AKTUELL: Akut

Individualisierte Medizin: Auf die Kombination kommt es an

Dtsch Arztebl 2011; 108(21): A-1144 / B-948 / C-948

Richter-Kuhlmann, Eva A.

Neue Erkenntnisse über individuelle genetische Unterschiede in der Entgiftungsfunktion der Niere und deren Bedeutung für Volkskrankheiten liefert die erste große Reihenuntersuchung, bei der Stoffwechselprodukte im Urin mit Hilfe der Kernmagnetresonanzspektroskopie (NMR) untersucht und anschließend mit genetischen Daten abgeglichen wurden. Die Forscher der Universitätsmedizin Greifswald und des Helmholtz-Zentrums München identifizierten dabei fünf Genregionen, die teilweise bereits in der Vergangenheit mit der Niereninsuffizienz und der koronaren Herzkrankheit in Verbindung gebracht wurden. Publiziert wurden die Studienergebnisse in der Online-Ausgabe des internationalen Fachmagazins „Nature Genetics“ vom 15. Mai (doi: 10.1038/ng.837).

„Die Ergebnisse sind die ersten wichtigen Erkenntnisse im Rahmen der Spitzenforschung der individualisierten Medizin am Standort Greifswald und des Forschungsprojekts GANI_MED (Greifswald Approach to Individualized Medicine)“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. med. Matthias Nauck, Universitätsmedizin Greifswald. Mit Hilfe der Kernmagnetresonanzspektroskopie untersuchten die Forscher die Urinproben von etwa 2 000 Teilnehmern der Greifswalder SHIP-Studie (eine der größten Gesundheitsstudien zur Erforschung von Volkskrankheiten) und von 1 000 Probanden der KORA-Studie, die seit mehr als 20 Jahren Tausende Bürger aus dem Raum Augsburg untersucht, um die Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen zu erforschen. Der Clou: Die Daten setzten die Wissenschaftler in Beziehung zu den genetischen Informationen aus dem Blut der Probanden. „Dabei konnten wir das Muster der Stoffwechselprodukte im Urin mit den Genen der Probanden in Verbindung bringen“, erklärt Prof. Dr. Karsten Suhre vom Institut für Bioinformatik und Systembiologie des Helmholtz-Zentrums München, außeruniversitärer GANI_MED-Kooperationspartner. Gefördert wird GANI_MED von Bund und Land bis 2014 mit 15,4 Millionen Euro, um maßgeschneiderte medizinische Therapien zu entwickeln und zu erproben.

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„Wir haben einen unverwechselbaren Fingerabdruck vom Stoffwechselprofil des Menschen aus seinem Urin erhalten“, resümiert Nauck. Der Labormediziner hofft, mit dieser Methode auch künftig Risiken für bestimmte Erkrankungen aus dem Stoffwechselprofil des Menschen genauer abschätzen zu können, um auf der Basis der Analyse individuelle Therapien für Patienten zu ermöglichen. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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