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POLITIK

Praxis und Familie: Gute Beispiele statt Patentrezepte

Dtsch Arztebl 2011; 108(18): A-990 / B-815 / C-815

Maus, Josef

Die KBV-Broschüre „Beruf und Familie verbinden: Wie sieht das in der Praxis aus?“ erscheint Ende Mai. Sie kann bei der KBV bestellt oder unter www.praxisund- familie.de heruntergeladen werden.

Mit einer interaktiven Internetplattform will die Kassenärztliche Bundesvereinigung jungen Ärztinnen und Ärzten aufzeigen, wie Familie und Beruf besser vereinbart werden können.

Die Zeiten, in denen sich ärztliche Organisationen nur am Rande Gedanken über eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Ärztinnen und Ärzte gemacht haben, sind vorbei. „Familienfreundlichkeit“, sagt Dr. med. Andreas Köhler, „ist zu einem wichtigen Faktor im Wettbewerb um gut ausgebildete Ärzte und Psychotherapeuten geworden. Die Entscheidung, ob junge Mediziner in die kurative Versorgung gehen oder lieber eine Tätigkeit in der Wirtschaft oder Politik annehmen, hängt auch davon ab, ob familiäre Belange bei der Ausübung des Berufs nicht zu kurz kommen.“

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Familie mit hohem Stellenwert

Dass der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mit dieser Einschätzung richtig liegt, belegen auch die Ergebnisse einer Befragung von circa 12 500 Medizinstudierenden aus dem Sommer letzten Jahres, die die Universität Trier im Auftrag der KBV erhoben hatte. Danach gaben 96 Prozent der Befragten an, dass für sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig sei. Ansätze, die Rahmenbedingungen der Arbeit besser an die individuelle Lebenssituation der Ärztinnen und Ärzte anzupassen, bietet bereits das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz von 2008. Seither kann man in Teilzeit und auch als Angestellter in der ambulanten Versorgung tätig werden. Dies ist an mehreren Standorten möglich.

Dennoch sind die Neuerungen des Gesetzes für viele eher abstrakt. Gefragt sind nachvollziehbare Beispiele und Anleitungen aus der Praxis. Hier setzt eine neue Internetplattform der KBV an, die zwar keine Patentrezepte, aber viele gute Beispiele verspricht. Unter www.praxis-und-familie.de finden interessierte Ärztinnen und Ärzte in den Rubriken „Gute Beispiele“, „Arbeitsplatz Praxis“, „Unternehmen Praxis“ und „Service“ hilfreiche Informationen aus unterschiedlichen Perspektiven. So gibt es neben der Vorstellung von Arbeitszeitmodellen Hinweise für den Arzt als Arbeitgeber, wie seine Praxis mit einfachen Maßnahmen familienfreundlicher gestaltet werden kann.

Die Internetplattform richtet sich ausdrücklich auch an Psychotherapeuten und an Medizinische Fachangestellte. Wer selbst gute Beispiele beitragen möchte, kann dies über ein Kontaktformular auf der Website tun. Zum Start der Plattform am 3. Mai sind nach Angaben der KBV bereits 15 Beispiele aus der Praxis eingestellt. Leser können die vorgestellten Beispiele kommentieren und mit den Autoren Kontakt aufnehmen. Von diesem interaktiven Erfahrungsaustausch erhofft sich die KBV eine Verbreitung der als gut befundenen Beispiele in den Regionen.

Auch gegenüber der Politik will die Kassenärztliche Bundesvereinigung das Anliegen einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachhaltig vertreten. So fordert die KBV mit Blick auf das jetzt anstehende Versorgungsgesetz die Einführung eines sogenannten Entlastungsassistenten, der von Ärztinnen und Ärzten nach der Geburt ihres Kindes bis zu drei Jahren in der Praxis beschäftigt werden kann. Ferner soll die Residenzpflicht, die vorsieht, dass niedergelassene Ärzte in der Nähe ihres Praxissitzes wohnen müssen, gelockert werden.

Politik sieht Handlungsbedarf

Der KBV-Vorstandsvorsitzende ist zuversichtlich, dass die Regierungskoalition Verständnis für die Forderungen der Kasssenärztlichen Bundesvereinigung aufbringt. Köhler: „Auch die Politik hat mittlerweile erkannt, dass wir bessere Rahmenbedingungen brauchen. Unsere Forderung nach einer verbindlichen Vertretungsregelung für selbstständig tätige Ärztinnen, die nach der Geburt eines Kindes länger zu Hause bleiben wollen, wurde in die Eckpunkte des geplanten Versorgungsgesetzes aufgenommen.“

Köhler hofft, dass die neue Internetplattform www.praxis-und-familie.de von den Ärztinnen und Ärzten gut angenommen wird. Auch die Praxisinhaber sollen stärker für das Thema sensibilisiert werden: „Wer künftig gute Mitarbeiter in seiner Praxis halten oder neu gewinnen will“, prognostiziert der KBV-Chef, „wird auch für familienfreundliche Arbeitsbedingungen sorgen müssen.“

Josef Maus


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