POLITIK: Aktuell
Ethik-Kommissionen: Ständige Konferenz für den Erfahrungsaustausch
Dtsch Arztebl 1998; 95(7): A-328 / B-278 / C-260


Nach vorangehenden Treffen in Madrid (1992) und in Stockholm (1994) fand am 12. und 13. Januar
1998 in Paris die dritte Konferenz Europäischer Ethik-Kommissionen statt. In seiner Eröffnungsansprache
betonte der französische Staatspräsident Jacques Chirac, daß angesichts der stürmischen Entwicklung in Biologie
und Medizin, der demographischen Entwicklung der Bevölkerung in den Industrieländern und der
Ressourcenverknappung eine Besinnung auf ethische Grundsätze in der Medizin unerläßlich sei.
Da die Probleme keineswegs auf die herkömmlichen Nationalstaaten begrenzt blieben, seien Lösungsansätze auf
internationaler Ebene, auch wenn sie nur hier und dort gegenüber nationaler Regelung zurückbleibende
Standards vorgeben, das Gebot der Stunde. Als Beispiel führte Chirac das Protokoll "Klonen" des Europarates
an. Dies kann freilich nur von den Staaten übernommen werden, die das zugrundeliegende
"Menschenrechtsübereinkommen zur Biomedizin" (früher: Bioethik-Konvention) des Europarates gezeichnet
haben.
Der Staatspräsident beglückwünschte im übrigen die Konferenz zur Wahl ihres Schwerpunktthemas
"Allokationsprobleme". Die Tagung befaßte sich unter anderem mit Fragen der demokratischen Legitimität und
Verfahrensweise von Ethik-Kommissionen.
Das 1992 mit großem Elan vorgetragene Ziel, eine gesamteuropäische Ethik-Kommission zu etablieren, dürften
die Initiatoren der Tagung, insbesondere das Generalsekretariat des Europarates, jedoch zwischenzeitlich
aufgegeben haben. An ihre Stelle soll nun als Forum des Erfahrungs- und Gedankenaustausches eine "ständige
Konferenz europäischer Ethik-Kommissionen" treten - eine Lösung, die der Vielfalt in den Mitgliedsstaaten des
Europarates sehr viel besser gerecht wird als ein uniformes, unter dem Stichwort "Harmonisierung" propagiertes
Gremium. ED
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