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Supplement: Reisemagazin

KENIA: Touristen nicht gefährdet

Dtsch Arztebl 1997; 94(46): [21]

Spiegl, Sepp

Der Slogan des deutschen Ferienfliegers LTU - "Nix wie weg hier" - war anders gemeint. Knut Wehner, Geschäftsführer des Bereichs Touristik, klagt: "Wir haben im Kenia-Geschäft einen Rückgang von 30 Prozent." Seit Unruhen im Safariland an der Ostküste Afrikas die Schlagzeilen bestimmen, sind viele Reisen zum Äquator storniert worden. Auf dem neuen Moi-Airport von Mombasa, Zielflughafen von jährlich 170 000 deutschen Urlaubern, an denen die LTU mit 60 000 den größten Anteil hat, klaffen Lücken auf den Gepäckbändern.
Vorteil für die Urlauber: Die Paßkontrolle ist schneller erledigt. Nachteil für die Hoteliers, die 22 000 Betten an den Küsten und 7 000 im Landesinnern bereithalten: Viele Zimmer stehen leer. Mehrere kleine Hotels in Malindi, dem Dorado vor allem der Italiener, haben geschlossen. Seit die Schießereien und Brandstiftungen auf die Südküste bei Mombasa übergegriffen haben, hat es 62 Tote und mehrere hundert Verletzte gegeben - ausschließlich Kenianer. Mindestens 80 000 sind ins Hinterland geflüchtet. Die Hotels in Kenias schönster Ferienregion mit 17 Kilometer langen und bis zu 80 Meter breiten Sandstränden sind nur noch zur Hälfte belegt.
Politiker der kenianischen Opposition vermuten innenpolitische Hintergründe für die Überfälle: Wahlen stehen vor der Tür; Präsident Daniel T. arap Moi möchte als starker Mann gerufen werden, um an der Macht zu bleiben, die er seit 20 Jahren mit niemandem teilt. Sein Vertrauter Nicolaus Biwott habe die Massaker bestellt und dafür bezahlt, behauptet die Opposition. Ziel der Attacken seien ausschließlich eigene Landsleute, während Touristen bewußt verschont würden.
Präsident Moi versprach den Tourismus-Managern, er werde die Aufrührer jagen lassen und die Unruhen beenden. Der Kenia-Tourist Board glaubt Moi und plant eine europaweite Kampagne, damit der Devisenstrom des Tourismus - jährlich rund eine Milliarde Mark - nicht versiegt: Kenia soll nicht nur als Land für Strandurlaub und Safaris durch die 17 Nationalparks dargestellt werden, sondern auch als Ziel für Aktivitäten wie Hochseefischen, Wildwasserfahrten, Reiten, Tauchen und Bergsteigen. Außerdem wird eine Touristenpolizei eingerichtet.
Chris Modigell, Direktor der Alliance-Hotels mit 1 100 Gästebetten, ist der erfahrenste Manager auf dem Gebiet des Tourismus in Kenia; vor mehr als 20 Jahren hat der Deutsche damit begonnen, das Ferien-Imperium an der Diani-Beach aufzubauen. Er hat derzeit eine Belegungsquote von 60 Prozent - mehr als die meisten Kollegen und Konkurrenten -, aber er ist dennoch besorgt: "Dramatisierende Schlagzeilen der kenianischen Presse werden im Ausland übernommen; die Urlauber werden mit Panikmache verunsichert und fahren lieber in andere Länder, weil sich Zwischenfälle in diesen Regionen in Deutschland schlechter verkaufen lassen." Überdies: "Wenn im armen Kenia die Touristen wegbleiben, führt das zwangsläufig zu Entlassungen - und die Armen werden noch ärmer."
Modigell teilt die Ansicht der deutschen Botschaft in Nairobi: "Urlauber sind nicht gefährdet, nicht in ihren Hotels und nicht auf Safaris." Modigell meint, dem Staat, der zehn Prozent seines Budgets aus dem Tourismus bestreitet, seien die Urlauber zu wichtig, um Ausschreitungen gegen touristische Einrichtungen länger zu dulden: "Schließlich ist der Staat an vielen Tourismus-Projekten beteiligt und würde sich ins eigene Fleisch schneiden." Bisher, erklärt der deutsche Manager, habe keiner seiner Gäste den Wunsch nach vorzeitigem Abbruch des Urlaubs und eiliger Heimreise geäußert. Im Gegenteil: "Viele wollten ihre Ferien verlängern." Allerdings rät er davon ab, Ausflüge auf eigene Faust in die umliegenden Dörfer zu unternehmen: "Wir haben ein Informationsnetz mit Funk aufgebaut, um rechtzeitig zu erfahren, wo Demonstrationen geplant sind, und damit der Ort gegebenenfalls weiträumig umfahren werden kann."
Die Welt der Sportfischer liegt hinter dem Riff an der weißsandigen Diani Beach. Peter Hutchence, ein Engländer vom Scheitel bis zur Sandale, ist einer der größten und erfolgreichsten Veranstalter von "Big Game Fishing". Die Gäste von "Nomad Boats" fahren mit drei Yachten bis zum Horizont. Farbige Wimpel auf den mit Funk ausgerüsteten Schiffen zeigen an, ob Segelfische, Doraden, Barakudas oder Gelbflotten-Thunfische gebissen haben - oder ob ein Schwarzer Marlin oder ein Tigerhai an Bord ist. Klimatisierte Kleinbusse bringen Urlauber zu Tagesausflügen in das nahe Tierreservat Shimba Hills oder ins Fischerdorf Shimoni. Dort ankert eine arabische Dhau, mit der die Touristen entlang der vielen kleinen Inseln zum Kisite Marine Park segeln. Taucher und Schnorchler entdecken die vielfältige Unterwasserwelt am Korallenriff, bevor sie auf Wa-sini Island ein Mittagessen aus Meeresfrüchten genießen.
Noch luxuriöser geht es auf den Dhaus "Babulkher" und "Nawalilkher" in Mombasa zu. Die Restaurantschiffe haben 130 Plätze. Dieselmotoren treiben die Segler durch die malerische Bucht; eine Band spielt den Ohrwurm "Jambo Bwana", Köche bereiten nach Einbruch der Dunkelheit ein Diner mit Zutaten aus dem Spitzenrestaurant "Tamarind" - vom gegrillten Hummer bis zum Filetsteak. Schiffseigner Mike Kirkland, ein weißer Kenianer, sagt: "Wir sind fast immer ausgebucht. Hier läßt sich niemand von den Unruhen abschrecken, die sich nicht gegen Touristen richten." Sepp Spiegl
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