SPEKTRUM: Leserbriefe
Diabetes: Desolate Finanzierung
Dtsch Arztebl 1998; 95(3): A-65 / B-53 / C-53
Zu dem Medizin-Beitrag "Multizentrische Studie zur Effektivität der diabetologischen Schwerpunktpraxis" von Dr. med. Helmut Hasche et al. in Heft 45/1997:


Der mit dem Artikel untermauerte Ruf nach diabetologischen Schwerpunktpraxen legt die groteske
Situation der Versorgung chronisch Kranker auf dem ambulanten Sektor offen: Die Instruktionsleistungen für
Diabetiker werden seit Jahren teils überhaupt nicht, teils mit einem Honorar in Portohöhe bezahlt . . . Die
desolate Finanzierung speziell der Internisten, für die der Diabetes mellitus ein zentrales Krankheitsbild ist, ruft
natürlich Leute auf den Plan, die auf diese Mißstände hinweisen. Leider ziehen sie nicht die Konsequenz einer
Aufstockung der Mittel, sondern empfehlen sich selbst als berufen zur Abstellung der Mängel. Schafft man nun
Diabetesschwerpunktpraxen, so werden diese aus dem allgemeinen ambulanten Topf bezahlt und senken den
Punktwert noch weiter ab, womit die Versorgung der übrigen Diabetiker wieder nach unten katalysiert wird.
Anschließend kommen wieder Leute und klagen
über die Breitenversorgung der Diabetiker mit dem gleichen Effekt. Und so weiter. Die Auseinzelung einzelner
Krankheitsbilder in separate Praxisstrukturen ist ein Irrweg (demnächst Praxen für chronische Migräne,
Mammakarzinom, Asthma bronchiale?). Ihre Etablierung zeigt, daß man den Flächenbrand wirtschaftlich
bedingter Unterversorgung durch punktuelle Löschversuche beherrschen will - ein Unternehmen, das kaum in
der Breite Erfolg haben kann.
Dr. med. L. Beyerle, Aktienstraße 277, 45473 Mülheim
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