VARIA: Personalien
Gestorben
Dtsch Arztebl 1998; 95(3): A-109 / B-92 / C-89


Prof. Dr. phil. Dr. med. Robert Ammon, ehemaliger Direktor des Physiologisch-Chemischen Instituts
der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes, Homburg/Saar, starb am 6. Dezember 1997 im 96.
Lebensjahr.
Robert Ammon wurde nach seinem Chemiestudium in Berlin 1927 zum Dr. phil. promoviert. Nach dem Studium
der Medizin in Rostock wurde er 1932 zum Dr. med. promoviert; Ernennung zum Privatdozenten für
Pathologische und Physiologische Chemie an der Universität Berlin; 1936 Umhabilitierung nach Breslau, 1939
nach Königsberg, wo er 1940 zum außerplanmäßigen Professor für Physiologische Chemie ernannt wurde. Von
1943 bis 1945 leitete Ammon als Direktor das Physiologisch-Chemische Institut der Medizinischen Fakultät und
war außerordentlicher Professor an der Universität Königsberg. Im Jahr 1951 wurde Prof. Robert Ammon zum
ordentlichen Professor an die Universität des Saarlandes in Homburg/Saar berufen. Er wurde zum ersten
Direktor des neu errichteten Physiologisch-Chemischen Instituts in Homburg/Saar ernannt (siehe auch Deutsches
Ärzteblatt, Heft 39/1997, Rubrik "Personalien").
Prof. Dr. phil. Dr. med. Philipp Rudolf Keil, von 1958 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1991 Ordinarius für
Allgemein- und Kommunalhygiene an der Universität Rostock, starb am 11. Dezember 1997 im Alter von 93
Jahren in Marburg. Keil war vor seiner Ernennung zum Ordinarius von 1950 bis 1958 Leitender Oberarzt am
Hygiene-Institut der Universität Jena, danach von 1958 an in Rostock tätig.
Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Wilhelm Heim starb am 15. Dezember 1997 im 92. Lebensjahr in Berlin.
Wilhelm Heim wurde am 2. November 1906 in Berlin, Bezirk Kreuzberg, geboren. Nach dem Medizinstudium
an den Universitäten in Berlin und Innsbruck erhielt er 1955 die Anerkennung als Facharzt für Chirurgie; 1931
Promotion an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin, 1941 Habilitation ("Klinische und experimentelle
Studien zum Blutkonservierungsproblem"); 1942 Privatdozent für Chirurgie an der Charité zu Berlin; 1959 apl.
Professor an der Freien Universität Berlin; 1997 Ehrendoktorwürde der Jinan-Universität in Kanton
(Volksrepublik China).
Nach Oberarzttätigkeit im Städtischen Krankenhaus Am Urban und Robert-Koch-Krankenhaus Moabit wurde
Wilhelm Heim 1948 Chefarzt der Chirurgischen Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses, des größten
Berliner Krankenhauses (damals 2 000 Betten), und ab 1949 bis zu seiner Pensionierung (1971) Ärztlicher
Direktor.
Der Schwerpunkt seiner Arbeiten und Forschung lag in der Transfusionsmedizin und in der
Schilddrüsenchirurgie. So regte Heim 1949 die Gründung des Berliner Blutspendedienstes an und schuf die
Berliner Blutbank, die er bis 1966 leitete. Im Jahr 1961 wurde Heim Honorarprofessor für Krankenhausbau an
der Technischen Universität Berlin.
Trotz dieser immensen Belastung wurde Wilhelm Heim schon frühzeitig berufspolitisch aktiv. Bereits zur Zeit
der Berliner ärztlichen Sektorenverbände Ende der 40er Jahre hielt er in "seinem" Krankenhaus
Fortbildungsabende ab, die hohes Niveau hatten. Zeitlebens hat sich Wilhelm Heim der ärztlichen Fortbildung
verschrieben. Er war Mitbegründer der Akademie für ärztliche Fortbildung und deren Vorsitzender von 1958 bis
1975.
Die Kaiserin-Friedrich-Stiftung zu Berlin verdankt ihm ihre Wiedergeburt im Jahre 1972. Es war ihm vergönnt,
seinen größten Wunsch in Erfüllung gehen zu sehen: die Wiederinbesitznahme des 1906 eingeweihten KaiserinFriedrich-Hauses am Robert-Koch-Platz nahe der Charité. Hier hatte er als junger Dozent Vorlesungen und
Vorträge gehalten, hier konnte er 1991 seinen 85. Geburtstag feiern. Bis zum Jahr 1985 war er Geschäftsführer
der Stiftung, gehörte dem Kuratorium weiter bis zu seinem Tode als Ehrenmitglied an. Die Stiftung verdankt
Professor Heim maßgebliche Impulse. Insbesondere bei der Gestaltung von Kursen in klinischer Fortbildung zur
Wiedereingliederung von Ärztinnen in ihren Beruf, die Heim als erster in den siebziger Jahren einführte.
Mit besonderer Liebe widmete er sich dem Austausch von chinesischen und deutschen Ärzten. Als Mitbegründer
der Deutsch-Chinesischen Medizinischen Gesellschaft e.V. wirkte er darauf hin, daß zwischen der KaiserinFriedrich-Stiftung und der Jinan-Universität in Kanton ein Partnerschaftsvertrag geschlossen wurde. Nach
diesem Vertrag, der heute seit mehr als zehn Jahren noch besteht, kommen chinesische Ärzte für ein Jahr zur
klinischen Fortbildung an Berliner Kliniken.
Neben seinen Fortbildungsaktivitäten - auch als Vorsitzender der Hans-Neuffer-Stiftung der
Bundesärztekammer in Köln - engagierte sich Wilhelm Heim aber auch in der eigentlichen ärztlichen
Berufspolitik. Nachdem er viele Jahre dem Vorstand der Ärztekammer Berlin angehört hatte, war er von 1975
bis 1983 Präsident der Ärztekammer Berlin und Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer.
Für sein Engagement in der ärztlichen Fortbildung wurde Professor Heim 1962 mit der Ernst-von-BergmannPlakette der Bundesärztekammer ausgezeichnet. 1983 erhielt er beim Deutschen Ärztetag in Kassel die höchste
Auszeichnung, die die deutsche Ärzteschaft vergibt: die Paracelsus-Medaille.
Der Senat von Berlin ließ Heim keine Auszeichnung zuteil werden - unter dem nicht nachvollziehbaren Hinweis
auf seine Haltung in der Zeit nach 1933.
Mit Wilhelm Heims Tod ist ein bedeutendes Kapitel der Nachkriegsgeschichte der Berliner Ärzteschaft zu Ende
gegangen. Die Berliner Ärzte und die deutsche Ärzteschaft schulden ihm großen Dank.
Dr. med. Wolfgang Schmidt, Berlin
Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Hans-Klaus Zinser, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, ehemaliger
Chefarzt und langjähriger Ärztlicher Direktor des Evangelischen Krankenhauses Köln-Weyertal, starb am 26.
Dezember 1997 im Alter von 85 Jahren in Köln.
Hans-Klaus Zinser, in Hansdorf (Posen) geboren, erhielt die Approbation als Arzt im Jahr 1938; im gleichen
Jahr wurde er zum Dr. med. promoviert. Nach Kriegseinsatz kehrte er 1943 an die Universitäts-Frauenklinik
Jena zurück und wurde 1947 Oberarzt bei Prof. Dr. med. Gustav Döderlein. 1948 habilitierte sich Zinser und
wurde zum Privatdozenten ernannt. 1951 erhielt er einen Ruf auf einen Lehrstuhl an der Frauen-Universitätsklinik Greifswald. 1956, nachdem er in die Bundesrepublik übergesiedelt war, übernahm Zinser
die Leitung der geburtshilflich-gynäkologischen Abteilung des Evangelischen Krankenhauses Weyertal zu Köln
und errichtete 1957 das am Krankenhaus angegliederte Zytologische Laboratorium, wo später eine der ersten
staatlich anerkannten Schulen für Zytologie-Assistentinnen gegründet wurde.
Als Pionier auf dem Gebiet der Zytologie hat Zinser unter anderem die Phasenkontrastzytologie grundlegend
geprägt und durch seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten die Effektivität der gynäkologischen
Krebsvorsorge bewiesen. Seine Analysen waren mithin auch Grundlage für das seit 1971 gesetzlich verankerte
Krebsfrüherkennungsprogramm im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung. 1977 trat Zinser nach
20jähriger Chefarzttätigkeit in den Ruhestand. Auch nach seiner Emeritierung war er noch einige Zeit Leiter des
Zytologischen Laboratoriums sowie des Zytogenetischen Instituts am Krankenhaus Weyertal. In Anerkennung
seines Wirkens erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.
Prof. Dr. med. Achim Bolte, ehemaliger Direktor der Gynäkologischen und Geburtshilflichen Universitätsklinik
Köln, starb am 27. Dezember 1997 im Alter von 68 Jahren in Köln. - Achim Bolte begann seine berufliche und
wissenschaftliche Karriere zunächst als Assistenzarzt an der Universitäts-Frauenklinik in Köln, deren Leitung er
1973 übernahm. Bolte zählt zu den ersten Gynäkologen in Deutschland, die an ihrer Klinik eine spezielle
Perinataleinrichtung gründeten. Im Dezember 1985 wurde in der von Prof. Bolte geleiteten Klinik das erste
"Retortenbaby" zur Welt gebracht. Besonders hat sich Bolte für krebskranke Frauen engagiert. Zwei Jahre über
seine Emeritierung hinaus blieb Bolte im Amt - bis Anfang 1996. EB
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