmal nicht mehr daran erinnern kann, warum der Arztberuf so spannend ist, bei der Suche nach Antworten helfen. Birgit Hibbeler

Thure von Uexküll: Psychosomatische Medizin. Theoretische Modelle und klinische Praxis. Mit Zugang zum Elsevier-Portal. 7. Auflage. Urban & Fischer, Elsevier GmbH, München 2011, 1352 Seiten, gebunden, 176 Euro


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