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SPEKTRUM: Leserbriefe

Feinstäube: Hinweise werden ernst genommen

Dtsch Arztebl 1998; 95(7): A-316 / B-252 / C-240

Spallek, M.

Zu dem Beitrag über das Umweltforum der Bundesärztekammer "Die Gesundheitsgefahr: Feinstäube" von Dr. Sabine Glöser in Heft 48/1997:
Bislang ist eine eindeutige Assoziation zwischen Lungenkrebs und Dieselrußexposition lediglich im Tierversuch bei der Ratte überzeugend nachgewiesen. Bei anderen Nagetierarten konnte in Inhalationsexperimenten keine eindeutige Assoziation festgestellt werden. Intensive histologische Vergleiche zwischen Ratten- und Primatenlungen zum Retentionsverhalten von Dieselrußpartikeln und die zellulären Gewebereaktionen zeigen gravierende Unterschiede zwischen beiden Tierarten, die als wissenschaftlicher Beweis gelten können, daß es sich bei der dieselrußinduzierten Lungenkrebsinduktion bei Ratten um eine tierartspezifische Reaktion handelt. Diese Lungenkrebsinduktion gelingt nicht nur mit Dieselrußpartikeln, sondern auch mit technischem Ruß und mit Titandioxidpartikeln, die völlig frei von angelagerten organischen Kohlenwasserstoffen sind. Somit sind die nachgewiesenen Tumorinduktionen auch noch dieselrußunspezifisch.
Die vorliegenden epidemiologischen Studien aus beruflich hochexponierten Kollektiven belegen keine eindeutige Assoziation. Eine umfassende Wertung der Studien und ihrer Störeinflüsse ist erst kürzlich von Stöber und Abel publiziert worden. Eine qualitative Risikoeinschätzung ist demnach schon schwierig; eine quantitative Risikoabschätzung ist derzeit nicht möglich. Dieselmotorabgase sind zudem nur eine Partikelquelle; Hausbrand (Ölheizungen), Heizkraftwerke und Müllverbrennungen werden nur selten berücksichtigt. Die neuen Hinweise, daß vermutlich doch nicht die Partikelmasse, sondern die Anzahl feiner und ultrafeiner Partikel entscheidend ist, werden seitens der Automobilindustrie ebenso ernst genommen wie die bisherigen Daten. Im Gegensatz zu der mechanistischen Wirkungshypothese der Partikelmassen wird bei der Wirkung von feinen und ultrafeinen Stäuben derzeit zwar intensiv über statistische Zusammenhänge diskutiert, ein biologisch plausibler Wirkungsmechanismus kann als Hypothese jedoch nicht zugrunde gelegt werden.
Dr. med. M. Spallek, Leitender Werksarzt der Volkswagen Nutzfahrzeuge, 30405 Hannover
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