AKTUELL
USA: Vorwürfe gegen Ärzte in Guantanamo
Dtsch Arztebl 2011; 108(18): A-982 / B-810 / C-810


Schauten die Ärzte
bei Folter weg?
Die Organisation
„Physicians for Human
Rights“ fordert
eine Untersuchungskommission.
Foto: dpa
Ein Mitarbeiter der Organisation Physicians for Human Rights und ein leitender US-Soldat erheben in „PLoS Medicine“ (2011; 8: e1001027) schwere Vorwürfe gegen Ärzte im US-Gefangenenlager Guantanamo. Sie sollen bei der Folterung weggesehen haben und den Ursachen von Verletzungen nicht auf den Grund gegangen sein.
Es ist kein Geheimnis, dass in dem US-Lager gefoltert wurde. Seit 2002 zählten etwa das simulierte Ertränken, Schlafentzug und schmerzhafte Körperhaltungen, die zuvor auch in den USA als Folter betrachtet wurden, zu den „verstärkten“ Befragungsmethoden.
Inzwischen haben mehrere Insassen geklagt. Die Autoren haben die Krankenakten von neun dieser Kläger ausgewertet. Den behandelnden Ärzten werfen sie vor, die Schäden zwar dokumentiert, aber nicht nach den Ursachen gefragt zu haben. Die psychischen Symptome seien als „Persönlichkeitsstörungen“ oder „übliche Folgen der Gefangenschaft“ banalisiert worden. Die Ärzte haben ihre Dossiers möglicherweise auch den Folterern zur Verfügung gestellt. So konnten diese dann zum Beispiel Insassen mit chronischen Schmerzen gezielt Stresspositionen aussetzen.
Physicians for Human Rights fordert die Einsetzung einer Untersuchungskommission. rme
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