BRIEFE
Wartezeiten: Grotesk
Dtsch Arztebl 2011; 108(18): A-1014


Dass die Wartezeiten angesichts Personalmangels/Übertechnisierung in der Medizin, vermischt mit Anspruchshaltung/Zeitnot der Patienten, zwangsläufig zunehmen, müssten eigentlich auch „Gesundheitsexperten“ der SPD kapieren. Ärztliche Tätigkeit ist keine Fließbandarbeit oder Robotik, die sich zeitlich vorausberechnen lässt. Würden die von Herrn Lauterbach vorgeschlagenen Geldstrafen oder der bis zweijährige Entzug der RVO-Kassenzulassung groteske Realität, gäbe es noch mehr auswandernde oder praxisferne Berufszweige wählende Jungärzte. Zwangsmaßnahmen verschärfen nur den Ärztemangel und machen den humanitären Beruf vollends unattraktiv. Im sozialistisch regierten Schweden vor 50 Jahren erlebte ich aufgrund weitgehend entprivatisierter Staatsmedizin oft monatelange Wartezeiten für „Normalpatienten“ (außer bei Notfällen und Geburtshilfe). Entsprechend stieg der Grenzverkehr mit Dänemark. Heutzutage muss ich auch bei uns als Privatversicherter trotz pünktlicher Terminvereinbarung mit stundenlanger Wartezeit rechnen, weil ich die Situation kenne . . .
Prof. em. Dr. med. Otto Paul Hornstein,
91080 Uttenreuth
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