. . . In Zeiten knapper fachärztlicher Ressourcen ist es kein Wunder, dass sich Betätigungsfelder ergeben, an die früher nicht zu denken war. Fachärzte haben ihren Wert erkannt, und gestalten ihren Arbeitsalltag so, dass sie auch eine gewisse Wertschätzung erfahren. Dabei ist es durchaus legitim, die eigene Arbeitskraft zu möglichst guten Konditionen, auch finanziellen, „in Dienst zu stellen“.
Es ist allerdings ein Trugschluss, zu glauben, dass die genannten Stundenlöhne Brutto = Netto gezahlt würden. Der ach so hohe Stundenlohn relativiert sich schnell. Ein Honorararzt verdient nichts, wenn er krank ist, wenn die Kinder keine Betreuung haben oder krank sind, wenn er Urlaub hat oder auf Fortbildung geht. Insofern sind statistisch Honorarärzte nie krank, es kommt einfach ein anderer. Wenn der Honorararzt für einen Tag angefordert wird und stets nur den kürzesten Saal bekommt und er nach drei Stunden heimgeht, werden nur drei Stunden bezahlt. Honorarärzte müssen auch Steuern zahlen, Berufshaftpflicht und Fortbildungen, Rückstellungen für Altersvorsorge (Rente) und Krankenkasse. Außerdem müssen Rücklagen gebildet werden für Urlaub und gegebenenfalls Krankheitsausfälle. Der Honorararzt trägt das volle wirtschaftliche Risiko, denn, wenn der Auftraggeber sich für einen anderen entscheidet oder einen Arzt zur Anstellung findet, wird er nicht weiterbeschäftigt. Was in dieser Aufstellung würden Sie als Rosinenpickerei betrachten?
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Angestellte Ärzte haben Lohnfortzahlung bei Urlaub und Krankheit, auch bei gegebenenfalls Tatenlosigkeit bei ausfallenden Sälen oder gesperrten Stationen bekommen sie den vereinbarten Lohn.
Insgesamt darf man nicht außer Acht lassen, dass heutzutage eine verlässliche Patientenversorgung auch im Falle eines ärztlichen Personalmangels oft nur mit Honorarärzten, die auf „Zuruf“ einspringen, möglich bleibt.
Ich würde mir wünschen, dass der leise Neid auf die Honorarärzte zugunsten eines offenen Miteinanders bei der gemeinsamen Versorgung der Patienten schwindet. Schließlich ist es den Neidern ja auch möglich, nebenberufliche Honorartätigkeiten zu übernehmen.
Dr. med. Petra Tietze-Schnur, Tagesklinik am Meer, 27572 Bremerhaven
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