Namibia, für die einen die Sehnsucht der Träume und ein Safari-Land wie aus dem Bilderbuch, für
andere ein Synonym für Unwirtlichkeit und weite Wüstenlandstriche, ein Land voller Gegensätze, das
Entdecker, Safari-Enthusiasten und Unkonventionelle in seinen Bann zieht. Mehr als 400 000 Touristen starten
jedes Jahr zum Ferntrip nach Namibia, darunter viele aus Europa.
Namibia ist eine wahre Völkermühle. Elf Volksstämme, Rassen und Kulturen sind im Schmelztiegel Namibia
schiedlich-friedlich vereint. Buschleute, Hirtenvölker wie die Himba, die Ovambo, die Damara und Kavango
leben in ihren angestammten Landstrichen. Eine Minderheit in Namibia sind die immer schon "zivilisierten
Weißen, die Europäer". Das "Du und Ich" wird denn auch offiziell gepflegt. Von einem Wir-Gefühl ist in den
wenigen größeren Städten kaum etwas zu verspüren.
In Namibia leben rund 35 000 Deutsche und Deutschstämmige, heute bereits in der vierten Generation.
Wir haben Glück. Sonntags treffen wir in Windhoek ein, eine ganz untypische afrikanische Metropole, mit
anheimelndem, fast provinziellem Touch. Die kleine schmucke Stadt (rund 150 000 Einwohner) erinnert an
Größen und Pioniere aus der Heimat. Adolf Lüderitz, Gustav Nachtigal und andere legendäre Sendboten des
Kaisers haben überall nachhaltige Spuren hinterlassen. Dennoch: Afrikanische Kulturen dominieren. Ovambos
(im Norden), Damaras und Hereros, Namas und Abkömmlinge der auf 50 000 Buschmänner dezimierten
Ureinwohner bilden nur einen Teil des bunten Völkergemischs. Mit Instinkt steuern wir den Safari-Ausstatter E.
Holtz an und decken uns mit Khaki-Klamotten ein. Wir statten dem Tintenpalast und der Christuskirche einen
Besuch ab. Abends wird es im Joe’s Beer House gemütlich, auch ein Treff für Touristen und Deutschtümelnde.
Zum Schweinebraten, Kasseler mit Sauerkraut gibt es auch Kudu-Steak, Gemsbok oder Straußensteak - mit
Windhoek-Bier.
Die älteste Küstenwüste, die Namib, ist Ziel unserer ersten Etappe. Via Solitaire bringt uns der Jeep von
Windhoek nach Sossusvlei, dem Ausgangspunkt zu den höchsten (pfirsichfarbenen) Dünen der Welt. Wir
machen halt vor der Düne Nummer 45, die jede Namibia-Postkarte ziert. Kapitale Oryx-Antilopen, Namibias
Wappentiere, halten still zum Schnappschuß - wie vorbestellt.
Die Wüste ist leer und öde, doch sie lebt. Stachelige Weißdornbäume, die die Einheimischen an Weihnachten
auch als Christbaum umfunktionieren, breitschirmige Akazien, oftmals von fleißigen Webervögeln von der
Baumkrone bis zum Stamm hinabreichend zu einem 300-Familien-Nest kunstvoll gewoben, sind die markanten
Fixpunkte an den staubigen Wüstenpisten. Wachebiki oder Warte-ein-bißchen-Sträucher überziehen das steinige
Khomas-Bergland hinauf bis zum Gamsberg-Paß und hinüber zu den Brandbergen.
Im schütteren, silbrig ausgeblichenen Gras wirken die genügsamen braunen Brahmanen-Rinder wie verloren.
Ab und zu überwinden wir ausgetrocknete Flüßchen, bizarre Canyons und sperriges Gestein und Geröll. Der
Gräter, der die Wüstenpisten nur dürftig instand setzt, weist uns den Weg zur komfortablen Karos-Lodge bei
Sossusvlei, einer Station in der Wüste zum Regenerieren. Unter dem Kreuz des Südens ist Braaivleis angesagt.
Ein paar verwegene Motorrad-Fans aus Old Germany haben sich hierher gewagt. Die gut organisierte Tour ist
für sie das Höchste. Einer nach dem anderen kippt mit seinem Wüsten-"Moped" in den Staub - und freut sich.
Auf tief eingekerbten Jeep-Spuren kämpfen wir uns bis zum Rastplatz "Düne Satt" vor. Zum Rastplatz und
Safari-Fan-Treff vor den weit ausladenden Dünen, die zum Niemandsland abriegeln, chauffiert uns Ans-Jörg, ein
deutschstämmiger Haudegen von der Maltahöhe, mit seinem Allrad-Toyota.
Unser Ziel ist das Cape Cross, an dem immer wieder Schiffe gestrandet sind. Die Zwergpelzrobben faulenzen
hier in Kolonien bis zu 5 000 und 10 000 Exemplaren an der Skelettküste, wohin uns zwei Cessna und ein
unverwüstlicher IFA-Lkw aus DDR-Militärbeständen bringen. Wir kampieren im Khumib-Camp, einer
rustikalen, 20 Betten zählenden Holz-Bungalow-Anlage (betrieben mit Solarenergie) mitten in der Skelettwüste.
Der deutsche Touristikpionier Kurt Steinhausen aus Nümbrecht hat hier noch für die nächsten fünf Jahre die
staatliche Lizenz und zahlt hohe Abgaben. Ein Highlight: per Jeep 66 Grad steil eine Düne wie auf Schmierseife
hinunterrutschen. Wetten, daß es gelingt!
Ronnie heißt der 30 Jahre junge "Wüstenfuchs", auf der Suche nach einer Frau, die mit ihm seine geliebte
Wüsteneinsamkeit teilen will. Er kennt jeden Stock und Stein zwischen der Skelettküste, den Achatbergen und
den Dünen am Rocky Point nahe der Küste bei Angra Fria.
Zu den Himbas
Versunkene Zivilisation: die Überreste der Steinzirkeldörfer - unweit der versprengten Himbasiedlung bei
Purros, Himba-Iglus aus Lehm und Kuhdung in der sonst menschenleeren Wüste. Im Kakoaland, südlich der
angolanischen Grenze, leben noch etwa 8 000 Himbas als Halbnomaden. Die Männer hüten die ausgemergelten
Kühe und Schafe. Frauen, Kinder und Alte bleiben mit den Hühnern in den Rundhütten. Paste aus Butter,
geriebenen Steinen und Wüstenkräutern gegen die Sonne, mit denen sie sich einschmieren, läßt ihren Körper fast
dunkelrot erscheinen. Oftmals ist nur ein dürftiger Lendenschurz aus Leder das einzige Kleidungsstück, das sie
tragen.
Etosha:
Natur pur
Die noch wenigen Wüstenelefanten an der Skeleton Coast entdecken wir nicht. Dagegen in der Etosha-Pfanne
Tiere wie einst in der Arche Noah. Die Losung auf der Piste weist uns den Weg zum Elephants’ Bath: Acht
Elefantenbullen und kugelig runde Jungtiere kommen zum Wasserloch zum Tanken. Sie lassen sich gut eine
Stunde Zeit - dann trotten sie in den Busch.
Das (staatlich geleitete) Okaukuejo-Camp und Halali sind das Nonplusultra. Heute haben wir Glück: Drei
Breitmaulnashörner, die selteneren der Big Five, pflanzen sich vor uns auf.
Um die Zahl der in freier Wildbahn lebenden Nashörner macht unser Guide Victor ein Geheimnis (es sollen
noch 230 Exemplare sein).
Auch Namibia hat mit Großwildjägern und Wilderern Probleme. In den Jagd-Farmen wird nicht gefrevelt. Der
Wildbestand im Land ist gesichert, nicht zuletzt seit Namibia dem Washingtoner Schutzabkommen beigetreten
ist und der World Wildlife Fund segensreich wirkt. Dr. Harald Clade
Klima/Reisezeit: Ganzjährig gut bereisbar; nicht so heiß und so luftfeucht wie Zentral- und Ostafrika. November
bis April tagsüber rund 30 Grad, nachts um 10 Grad; manchmal Regenschauer im Februar und März.
Namibischer Winter ist von Mai bis Ende Juli. Tagsüber 20 bis 25 Grad; nachts: sechs bis zehn Grad.
Highlights; Reiselogistik: Land der Gegensätze; Reiseland für Individualisten, Entdecker, aber auch komfortable
Gruppenreisen, per Pkw, Bus, Motorrad oder Campmobil. Prädestiniert sind Gäste-Lodges, weil die Inhaber oft
deutsch sprechen, staatliche Lodges in den Nationalparks, am Rande, teilweise aber auch innerhalb der EtoshaPfanne. Insidertip: Khumib-Camp für Wüstensafari-Fans, über Olympia-Reisen Ltd. in Windhoek, oder die
komfortable Oropoko-Lodge( vier Sterne!), beide unter deutscher Leitung (Olympia-Reisen, 51588
Nümbrecht,.Eckenbacher Hardt 14, Tel 0 2243/91 28 10). Direktbuchung einer Farm U. J. A. Kaiser, Jagdfarm
Kuwerder Nr. 114, P.O.Box 86, 9000 Otjiwarongo/Namibia
Gesundheit/Impfung: Keine Malaria-Prophylaxe erforderlich. Für Trekking-Touren etwa an den Fish-RiverCanyon im Süden: Gesundheitszeugnis erforderlich.
Veranstalter/Airlines: LTU, Lufthansa, Air Namibia; 105 Reiseveranstalter, darunter LTU; Jahn-Reisen, TUI.
Infos: Namibia-Verkehrsbüro, Postfach 20 41, 61290 Bad Homburg.
Preisbeispiel: Komfort-Safari quer durch das Land und in die Etosha-Pfanne, 14 Tage, mit LTU-Flug mit ÜF
und VP: ab 4 869 DM. HC
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