66 Artikel im Heft, Seite 53 von 66

SONDERSEITEN PRAXiS

Aktienanlage: Investments rund um den Globus

Dtsch Arztebl 2011; 108(14): A-782

Jobst, Peter

Bei der Aktienanlage entscheiden viele Sparer aus dem Bauch heraus. Heute der heiße Tipp aus dem Fernsehen, morgen ein Papier mit hoher Dividendenrendite und nächste Woche ein Börsenneuling aus China. Wirklich erfolgreich sind solche Investments jedoch nur selten.

Geht es um den Erfolg mit Aktienanlagen, hat jeder Börsenprofi seine eigenen Methoden. Die einen setzen auf die Dividendenrendite, das heißt, sie wählen besonders dividendenstarke Papiere aus in der Hoffnung, dass die Unternehmen weiterhin ein solides Wachstum verbuchen und ihre Anleger mit hohen Ausschüttungen erfreuen können. Andere untersuchen indes Kennzahlen wie das Kurs/Gewinn-Verhältnis, um möglichst günstig bewertete Unternehmen herauszufinden. Wieder andere setzen auf den Buchwert eines Unternehmens und hoffen, dass die Aktie an der Börse fair bewertet wird. Eine große Gruppe schließlich betrachtet allein den Kurschart, also die grafische Darstellung des bisherigen Kursverlaufs. Die Grundregel dabei: Ein Trend ist so lange intakt, wie er nicht durch eindeutige Signale beendet wird.

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Solide Gewinne mit der passenden Strategie

Insbesondere private Anleger sind jedoch wenig konsequent. Einmal wird nach der Dividendenrendite entschieden, ein anderes Mal nach dem Chart oder dem Buchwert, manchmal auch nach Empfehlungen in den Medien. Das Ergebnis ist ein weitgehend willkürlich zusammengewürfelter Haufen von Aktien, der allenfalls eine magere Rendite bringt. Oftmals werden die Risiken sogar noch gesteigert, indem das Portefeuille mit Investmentfonds angereichert wird. Liegt beispielsweise der Schwerpunkt eines Aktienportefeuilles bei deutschen DAX-Titeln, bringt ein Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland keine zusätzlichen Vorteile. Im Gegenteil: Der Anleger ist allein vom deutschen Markt und seinen manchmal heftigen Schwankungen abhängig. Wichtig ist daher, sich auf möglichst eine Auswahlstrategie festzulegen, aber andere Informationen nicht zu vernachlässigen.

Gerade bei der Aktienanlage ist eine breite Streuung überaus sinnvoll. Dies beginnt bei der regionalen Aufteilung. Ein deutscher Anleger wird zwar zwangsläufig besonders stark am deutschen Markt investiert sein, kennt er doch schließlich die einheimischen Unternehmen besonders gut. Ein weiterer Schwerpunkt sollte jedoch bei Papieren aus den anderen europäischen Ländern gesetzt werden. Das dritte Segment sollte sich auf den amerikanischen Markt konzentrieren, wobei hier auch gleich noch mögliche Chancen des US-Dollars gegenüber dem Euro „eingekauft“ werden. Vierter Schwerpunkt sind schließlich die boomenden „neuen“ Märkte, insbesondere die asiatischen Staaten. Eine sinnvolle Streuung kann beispielsweise 30 bis 50 Prozent deutsche Aktien umfassen, zehn bis 30 Prozent europäische Werte, 20 bis 40 Prozent US-Titel, und der Rest kann in Asien investiert sein.

Wurde diese grobe Aufteilung skizziert, erfolgt die gezielte Titelauswahl. Bei deutschen und europäischen Papieren kann durchaus eine Dividendenstrategie inter- essant sein, also der Kauf von besonders dividendenstarken Papieren. Darauf aufbauend sollte ein Blick auf die weiteren fundamentalen Kennzahlen geworfen werden, der schließlich durch die Chartanalyse abgerundet wird. Wichtig ist also eine detaillierte Analyse der wichtigsten Kennzahlen. Erscheint ein Papier interessant, wird es gekauft. Sprechen indes fundamentale Zahlen gegen ein Engagement, sollte auch nicht investiert werden.

In den gesunden Menschenverstand vertrauen

Eine weltweite Streuung bei der Aktienanlage ist sinnvoll. Wer einen Teil in deutsche Aktien, einen in europäische Werte und den Rest in Asien investiert, minimiert das Risiko. Foto: iStockphoto

Bewährt hat sich schließlich auch die Aktienvorauswahl nach „gesundem Menschenverstand“. Wer sich täglich über die schlechte Qualität seines Autos ärgert, sollte die Aktien dieses Herstellers meiden. Wer jedoch zum Beispiel als Arzt feststellt, dass ein Pharmakonzern besonders innovative Produkte auf den Markt bringt, die sich bei den Patienten bewähren, sollte auch einmal einen Blick auf die Aktie dieses Unternehmens werfen. Wie erfolgreich eine solche Strategie sein kann, hat die finnische Nokia-Aktie in den 90er Jahren bewiesen. 1992 war der Konzern, dessen Produktpalette damals von Fernsehgeräten bis zu Gummistiefeln und Reifen reichte, nahezu pleite. Dann begann der Mobilfunkboom, und die Finnen wurden dank innovativer Techniken schnell zum Weltmarktführer. Ein Nokia-Handy wurde zum selbstverständlichen Gebrauchsgegenstand. Die Folge: Die Aktie kletterte von – bereinigt – 0,10 Euro im Jahr 1992 auf mehr als 65 Euro im Jahr 2000. Wer also rechtzeitig dabei war, konnte aus einem Kapitaleinsatz von – umgerechnet – 10 000 Euro ein Vermögen von 6,5 Millionen Euro machen. Und auch danach war der „gesunde Menschenverstand“ ein guter Ratgeber bei der Titelauswahl. Seit immer mehr Mobiltelefone anderer Hersteller in den Taschen von Managern und Jugendlichen zu finden sind, ist die Zeit des Wachstums des finnischen Konzerns erst einmal vorbei. Heute kostet das Nokia-Papier nur noch etwa sechs Euro, und ein Ende der Talfahrt ist weiterhin nicht in Sicht.

Während die Kennzahlenanalyse bei deutschen und europäischen Werten recht gut funktioniert, ist es bei amerikanischen Papieren schwieriger, an aussagekräftiges und – vor allem – vergleichbares Zahlenmaterial zu kommen. Hier sollten die Schwerpunkte daher auf bekannte Unternehmen gelegt werden, etwa Papiere aus dem Dow-Jones-Index. Durchaus sinnvoll ist es zudem, den Chart unter die Lupe zu nehmen, der gerade bei US-Titeln oft mehr aussagt als manche Kennzahl. Vorsicht ist bei „heißen Tipps“ geboten, die zum Beispiel in Fernsehsendungen vorgestellt werden. Oftmals handelt es sich um kleinere Unternehmen, so dass sich die Qualität der Empfehlung kaum überprüfen lässt.

Noch schwieriger wird die Einzeltitelauswahl an den asiatischen Märkten. Denn hier sind oftmals keine Kennzahlen verfügbar, auch die Analysen basieren häufig auf sehr einseitigen Meldungen. Entsprechend sollten Anleger vorrangig auf Finanzprodukte wie Exchange Traded Funds (ETFs) setzen, deren Wertentwicklung sich an einem bedeutenden Index der Region orientiert. Alternativ bieten sich auch klassische Investmentfonds an, jedoch sollte hier die bisherige Wertentwicklung mit der Performance des jeweiligen Marktindex verglichen werden. Denn gerade manche Asien-Fonds haben zuletzt nur eine sehr unterdurchschnittliche Wertentwicklung gebracht, und es spricht wenig dafür, dass sie sich plötzlich zu einem „Highflyer“ entwickeln.

Nicht einfach dann kaufen, wenn Geld übrig ist

So vielversprechend eine solche globale Anlagestrategie auch ist, so sollte sich der Sparer einer Tatsache bewusst sein: In einer Baisse kann sich selbst der beste Wert nicht gegen den Trend behaupten, während in einer Hausse auch mancher Titel „mitgezogen“ wird, der fundamental betrachtet wenig chancenreich erscheint. Der Aktienkauf sollte daher nicht dann erfolgen, wenn gerade Geld auf dem Konto zur Verfügung steht. Stattdessen sollte stets der Gesamtmarkttrend berücksichtigt werden – selbst wenn das zur Verfügung stehende Kapital dann möglicherweise ein oder zwei Jahre „zwischengeparkt“ werden muss. Vergleichbares gilt mit umgekehrten Vorzeichen: Wird ein Markt uninteressant, sollte man aussteigen – ungeachtet der Frage der Wiederanlage.

Besonders wichtig ist schließlich die Frage nach der Sicherheit. Bewährt hat es sich, sich selbst ein Limit vorzugeben, ab dem die Aktie konsequent verkauft wird, zum Beispiel 15 Prozent unter dem Einstandspreis. Wird dieses Limit bei steigendem Börsenkurs nach oben mitgezogen, bei fallendem Kurs jedoch eingefroren, liegt das maximale Risiko des Depots bei 15 Prozent. Chancen auf Kurssteigerungen gehen dennoch nicht verloren.

Auch für den Fall eines Crashs sollte man sich Szenarien frühzeitig festlegen, denn hier werden die selbstgesteckten Limits schnell übertroffen. Der Ausstieg lohnt meistens nur am ersten Tag zu Beginn der Krise, wenn noch akzeptable Preise erzielbar sind. Fallen die Kurse jedoch – wie Mitte März nach dem Japan-Erdbeben – massiv zurück, wird es für Privatanleger meist sinnvoll sein, die Bestände beizubehalten. Hier kommt aber eine Absicherung zum Beispiel über Put-Optionen in Betracht. Denn ihre Preise steigen, wenn der Basiswert, zum Beispiel der DAX, fällt, so dass Kursverluste elegant aufgefangen werden können.

Eine weitere Einschränkung bei jeder Aktienstrategie darf schließlich auch nicht unerwähnt bleiben: das erforderliche Mindestkapital. Wer zum Beispiel lediglich 10 000 Euro in Aktien investieren möchte, kann damit schon aus Kostengründen keine breite Streuung vornehmen. Sinnvoller ist es in diesem Fall, ETFs oder klassischen Investmentfonds den Vorzug zu geben. Gleiches gilt bei der regelmäßigen Anlage kleinerer Kapitalbeträge, etwa in Form eines Sparplans. Ein Direktinvestment in Aktien kommt – abhängig von der Gebührenstruktur der Hausbank – ab 2 000 bis 4 000 Euro pro Anlageposition in Betracht.

Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen

Wie viel jedoch im Fall der Direktanlage auf die einzelnen Titel gesetzt wird, richtet sich zum einen nach dem Investitionskapital, zum anderen nach der persönlichen Risikobereitschaft. Generell gilt es jedoch, den Überblick nicht zu verlieren. Selbst erfahrene Anleger setzen selten auf mehr als zehn bis 15 verschiedene Aktien und dies auch nur dann, wenn sie das Investment mit entsprechenden technischen Mitteln – etwa laufend aktualisierten Beobachtungslisten – regelmäßig kontrollieren können. Und dabei sollte eine der Grundregeln jeder Aktienanlage beachtet werden: Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen. Wer konsequent zum Beispiel nach einem Minus von zehn bis 15 Prozent aussteigt, wird seine Verluste in überschaubaren Grenzen halten. Hingegen sollten erfolgreiche Positionen erst dann verkauft werden, wenn eine Aktie eine unangemessen hohe Bewertung erreicht oder der Aufwärtstrend bereits wieder gedreht hat.

Peter Jobst


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