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GELDANLAGE

Börsebius: Von faulen Säcken umzingelt?

Dtsch Arztebl 2011; 108(21): A-1189 / B-988 / C-988

Holla. Wer auf Parteiveranstaltungen großflächigen Beifall erheischt, muss wohl die Sprache des Boulevards sprechen. Nichts anderes muss Angela Merkel geritten haben, als sie auf einem CDU-Sommerfest in Meschede im Sauerland den Südeuropäern einiges erklärte. Sie gingen zu früh in Rente, und sie hätten eh zu viel Urlaub.

Die Bundeskanzlerin im Originalton: „Wir können nicht eine Währung haben, und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig.“ Implizit heißt das doch wohl, wir sind von faulen Säcken umzingelt und die sollen sich mal hübsch für den Euro anstrengen, wenn sie denn schon unser gutes Geld haben wollen. Gut, den Vergleich mit den faulen Säcken hatte sich schon jemand anderes lange vorher (in Gestalt des Exkanzlers Gerhard Schröder) ans Revers geheftet, als er unsere Lehrerschaft anprangerte, genauer gesagt, deren Leistungsmoral. Aber es ist natürlich klar, dass dem just hochgehobenen Merkel’schen Finger ein Sturm der Entrüstung entgegenschlug.

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Dummheit pur also, oder war das alles vielleicht sogar Kalkül der kühlsten Sorte? Persönlich glaube ich eher an eine zielgerichtete Aktion mit dem Ziel, Emotionen zu schüren. Denn fast taggleich zur merkwürdigen Mescheder Merkelrede wurde ruchbar, dass es um Griechenland schlimmer steht als befürchtet und vermutlich so wie bisher nicht weitergemacht werden kann, Milliardenaufschüttungen eh nicht mehr weiterhelfen, sondern wohl in Bälde zum härteren Mittel der Umschuldung Griechenlands gegriffen werden muss. Volkes Stimme muss dann nur noch genügend einjustiert werden, also kam das mit den nicht so arbeitsamen Südeuropäern als Stilmittel gerade recht.

Natürlich ist es volkswirtschaftlich kritisch, wenn im Euroraum unterschiedliche Urlaubszeiten und Renteneintrittsalter gelten. Vielleicht mag es auch schädlich sein und das, was Angela Merkel gesagt hat, in Ruhe betrachtet, sogar richtig. Aber diese Erkenntnis ist nicht neu, wirklich nicht. Sie spielte jedenfalls beim Eintritt der südeuropäischen Länder in die Europäische Union keine Rolle.

Heute aber kann das Einfordern geringerer Urlaube und späterer Renteneintritte bei unseren Nachbarn nur als billige Ausrede für eigenes Fehlverhalten in der Währungspolitik gedeutet werden. Dort ist jahrelang die falsche Politik betrieben worden und wird es möglicherweise immer noch.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 4. Juni 2011 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.


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