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Diabetes: Sulfonylharnstoffe mit erhöhtem Sterberisiko
Dtsch Arztebl 2011; 108(16): A-872 / B-716 / C-716

Nicht alle oralen Antidiabetika sind gleichwertig. Dies betrifft nicht nur die kurzfristige Blutzuckersenkung. Auch das langfristige kardiovaskuläre Sterberisiko ist einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im European Heart Journal (EHJ 2011: doi:10.1093/eurheartj/ehr077) zufolge unterschiedlich, wobei einige Sulfonylharnstoffe in der Monotherapie ungünstig abschneiden.
In Dänemark haben alle Einwohner eine zentrale Identifikationsnummer, an der sie leicht in verschiedenen Krankenregistern ermittelt werden können. Tina Ken Schramm vom Rigshospitalet Kopenhagen konnte deshalb relativ leicht herausfinden, wie viele Dänen, die in den Jahren 1997 bis 2006 wegen eines Diabetes mellitus Typ 2 eine Monotherapie mit oralen Antidiabetika erhalten hatten, inzwischen gestorben sind.
Das Ergebnis zeigt ein erhöhtes Sterberisiko unter der Therapie mit einigen Sulfonylharnstoffen. Die Gesamtsterblichkeit von Patienten ohne früheren Herzinfarkt war unter Glimepirid, Glibenclamid, Glipizid und Tolbutamid um 19 bis 32 Prozent gegenüber einer Monotherapie mit Metformin erhöht.
Bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten, fand die Autorin sogar ein um 30 bis 53 Prozent erhöhtes Risiko. Eine Ausnahme bildeten nur Gliclazid und der Wirkstoff Repaglinid, der nicht zu den Sulfonylharnstoffen gehört, wie diese aber die Insulinfreisetzung aus den Betazellen fördert.
Datenbankanalysen müssen vorsichtig interpretiert werden. Die erhöhte Sterblichkeit bedeute nicht unbedingt, dass Sulfonylharnstoffe ein Risiko für den Patienten darstellten, schreiben Odette Gore und Darren McGuire vom Southwestern Medical Center in Dallas im Editorial. Es könnte auch sein, dass die protektive Wirkung schwächer ist als die von Metformin, das von den meisten Diabetesfachgesellschaften wegen seiner guten Wirkung als orales Antidiabetikum der Wahl betrachtet wird.
Zweifel an der Sicherheit von Sulfonylharnstoffen waren kürzlich auch in einer Analyse der General Practice Research Database aufgetreten, die die Krankenakten von mehr als 90 000 britischen Typ-2-Diabetikern speichert. Paul Elliott (Imperial College London) hatte die Verordnungen mit Neuerkrankungen an Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und der Allgemeinsterblichkeit in Beziehung gesetzt und kommt zu einem bis zu 61 Prozent erhöhten Sterberisiko von Patienten, denen Sulfonylharnstoffe der ersten oder zweiten Generation verordnet worden waren (BMJ 2009; 339: b4731). rme
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