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KULTUR

Art Karlsruhe: Ein Hang zum Dekorativen

Dtsch Arztebl 2011; 108(15): A-853 / B-699 / C-699

Jaeschke, Helmut

Die meisten Umsätze auf der Kunstmesse wurden in diesem Jahr mit der klassischen Moderne getätigt.

Foto: Art Karlsruhe

Der Kunstkritiker Heinrich Hahne („Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Weltkunst“) war regelmäßig enttäuscht von der Reaktion seiner Besucher angesichts seiner in vielen Jahren zusammengetragenen Kunstsammlung. Wie mit Scheuklappen hätten sich manche nur auf die Realisten gestürzt, andere hätten lediglich ein Auge für die Konstruktivisten gehabt, während die dritte Gruppe nach grenzüberschreitenden Objekten im Sinne von Joseph Beuys Ausschau gehalten hätte. Eine ganz ähnliche, einseitige Besucherreaktion kann man auch auf Kunstmessen beobachten. Die Ausrichter kommen diesem Trend entgegen und konzentrieren verwandte Themen und formale Ähnlichkeiten in bestimmten Hallen beziehungsweise Hallensegmenten. Dabei täte es zum Beispiel einem Freund realistischer Malerei gut, sein Auge an gegenstandsloser Kunst zu schulen, so wie gute Realisten unumwunden zugeben, von der Erfahrung der abstrakten Malerei profitiert zu haben.

Foto: Gerda Jaeschke
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Eine Besonderheit der Art Karlsruhe bilden die räumlich großzügigen Skulpturenplätze, doch gerade sie stellten auch auf der diesjährigen Messe größtenteils eher einen Schwachpunkt mit Hang zum rein Dekorativen, Kunsthandwerklichen dar. Rundum gelungen war die Präsentation der Galerie Schwind (Leipzig) mit figurativen Skulpturen von Fritz Cremer und Werner Stötzer. Im Bereich der ungegenständlichen Skulpturenplätze konnte ebenfalls nur weniges überzeugen. Erneut waren es hier die spannungsvollen Konstruktionen aus Metall und Epoxidharz von Axel Anklam (Galerie Rothamel, Erfurt), die lebhafte Aufmerksamkeit erregten. Dieser junge Künstler (Jahrgang 1971) hat seine Ausbildung unter anderem bei dem gefeierten Bildhauer Tony Cragg genossen. Ohne in Epigonentum zu verfallen, hat er seinen eigenen unverwechselbaren Stil gefunden, wobei die Gesetze der musikalischen Harmonielehre bei der Konstruktion seiner Skulpturen eine entscheidende Rolle spielt. Die Qualität seiner Arbeiten überzeugte auch auf der Art Karlsruhe – eine größere Arbeit ging in eine süddeutsche Privatsammlung. Einen weiteren Erfolg konnte die Galerie Rothamel vermelden, das Dommuseum Würzburg kaufte das Bild „Anbetung der Könige“ von Eckart Hahn, eine freie Variation des berühmten Gemäldes von Rubens. Die Akzeptanz der Arbeiten von Hahn hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. In diesem und im nächsten Jahr stehen mehrere Museumsausstellungen des 40-jährigen Künstlers an.

Die meisten Umsätze wurden allerdings mit der klassischen Moderne getätigt. Die Galerie Henze & Ketterer, Bern (Schweiz), berichtete über Verkäufe in Millionenhöhe aus ihrem Angebot expressionistischer Malerei. Herausragende Werke der informellen Malerei gelten mittlerweile ebenfalls als Klassiker, und so hatte die Galerie Maulberger, München, keine Probleme, Spitzenwerke von E. W. Nay und Fritz Winter zu verkaufen. Die Berechtigung einer Kunstmesse im süddeutschen Raum bestätigte sich einmal mehr durch den überproportionalen Zuwachs an Besuchern, die weniger als 300 Kilometer entfernt wohnen. Zudem kam das größte ausländische Kontingent bei den Besuchern aus dem Nachbarland Frankreich, dicht gefolgt von den Schweizern. Erneut konnte die Messeleitung einen neuen Besucherrekord von 45 000 Kunstinteressierten vermelden.

Helmut Jaeschke


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