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BERUF

Gesundheitseinrichtungen: Mangelnde Führungskompetenz

Dtsch Arztebl 2011; 108(25): [79] / [79] / [79]

Flintrop, Jens

Eine Studie zeigt Potenziale für mehr Qualität und Service im Gesundheitswesen auf.

Krankenhäuser, Rehabilitationseinrichtungen und Pflegeheime könnten die Qualität ihrer Leistungen zum Wohl der Patienten deutlich verbessern – und das ohne hohe Kosten. Denn die Defizite sind nicht in der fachlichen Qualifikation des medizinischen Personals zu finden, sondern vor allem in Fragen der Führung, der Kommunikation und der Motivation. So lautet die Selbsteinschätzung der Branche, die im Rahmen des aktuellen „Excellence Barometers Gesundheitswesen“ erhoben wurde. Für die repräsentative Benchmarkstudie befragte „Forum Marktforschung“ im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) Entscheidungsträger aus 300 Gesundheitseinrichtungen.

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Als größtes Managementdefizit in Gesundheitseinrichtungen nennen die Befragten einen Mangel an Führungskompetenz und sozialen Fähigkeiten. 44 Prozent bewerten die Führungsqualitäten in ihrer Einrichtung als durchschnittlich. Betriebe in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft und kleinere Rehabilitationseinrichtungen mit weniger als 99 Betten schneiden etwas schlechter ab. Auch Mitarbeiterorientierung und Mitarbeiterzufriedenheit in der eigenen Organisation seien nur Mittelmaß, meinen 40 Prozent der Gesundheitsmanager. Dies trifft vor allem für öffentlich-rechtliche Trägerschaften und größere Einrichtungen ab 200 Betten zu.

„Gute Führung beeinflusst die Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation unmittelbar und wirkt sich positiv auf die Servicequalität und die Zufriedenheit der Patienten aus“, kommentiert DGQ-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Kaerkes. Einrichtungen, die ihr Qualitätsmanagement (QM) umfassender aufstellten und einen Fokus auf die Verbesserung von Führungsqualitäten und Soft Skills legten – zum Beispiel durch die Optimierung von internen Kommunikationsabläufen oder Weiterbildungsangeboten – könnten sich mit geringen Investments entscheidende Wettbewerbsvorteile verschaffen.

82 Prozent der Führungskräfte in den Gesundheitseinrichtungen zeigen sich überzeugt: Qualitätsmanagement leistet einen entscheidenden Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg von Krankenhäusern, Rehabilitationseinrichtungen und Pflegeheimen. 40 Prozent der befragten Manager bezeichnen die Qualität der Dienstleistungen am Patienten sogar als größten Erfolgsfaktor für ihren Betrieb. Entsprechend verfügen 91 Prozent der Krankenhäuser und 83 Prozent der Rehabilitationseinrichtungen über eigene QM-Abteilungen. Auffallend: Obwohl 86 Prozent der Manager aus Pflegeeinrichtungen QM als erfolgskritisch bezeichnen, verfügt ein Viertel der deutschen Pflegeheime über kein eigenes QM. 55 Prozent der Einrichtungen besitzen keine volle QM-Stelle.

Anteil der Führungskräfte, die QM als elementare Voraussetzung für den Unternehmenserfolg ansehen

Erstaunlich: In 65 Prozent aller Pflegeeinrichtungen gibt es keine Zertifizierung, auch wenn knapp 50 Prozent darin einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sehen und mit 94 Prozent fast alle sehr zufrieden mit den Auswirkungen einer Zertifizierung auf den Unternehmenserfolg sind.

Neben Qualitätsmanagement und Dienstleistungsqualität gelten Personalpolitik und Mitarbeiterbindung (21 Prozent), die fachliche Kompetenz der Mitarbeiter (18 Prozent) sowie Kundenorientierung und Kundenzufriedenheit (18 Prozent) als wesentliche Erfolgsfaktoren für Gesundheitseinrichtungen.

Gerade weil viele der befragten Gesundheitsmanager die Führungsdefizite und Mitarbeiterzufriedenheit als zentrale Problembereiche ihrer Einrichtung bezeichnen, ist es überraschend, dass nur drei Prozent Führungskompetenz als erfolgsentscheidenden Faktor für die eigene Organisation sehen. Ähnlich schwach schneiden im Ranking der Erfolgsfaktoren Innovationen (vier Prozent) und Kostendisziplin (sechs Prozent) ab.

„Angesichts des Kostendrucks im Gesundheitswesen und der Tatsache, dass viele Krankenhäuser, Reha- und Pflegeeinrichtungen täglich um ihren guten Ruf kämpfen, ist es erstaunlich, dass entscheidende Hebel nicht in Bewegung gesetzt werden“, meint DGQ-Geschäftsführer Kaerkes. „Die Ergebnisse des Excellence Barometers deuten darauf hin, dass Probleme, die die Qualität von Leistung und Service unmittelbar beeinflussen, zwar erkannt, aber nicht behoben werden. JF


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