BRIEFE
Wartezeiten: Ein Stachel gelockert
Dtsch Arztebl 2011; 108(18): A-1013

Natürlich ist der Vorschlag der SPD-Fraktion töricht, über irgendwelche Kontrollanrufe eine Bevorzugung von Privatpatienten herauszufinden und dann die entsprechend auffälligen Vertragsärzte zu kantern. Auf der anderen Seite sind das laute Geschrei und die Wagenburgmentalität von KBV über Hartmannbund bis zu einem Medi-Bund überwältigend und zeigen, dass da wohl ein Stachel gelockert wurde. Das Phänomen der Bevorzugung von Privatpatienten ist allerdings längst in der Bevölkerung angekommen und gehört da offenbar zur allgemeinen Lebenserfahrung.
Die pauschalierte Entgeltung der Vertragsärzte hat den Privatpatienten zur letzten, noch selbst steuerbaren Einnahmeoption gemacht. Letztlich ist die im Mittel über der Inflationsrate liegende jährliche Beitragsanpassung der privaten Krankenkassen ein Ausdruck nicht nur einer älter werdenden Privatklientel, sondern auch einer Zunahme an absoluter Leistungserbringung an Privatpatienten . . .
Der Privatpatient selbst ist sich seines Status durchaus bewusst, und wer kennt nicht berüchtigte Sätze wie „Mein Mann ist Privatpatient“ oder „Wir sind aber privat versichert“, mit denen eine bestimmte Anspruchshaltung vertreten wird, der man sich ungern verschließt.
Insofern ist es äußerst weltfremd davon auszugehen, dass Privatpatienten, aber auch sogenannte politische oder sozialmedizinische VIP-Patienten, die keineswegs privat versichert sind, egalisiert behandelt werden. Dabei muss die Behandlung dieser Patienten gar nicht mal besser sein, was sie ja auch ethisch und sachlich nicht sein darf. Sie wird aber oftmals deutlich umfangreicher ausfallen, was letztlich auch die Kostensteigerung in der PKV miterklären dürfte.
Prof. Dr. med. Ulrich Hake, 55130 Mainz
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