20 Artikel im Heft, Seite 13 von 20

Supplement: Reisemagazin

QUEENSLAND – Cairns: Abenteuer, Exotik und Unterwasserwunderwelt

Dtsch Arztebl 1997; 94(46): [28]

Kistenmacher, Holger

Im tropischen Nordosten des australischen Bundesstaates Queensland liegt ein quirliges Städtchen, das Jahr für Jahr immer mehr meist junge Leute anzieht, die auf den besonderen Kick scharf sind. Action, Abenteuer und Ausgelassenheit sind in Cairns angesagt. Wer aber denkt, daß Cairns nur etwas für die Sorte Menschen ist, die sich von irgendwelchen Brücken, nur an ein Gummiseil angeknotet, in die Tiefe stürzen, irrt sich, denn das Abseilen in einem Wasserfall an einer glitschigen Felswand kann einem den Puls auch ganz schön in die Höhe treiben.
Bungee-Jumping, Wildwasser-Rafting und ähnliche exotische Aktivitäten sind im hohen Norden der australischen Ostküste zwar an der Tagesordnung, aber Cairns und Umgebung haben noch einiges mehr zu bieten. So ist die Stadt der Ausgangspunkt schlechthin, um eines der sieben Weltwunder zu bestaunen: das Große Barriere-Riff, das größte Korallenriff der Welt, das sich über 2 000 km lang bis nach Papua-Neuguinea hinzieht. Selbst wer mit Tauchen nichts am Hut hat, kann sich der Faszination dieses farbenprächtigen Naturparadieses unter Wasser kaum entziehen. Ein Trip mit einem Glasbodenboot erschließt diese Wunderwelt selbst für Wasserscheue. Dieses Schauspiel zu erleben ist ein Muß, und für die, die tauchen lernen möchten, gibt es praktisch an jeder zweiten Straßenecke eine Tauchschule.
Leider hat Cairns selbst keine Strände, aber zum Glück zwei kleine paradiesische Inseln, Green und Fitzroy Island, eine kurze Bootstour entfernt. Die Strände haben teilweise superben Sand, und zusammen mit einem kristallklaren blau-türkisen Wasser laden sie ein - während man faul in der Hängematte schaukelt -, von Kapitän James Cook zu räumen, der im Jahre 1770 diese Gegend erforschte.
Mit einem kleinen Schaufelraddampfer kann man einen Ausflug in die Everglades von Cairns unternehmen, die südlich der Stadt liegen. Diesen Namen hat man einem Gebiet gegeben, das aus kleinen Bächen, Inlets, Büchtchen und Sümpfen besteht, die einst von Cook persönlich in einem Beiboot seiner "Endeavour" entdeckt wurden. Das besondere Tier hier in der Trinity-Bucht ist der Mudskipper-Fisch mit seinen großen Glubschaugen, der außerhalb des Wassers atmen kann und sogar Mangrovenbäume erklimmt. Sich sonnende Krokodile am Ufer und auf dem Kopf hängende, schlafende "Fliegende Füchse" (Fledermäuse) sind ebenfalls zu sehen, während über dem spiegelglatten Wasser eine Vielfalt an bunten Schmetterlingen durch die lauen Lüfte gaukelt.
Etwas südlich von Cairns liegt ein kleines Dorf mit 650 Einwohnern, welches man erst registriert, wenn man schon fast durchgefahren ist. Dieses unscheinbare Örtchen namens Mission Beach hat neben den weitläufigen, ruhigen Stränden hauptsächlich den mächtigen Tully-River zu bieten, der dort sein Unwesen treibt. Hier kann jeder seine nautischen Fähigkeiten bei einer Wildwasserfahrt unter Beweis stellen, um sich dann belehren zu lassen, daß der Fluß seine eigenen Gesetze hat. Jedem, der den Fluß herunter gepaddelt kommt, bietet sich ein atemberaubender Anblick, denn der Tully-River schlängelt sich durch tropischen Regenwald. Wer am Ende des Tages aus dem Kanu aussteigt, hinterläßt nur vergängliche Fußspuren, behält aber unvergängliche Eindrücke.
Weitere ausgedehnte Gebiete mit tropischem Regenwald liegen nördlich von Cairns, zu erreichen über den Bruce-Highway Richtung Port Douglas. Dieser palmengesäumte Strandort à la Südsee mit einem Touch Luxus ist Ausgangsort für Touren auf der urwüchsigen
Cape-Yorke-Halbinsel.
Noch relativ einfach zu erreichen sind die tropischen Regenwälder des Daintree-Nationalparks und von Cape Tribulation. Wer das richtige Abenteuer sucht und dazu noch ein Geländefahrzeug mit Allradantrieb und Getriebesperre besitzt, fährt noch weiter auf die Cape
Yorke Peninsula. Nur wenige Menschen wagen sich viel weiter als nach Laura oder die 260 km bis Coen. Ganz schlimm wird die Straße nach Weipa oder zur Spitze von Australien am Cape Yorke. Vorgelagert liegt dort unter anderem die Thursday Island, deren Bewohner Aboriginal-Ureinwohner sind und die über eine Küstenradiostation verfügt. Nach Papua-Neuguinea ist es dann nur noch ein Katzensprung von 150 km.
Auch wenn Cairns selbst mehr das australische Mekka für Wassersportliebhaber ist - das Umland besitzt für jeden Geschmack etwas. Man wird zwar nicht gerade ein hüpfendes Känguruh dort oben fotografieren, dafür aber vielleicht ein bitter-grimmig lächelndes Krokodil. Holger Kistenmacher


Cairns kann wegen des tropischen Klimas ganzjährig bereist werden. Beste Reisezeit zwischen Oktober und April, allerdings muß im hohen Norden zwischen Dezember und März mit Monsunregenfällen gerechnet werden. Visumszwang; das gebührenfreie Touristenvisum erlaubt eine Aufenthaltsdauer bis zu drei Monaten.
Flüge nach Cairns, meist gekoppelt mit Sydney, Darwin etc., kosten je nach Saison zwischen 1 800 und 2 400 DM.
Auskünfte: Australisches Fremdenverkehrsbüro, Neue Mainzer Str. 22, 60311 Frankfurt/Main.
Australische Botschaft: Godesberger Allee 105-107, 53175 Bonn.
Literatur: Edgar P. Hoff: Australienhandbuch, Reise Know How, 1993.

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