AKTUELL
Einsatz in Afghanistan: Zwei Prozent der Soldaten kehren traumatisiert zurück
PP 10, Ausgabe Mai 2011, Seite 200

Etwa zwei Prozent aller Bundeswehrsoldaten, die 2009 im ISAF-Einsatz in Afghanistan waren, sind mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zurückgekehrt. Das entspricht jährlich circa 200 Soldaten. Dies geht aus der „PTBS-Dunkelziffer-Studie“ hervor, die am 6. April am Psychotraumazentrum des Bundeswehrkrankenhauses Berlin vorgestellt wurde. Die Studie, die unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen und Dr. Sabine Schönfeld an der Technischen Universität Dresden erarbeitet wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass die Anzahl von PTBS-Erkrankungen nicht das Ausmaß erreicht, wie es oftmals vermutet wurde.

Belastende Einsätze:
Circa 200
Soldaten litten 2009
nach der Rückkehr
aus Afghanistan an
einer PTBS.
Foto: dpa
Nur jeder zweite PTBS-Betroffene suchte nach eigenen Angaben in den zwölf Monaten nach dem Einsatz professionelle Hilfe. Dies weist nach Meinung der Wissenschaftler dennoch auf eine „nicht unerhebliche jährliche Dunkelziffer“ hin.
Der Studie zufolge haben Soldaten in den Afghanistan-Missionen der Bundeswehr im Vergleich zu denjenigen ohne Auslandseinsatz ein sechs- bis zehnfach erhöhtes Risiko, an PTBS zu erkranken. Im Vergleich zu den PTBS-Raten bei britischen und US-Soldaten, die im Irak oder in Afghanistan im Einsatz waren, fallen die Erkrankungsraten der deutschen Soldaten allerdings deutlich niedriger aus. Als Gründe dafür vermuten die Autoren der Studie die besseren Auswahlkriterien der Bundeswehr für Auslandseinsätze, eine bessere Einsatzvorbereitung, die kürzere Einsatzdauer von vier bis fünf Monaten und weniger unmittelbare Kampfsituationen.
Die Studienleiter weisen darauf hin, dass Angststörungen, depressive und somatoforme Störungen sowie Erschöpfungssyndrome nicht vernachlässigt werden dürften. Diese könnten gleichfalls durch einsatzbezogene Belastungen zunehmen. PB
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