75 Artikel im Heft, Seite 46 von 75

MEDIZIN: Diskussion

Studiengruppe nicht repräsentativ

Study Group Was not Representative

Dtsch Arztebl Int 2011; 108(12): 206-7; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0206c

Scherer, Michael A.

Mit Interesse habe ich die sehr gut fundierte Analyse über die Marathonlaufzeiten gelesen. Die Hauptaussage der Autoren – „gute Nachrichten für eine inaktive und alternde Gesellschaft“ – kann ich nicht teilen: Niemand stellt die wissenschaftlich gut abgesicherte Tatsache in Abrede, dass körperliches Training auch im 6. und 7. Dezennium eine erhebliche Leistungssteigerung bewirken kann. Die Autoren beschreiben in ihrer Arbeit aber in erster Linie ein soziologisches Phänomen: Sie analysieren einen kleinen bildungsnahen, gesundheitsbewussten, sportaffinen und mit zunehmendem Alter überwiegend männlichen Bevölkerungsanteil. Nach Eintritt in den Beruf und Familiengründung nimmt der Anteil der sporttreibenden Menschen einer Altersdekade an der jeweiligen Alterskohorte in der Gesamtbevölkerung stetig ab. Die Zahl der über 60jährigen Marathonläufer (n = 12 558 + x) an der Gesamtzahl über 60jähriger in der Bevölkerung (n = 21 186 785 im Jahre 2009 [1]) beträgt circa 0,6 Promille, also einem Marathonläufer stehen 1 600 inaktive Altersgenossen gegenüber. Besonders eklatant stellt sich das in dieser Studie bei den Frauen dar (Alter > 70 Jahre mit n = 62!). Demgegenüber werden die Bundesbürger kontinuierlich übergewichtiger (Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2005 [2]) und die Patienten in den unfallchirurgisch-orthopädischen Kliniken ständig älter und multimorbider (Bayerische Qualitätssicherung [3]). Eine laufende Studie zur Versorgungsqualität in Seniorenheimen kann aufgrund eines zu niedrigen Mini-Mental-State-Testergebnisses nur ein Drittel der Bewohner valide wissenschaftlich auswerten.

Die Beschreibung der Marathonfähigkeiten einer winzigen Untergruppe der Gesamtbevölkerung zeigt erstaunliche Leistungsdaten, erlaubt aber nicht den geringsten positiven Rückschluss auf die Gesamtbevölkerung. Hier sehen alle Daten eher düster aus. Enormes Verbesserungspotenzial liegt hier bei der Sportförderung von Frauen, bildungsferner Bevölkerungsschichten und Beschäftigten des primären und sekundären Sektors („blue collar workers“).

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0206c

Prof. Dr. med. Michael A. Scherer

Amperkliniken – Akademisches Lehrkrankenhaus der

Ludwig-Maximilians-Universität München

Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie

Krankenhausstraße 15

85221 Dachau

E-Mail: michael.scherer@amperkliniken.de

4.
Leyk D, Rüther Th, Wunderlich M, et al.: Physical performance in middle age and old age: Good news for our sedentary and aging society. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(46): 809–16. VOLLTEXT

Drucken Versenden Teilen Leserbrief
75 Artikel im Heft, Seite 46 von 75

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTML PDF 
5 / 2013 13 1
4 / 2013 8 3
3 / 2013 12 0
2 / 2013 11 3
1 / 2013 3 4
12 / 2012 5 3
2013 47 11
2012 94 18
2011 1.041 41
Total 1.182 70

Leserbriefe

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in