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BRIEFE

Screening: Aus laborärztlicher Sicht

Dtsch Arztebl 2011; 108(17): A-954

Gerritzen, Andreas

Die leider nur verkürzt wiedergegebene, gemeinsame Stellungnahme der betroffenen Fachgesellschaften zur unbefriedigenden Umsetzung des Chlamydienscreenings bemängelt zahlreiche Unstimmigkeiten in der Ausgestaltung des prinzipiell sinnvollen Vorhabens. Aus Laborsicht stellt die Beschränkung auf (gepoolte) Urinproben das größte Problem dar. Die Mehrzahl aller Proben wird im Alltag aus praktischen Gründen als Spontanurin gewonnen, da viele Patientinnen kein zweites Mal zur Abgabe eines Morgenurins in die Arztpraxis zurückkehren möchten. Die sowieso schon niedrigere Sensitivität für Urin im Vergleich mit Zervikal-/Urethralabstrichen wird hierdurch weiter verschlechtert. Chlamydien als obligat intrazelluläre Bakterien können nämlich vor allem aus in den Urin abgeschilferten Epithelzellen nachgewiesen werden. Zusätzlicher Sensitivitätsverlust entsteht durch das Poolen von bis zu fünf Einzelproben, das wegen der äußerst sparsamen Vergütung vom Verordnungsgeber selbst nahegelegt wird. Allerdings werden hierdurch rechtliche Probleme (off-label use, Produkthaftung, Einhaltung des Medizinproduktegesetzes etc.) einfach vom Reagenzhersteller auf den Leistungserbringer im Labor abgewälzt. Der hieraus entstehende, zusätzliche Aufwand für Methodenvalidierung, Qualitätskontrolle, Auflösen positiver Pools in Einzelproben etc. führt unter dem Strich zu einem auch wirtschaftlich höchst zweifelhaften Vorgehen. Eine künftige Durchführung des Screenings aus einzeln untersuchten Zervikal-/Urethralabstrichen, verbunden mit einer adäquaten Vergütung sowohl für den beratenden und probennehmenden Frauenarzt als auch das untersuchende Labor, würde zweifellos sowohl die Frequenz als auch die diagnostische Ausbeute dieses volkswirtschaftlich sehr begrüßenswerten Programms zur Erhöhung der Geburtenraten in Deutschland verbessern.

Dr. med. Andreas Gerritzen, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte e.V. (BDL), Medizinisches Labor Bremen, 28357 Bremen

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