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POLITIK

Telemedizin: Region mit Modellcharakter

Dtsch Arztebl 2011; 108(24): A-1354 / B-1138 / C-1138

Krüger-Brand, Heike E.

In Ostwestfalen-Lippe erprobt das Land Nordrhein-Westfalen beispielhaft, wie sich telemedizinische Anwendungen flächendeckend umsetzen lassen.

Ostwestfalen-Lippe sei die einzige Region, die versuche, sich als Telemedizinregion aufzustellen und telemedizinische Anwendungen flächendeckend zu implementieren, lobte Wolfgang Loos, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed), bei der 2. Tagung der Modellregion Telemedizin Ostwestfalen-Lippe (OWL) Ende Mai in Bielefeld*.

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Viele Barrieren

Aus Sicht des Experten ist Telemedizin als Thema inzwischen zwar bei Ärzten und Patienten angekommen, hat aber den Sprung von der Forschung in die breite Anwendung noch nicht geschafft. Der Grund dafür sind zahlreiche Umsetzungsbarrieren, allen voran die fehlende bundesweite Telematikinfrastruktur. So gebe es eine Vielzahl von Projekten – die Telemedizin-Landkarte des Instituts für Arbeit und Technik etwa verzeichne derzeit 265 Projekte in 113 Kommunen (www.iat.eu/ehealth/index.php). Allerdings seien dies sämtlich Insellösungen. Weitere Schwierigkeiten auf dem Weg in die Regelversorgung: Die Unternehmen stünden vor hohen Markteintrittsbarrieren, weil der Evidenznachweis anhand klinischer Studien für kleine und mittelständische Unternehmen kaum zu leisten sei, meinte Loos. Hinzu komme eine hohe Marktintransparenz.

Dennoch gibt es auch Fortschritte zu vermelden, wie etwa die E-Health-Initiative der Bundesregierung, in der unter anderem eine E-Health-Strategie für Deutschland konzipiert werden soll, oder auch Fördermaßnahmen einzelner Bundesländer. Besonders aktiv ist Nordrhein-Westfalen mit einer eigenen Modellregion, in der Strukturen für telemedizinische Anwendungen entwickelt und erprobt werden sollen, die anschließend landesweit genutzt werden können (Kasten).

Über ein Projekt zum Teleintensivmonitoring mit Portalklinikansatz berichtete Dr. med. Michael Fantini vom Mühlenkreisklinikum Lübbecke/Rahden. Dabei geht es darum, die Expertise, die normalerweise nur in Häusern der Maximalversorgung oder in Schwerpunktkliniken vorhanden ist, in eine kleinere kommunale Einrichtung zu holen, um eine wohnortnahe Versorgung zu ermöglichen. Für die Teleintensivmedizin spielen laut Fantini drei Faktoren eine Rolle: der Kompetenztransfer, das Einholen von Zweitmeinungen und die optimale Vorbereitung einer Verlegung. Über das Telemonitoring der Vitaldaten hinaus wird zusätzlich der Einsatz von mobilen Videokameras erprobt, die dem externen Experten zu einem „klinischen Blick“ auf die Situation verhelfen. „Die Telemedizin ersetzt nicht den Arzt vor Ort, sie kann aber bei schwierigen Entscheidungen hilfreich sein“, betonte der Anästhesist.

Mehr Lebensqualität

Ein Projekt zum telemedizinisch basierten Gerinnungsmonitoring präsentierte Priv.-Doz. Dr. med. Heinrich Körtke vom Institut für angewandte Telemedizin (IFAT) am Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen. Patienten werden etwa nach Herzklappenersatz häufig dauerhaft mit Antikoagulanzien behandelt. Für die Therapie muss die Blutgerinnung regelmäßig kontrolliert werden, um Komplikationen wie Blutungen und Thromboembolien zu vermeiden.

Über entsprechende Messsysteme können Patienten ihre gerinnungshemmende Therapie auch selbstständig überwachen und anpassen. Dazu entnehmen sie einmal wöchentlich Blut aus dem Finger, analysieren es mit ihrem Diagnosesystem und übermitteln das Ergebnis elektronisch an das IFAT. Dort werden auf diese Weise inzwischen mehrere Tausend Patienten telemedizinisch überwacht (www.hdz-nrw.de/institute/angewandte-telemedizin). Studien zufolge seien durch das Gerinnungsmonitoring eine stabile Antikoagulation und eine Senkung der Komplikationsrate möglich, sagte Körtke. Die Patienten fühlen sich Umfragen zufolge zudem sicherer und gewinnen durch das Selbstmanagement an Lebensqualität.

Heike E. Krüger-Brand

*veranstaltet vom Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen GmbH in Partnerschaft mit der DGTelemed

Modellregion Telemedizin OWL

Hintergrund: Die Modellregion Telemedizin in Ostwestfalen-Lippe (OWL) wurde Ende 2009 durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gestartet. In OWL sollen beispielhaft Anwendungen der Telemedizin entwickelt, erprobt und in eine umfassende telemedizinische Patientenversorgung umgesetzt werden.

Informationen: www.telemedizin24.de

Die Region: Circa zwei Millionen Einwohner, 6 519 km², 2 560 niedergelassene Ärzte

Projektpartner: Landesregierung Nordrhein-Westfalen, Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (Projektkoordination), Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft sowie Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und Dienstleister der Region

Beispiele für Projekte: Neutrale Beratung, Weiter- und Fortbildungsangebote für Ärzte, Medizinische Fachangestellte und Patienten, virtuelle Klinik OWL, Qualitätssicherung, Bedarfsanalyse für Teleneurologie in der Schlaganfallversorgung


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