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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Epoetin alfa nach Myokardinfarkt: Infarktareal durch das Hormon nicht verkleinert

Dtsch Arztebl 2011; 108(22): A-1229 / B-1026 / C-1026

Heinzl, Susanne

Epoetin wird zur Behandlung der Anämie bei Patienten mit Nierenerkrankungen, Krebs oder HIV-Infektion angewandt. Da in tierexperimentellen Ischämiemodellen Epoetin die Ausdehnung des infarzierten Areals verringerte und die linksventrikuläre Funktion verbesserte, wurde nun in der prospektiven randomisierten placebokontrollierten REVEAL-Studie (Reduction of Infarct Expansion and Ventricular Remodeling With Erythropoietin After Large Myocardial Infarction) untersucht, ob Epoetin auch bei Patienten mit Herzinfarkt eine ähnlich günstige Wirkung hat.

In der REVEAL-Studie wurden 222 Patienten nach ST-Hebungsinfarkt und innerhalb von 4 Stunden nach perkutaner koronarer Intervention randomisiert mit Epoetin alfa oder Placebo behandelt. Die Studie bestand aus einer Dosiseskalationssicherheitsphase und einer Wirksamkeitsphase, in der eine Einzeldosis von 60 000 I. E. Epoetin alfa gegeben wurde. Primärer Endpunkt war die Infarktgröße (% der linksventrikulären Masse), die mit kardialer Kernspintomographie an Tag 2 bis 6 nach Medikation sowie 12 ± 2 Wochen später gemessen wurde. In der Wirksamkeitsphase gab es keinen Unterschied in der Infarktgröße bei Behandlung mit Epoetin im Vergleich zu Placebo: Sie betrug bei der ersten Untersuchung 15,8 % der linksventrikulären Masse mit Epoetin alfa und 15,0 % mit Placebo, beim zweiten Scan 10,6 % bzw. 10,4 %. In einer vordefinierten Subanalyse ergab sich, dass die Infarkte in der ersten Woche bei Patienten ab 70 Jahren mit Epoetin alfa sogar größer waren als bei Behandlung mit Placebo (19,9 % vs. 11,7 %; p = 0,03). In der Sicherheitsgruppe trat der kombinierte Endpunkt aus Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall und Stentthrombose bei 5/125 Epoetin-behandelten Patienten (4 %) signifikant häufiger auf als bei Placebo (0/97) (p = 0,04).

Im begleitenden Editorial wird deshalb die häufige Anwendung von Epoetin bei Patienten mit Anämie kritisch hinterfragt. Zumindest bei Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko sollte Epoetin sehr zurückhaltend verordnet werden. Zudem sollten Patienten, bei denen sich die Gabe von Epoetin nicht vermeiden lässt, auf mögliche kardiale Risiken hingewiesen werden, damit sie sich bei Auftreten von Symptomen rechtzeitig in ärztliche Behandlung begeben.

Fazit: Epoetin alfa eignet sich nicht zur Begrenzung der Infarktausdehnung bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt nach perkutaner koronarer Intervention. Eine mögliche pleiotrope Wirkung von Epoetin konnte also, wie Prof. Dr. med. Karl Werdan (Halle) sagte, nicht nachgewiesen werden. Die Anwendung ist zwar mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert, aufgrund der geringen Fallzahl sind Schlussfolgerungen hieraus Werdan zufolge nur unter großem Vorbehalt zu ziehen. Seiner Ansicht nach bleiben die klassischen Indikationen von Epoetin hiervon unberührt.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Najjar SS et al.: Intravenous erythropoietin in patients with ST-segment elevation myocardial infarction. REVEAL: A randomized controlled trial. JAMA 2011; 305: 1863–72. MEDLINE
  2. Bhatt DL: Evaluation of agents to reduce infarct size. It can be quite REVEALing. JAMA 2011; 305: 1908–9. MEDLINE

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