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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Akutes Koronarsyndrom: Frühdiagnose mit Troponintest bessert Prognose

Dtsch Arztebl 2011; 108(21): A-1173 / B-974 / C-974

Vetter, Christine

Der Einsatz hochsensitiver Troponinassays zur Frühdiagnose eines akuten Myokardinfarkts wird kontrovers diskutiert, da der höheren Sensitivität die eingeschränkte Spezifität gegenübersteht. Eine Erhebung schottischer Mediziner hat nunmehr geprüft, inwieweit sich durch den Einsatz eines hochempfindlichen Testsystems ein besseres klinisches Outcome ergibt. Dazu wurde bei der Implementierung des neuen Assays in der Klinik bei 1 038 konsekutiven Patienten während der ersten Validierungsphase (6 Monate) der bis dato übliche Schwellenwert von 0,20 ng/ml beibehalten und eine niedrigere Messung den behandelnden Ärzten nicht mitgeteilt. In der zweiten, eigentlichen Implementierungsphase (6 Monate) wurde bei 1 054 konsekutiven Patienten der Schwellenwert zur Erfassung einer kardialen Nekrose auf 0,05 ng/ml gesenkt.

Die Patienten wurden jeweils ein Jahr lang auf erneuten Infarkt oder Tod beobachtet, wobei, abhängig vom ermittelten kardialen Troponinwert, drei Gruppen differenziert wurden: Troponin < 0,05 ng/ml, von 0,05 bis 0,19 ng/ml und von ≥ 0,20 ng/ml.

Bei 64 % der Patienten lag die Troponin-Plasma-Konzentration unter 0,05 ng/ml, bei 8 % zwischen 0,05 und 0,19 ng/ml und bei 28 % darüber. 39 % der Patienten mit einer Plasma-Troponinkonzentration von 0,05 bis 0,19 ng/ml während der Validierungsphase und 7 % mit einem Wert unter 0,05 sowie 24 % mit 0,20 ng/ml und mehr starben innerhalb eines Jahres oder erlitten einen Myokardinfarkt (MI). Die Senkung des diagnostischen Schwellenwerts in der Implementierungsphase führte zu einer Reduktion der Infarkt- und Todesrate von 39 % auf 21 % bei Patienten mit Troponinkonzentration von 0,05 bis 0,19 ng/ml (Odds Ratio 0,42; 95-%-KI 0,24 bis 0,84; p = 0,01). Die Autoren erklären dies mit der früheren Diagnose und einer konsequenteren evidenzbasierten Therapie.

Fazit: „Die Daten belegen, dass sich durch Einsatz eines besonders sensitiven Troponinassays die Frühdiagnostik des Myokardinfarkts und damit auch die Prognose der Patienten mit akutem Koronarsyndrom verbessern lassen“, erläuterte hierzu Prof. Dr. med. Erland Erdmann, Direktor des Herzzentrums der Universitätsklinik Köln. Denn die Freisetzung von Troponin aus dem Myokard signalisiert Schädigungen von Herzmuskelzellen. Je sensitiver dabei der Troponintest ist, umso früher kann eine adäquate Behandlung eingeleitet werden. Falschpositive Befunde müssen Erdmann zufolge gegebenenfalls in Kauf genommen werden: „Im Zweifelsfall behandeln wir lieber einen Patienten zu viel, als einen Infarkt zu übersehen.“ Christine Vetter

Mills NI et al.: Implementation of a sensitive troponin assay and risk of recurrent myocardial infarction and death in patients with suspected acute coronary syndrome. JAMA 2011; 305(12): 1210–6. MEDLINE


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