SPEKTRUM: Akut
Anstieg respiratorischer Krankheiten: Übeltäter Rauchen und Asthma
Dtsch Arztebl 1998; 95(1-2): A-4 / B-4 / C-4


Von 1950 bis zum Jahr 2000 werden allein in Europa schätzungsweise 20 Millionen Menschen an den
Folgen des Rauchens gestorben sein. Und 16 der 25 Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Tabakkonsum liegen in
Europa, angeführt von Polen mit einem jährlichen Konsum von 3 620 Zigaretten pro Erwachsenem. Angesichts
dieser alarmierenden Zahlen bildeten durch Rauchen bedingte Erkrankungen einen Schwerpunkt auf der
Jahrestagung der European Respiratory Society in Berlin. Zunehmende Verbreitung findet das Rauchen bei
jungen Frauen. Dies zeige sich auch an der Lungenkrebsrate, die sich nach Aussage des Berliner Pneumologen
Robert Loddenkemper in den letzten zehn Jahren bei den Frauen nahezu verdoppelt habe. Interessante
epidemiologische Daten aus Italien stellte hierzu Dr. Franco Ravenna vor.
Bei einer Studie mit 177 Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren zeigte sich ein großer Einfluß der
Rauchgewohnheiten der Mütter. Bei 73 Prozent der rauchenden Mädchen rauchte auch die Mutter. Daß Raucher
nicht nur alleine durch den Tabakkonsum gefährdet sind, zeigte eine von Prof. Rudolph Schoberberger
durchgeführte Umfrage unter Rauchern und Nichtrauchern in Österreich. Personen mit eindeutiger
Nikotinabhängigkeit waren hierbei eher übergewichtig als Nichtraucher, gaben ein geringeres Interesse an
gesunder Ernährung an und hatten ein größeres Verlangen nach kohlenhydratreichen Zwischenmahlzeiten, dem sie auch häufiger nachgaben. Dies sollte nach Meinung des
Wiener Wissenschaftlers bei Strategien zur Gesundheitsförderung stärker berücksichtigt werden.
Stark gestiegen (vor allem bei Kindern) ist die Prävalenz des Asthma bronchiale. Ein Erfolg ist bei der
Erforschung der Genetik von Asthmaerkrankungen zu verzeichnen. Die australische Arbeitsgruppe um Prof.
Peter Le Souef hat ein Gen mit der Bezeichnung CC16 identifiziert, dessen Mutation möglicherweise an der
Auslösung von Asthma beteiligt ist. Das von der Genfrequenz bestimmte Protein, das nur in den Atemwegen
vorkommt und hier starke antiinflammatorische Effekte aufweist, ist bei Asthmatikern vermindert. Bei
homozygoten Trägern der Mutationsvariante 38A, die mit einer verminderten Proteinproduktion einhergeht, ist
das Asthmarisiko bis um das Siebenfache erhöht. Die weitere Abklärung dieser Genmutation könnte, so Le
Souef, in Zukunft eine effektivere Therapie von Asthmatikern ermöglichen. Maria Weiß
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